Russland sucht Vorwand für Rückzug aus Cherson - womöglich unter falscher Flagge

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Von Oleksandra Vakulina
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Russland beabsichtige offenbar mit Warnungen vor einem angeblichen ukrainischen Angriff auf ein Wasserkraftwerk Tatsachen zu schaffen, um der Ukraine die Schuld für etwaige Schäden und den Verlust von Menschenleben in die Schuhe schieben zu können.

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Die russischen Behörden bereiten sich informationstechnisch darauf vor, den russischen Rückzug und erhebliche Gebietsverluste im Gebiet Cherson zu rechtfertigen - das meldet Institute for the Study of War.

Seitens des britischen Verteidigungsministeriums heißt es: Das jüngste Eingeständnis Russlands, in der Region Cherson sei eine "schwierige Situation entstanden", sei höchst ungewöhnlich und deute wahrscheinlich darauf hin, dass die Behörden einen größeren Rückzug ihrer Streitkräfte aus dem Gebiet westlich des Flusses Dnipro erwägen.

Der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef der strategisch wichtigen Stadt, Wladimir Saldo, sprach von Plänen, in den nächsten sechs Tagen bis zu 60.000 Menschen über den Fluss Dnipro nach Russland zu bringen - jeden Tag 10.000 Menschen. 

Das Institute for the Study of War sagt, unter dem Deckmantel sogenannter "Evakuierungen" sollten Zivilisten massenhaft aus den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine zwangsumgesiedelt werden.

Die US-amerikanische Denkfabrik glaubt, dass die russischen Streitkräfte versuchen, die Folgen eines Scheiterns gegen einen weiteren erfolgreichen ukrainischen Vorstoß abzumildern und zudem die Voraussetzungen für einen Angriff unter falscher Flagge auf das Wasserkraftwerk von Kachowka schaffen.

Russland beabsichtige offenbar mit Warnungen vor einem angeblichen ukrainischen Angriff auf das Wasserkraftwerk und tatsächlichen Beschädigungen durch russische Streitkräfte einen Vorwand zu schaffen, um der Ukraine die Schuld für Schäden und den Verlust von Menschenleben in die Schuhe schieben zu können. Gleichzeitig könnten daraus resultierenden Überschwemmungen dazu dienen, den eigenen Rückzug weiter nach Süden in die Region Cherson zu rechtfertigen.

Das britische Verteidigungsministerium schreibt in seinem Geheimdienstbericht, dass Russland wegen der schweren Schäden an Brücken höchstwahrscheinlich auf eine Behelfsbrücke, die in den letzten Tagen in der Nähe von Cherson fertiggestellt wurde und auf militärische Pontonfähren zurückgreifen wird.

Eine der größten Herausforderungen bei einem russischen Rückzug wäre der geordnete Abtransport der Truppen und ihrer Ausrüstung über den 1000 m breiten Fluss, wie auf Satellitenfotos zu erkennen ist, die die russischen Streitkräfte beim Einsatz einer Pontonfähre in der Nähe des Nowa-Kachowka-Damms zeigen.

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