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"Energie als Waffe" - Gazprom dreht auch Frankreich den Hahn zu

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Von su  mit dpa
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Der russische Energiekonzern Gazprom hat die Gaslieferungen nach Frankreich ab diesem Donnerstag, (1. September), eingestellt. Begründung („AFP“): Der Energieversorgungskonzern Engie-Hauptaktionär ist der Staat - habe ausstehende Rechnungen bis Dienstag nicht bezahlt. Vor dem Einmarsch in die Ukraine hatte Gazprom 17 % des Engie-Gases ("energynews") geliefert, seither sind die Importe auf 4 Prozent (1,5 TWh) zurückgegangen. 

Tags zuvor hatte Gazprom die Gaslieferungen nach Deutschland über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 gestoppt - für drei Tage Wartungsarbeiten, so die Ankündigung. In Friedenszeiten kam etwa ein Drittel des EU-Gasbedarfs (153 Milliarden m3) über Nord Stream ("Le Temps").

FRANKREICH

Der französische Konzern habe "andere Bezugsquellen gefunden", beruhigte die französische Premierministerin Elisabeth Borne die Engie-Kunden („TMC“) - allerdings ohne anzugeben, welche. Zuvor hatte sie "Rationierungen" nicht ausgeschlossen, sollten die angepeilten Energiesparmengen nicht erreicht werden ("LaTribune").

Elisabeth Borne, französische Premierministerin:

„Der Anstieg der Kraftstoffpreise oder das reale Risiko einer Gasknappheit zeigen uns, dass die Verteidigung unserer Werte durch die Unterstützung des ukrainischen Volkes einen Preis hat. Das soll kein Spiel mit unseren Ängsten sein, [...] es bedeutet, sich klarzumachen, was da auf uns alle zusammen zukommt."

Alle zusammen?

AUSNAHME UNGARN

Nach einem Besuch des ungarischen Außenministers Peter Szijjarto in Moskau im Juli will Gazprom Ungarn ab sofort zusätzlich zu den im langfristigen Vertrag vereinbarten Mengen bis zu 5,8 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag über die TurkStream-Pipeline liefern. Im Rahmen eines langfristigen Gasvertrags mit Ungarn, mit 15 Jahren Laufzeit, liefert Russland jährlich 4,5 Milliarden Kubikmeter Gas nach Budapest. Heißt: Über die Türkei, Bulgarien und Serbien.

Peter Szijjarto, ungarischer Außenminister:

„Dieses erhöhte Gasversorgungsvolumen wird auch zur Energiesicherheit Ungarns beitragen und helfen, Einschränkungen aufgrund von Gasknappheit zu vermeiden.“

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Laut EU-Energiekommissarin Kadri Simson hat die Union der 27 ihr Ziel, die Gasspeicher vor den Wintermonaten zu 80 % zu füllen, bereits erreicht.

"ENERGIE ALS WAFFE"

Auch eine strategische Frage, so 

John Kirby, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des Weißen Hauses:

"Ich meine, es lohnt sich, noch einmal darauf hinzuweisen, dass der (russische) Präsident Putin die Energie zur Waffe macht. Und deshalb hat Präsident Biden bereits im März eine Task Force mit der EU eingerichtet, um Europa alternative Erdgasquellen zugänglich zu machen, auch aus den Vereinigten Staaten, und um dazu beizutragen, Europas Nachfrage nach russischer Energie durch gesteigerte Effizienz und den Einsatz sauberer Energie zu reduzieren."

Als Schritt in Richtung Einheit und alternative Energien gilt die Vereinbarung von acht Ostsee-Ländern: Durch einen massiven Ausbau der Windenergie wollen die Staaten ihre Offshore-Leistung bis 2030 auf knapp 20 Gigawatt versiebenfachen.

su mit dpa