Wenn Häuser im Meer verschwinden: Küstenerosion bedroht englische Ortschaften

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Von Luke Hanrahan
Eine Straße am Rande des Abgrunds in Haggisburgh, England
Eine Straße am Rande des Abgrunds in Haggisburgh, England   -   Copyright  AP Photo

Ein Dorf am Rande eines Abgrunds, der Tag für Tag näher rückt: das ist Happisburgh, im Osten Englands

"Als ich hier hergezogen bin, waren wir in der Mitte der Straße und jetzt befinden wir uns am Rande der Klippen", meint Nicola Bayliss.

Die Küstenerosion verschlingt nach und nach Einfamilienhäuser - entlang dieser Straße... und bereitet den verbliebenen Anwohnern schlaflose Nächte. 

"Das Haus bebt nachts, und manchmal spürt man, wie eine Klippe herunterfällt, es fühlt sich an wie ein Erdbeben. Das Haus wackelt und da ist noch ein kleiner Felsen, ganz in der Nähe. Man macht sich Sorgen, aber man traut sich nachts nicht hierher, weil es keine Beleuchtung gibt. Man hält einfach bis zum Morgen aus und hofft, dass alles gut geht", erzählt Bayliss weiter.

Ein mittelalterliches Dorf an der Ostküste Englands bröckelt - und verschwindet nach und nach in der Nordsee. Da die Winter immer feuchter werden, verliert der Lehmboden in diesem Gebiet an Stabilität.

"Es ist erst ein paar Jahre her, dass ich diesen Küstenabschnitt zum letzten Mal besucht habe. Und es ist kaum zu glauben, wie schnell die Klippen im Meer verschwinden. Das Tempo der Veränderungen - so die Dorfbewohner - beschleunigt sich. Viele glauben, dass die lokalen und nationalen Behörden noch mehr hätten tun können, um ihre Häuser zu schützen", kommentiert Euronews-Reporter Luke Hanrahan.

Die von der Gemeinde errichteten Schutzanlagen wurden wegen steigender Kosten nicht saniert.

Sie kaufte einige der am meisten gefährdeten Häuser auf und half Dorfbewohnern bei der Umsiedlung. Aber mehr als tausend Menschen bleiben weiterhin in Happisburgh. Sie sorgen sich, dass die Erosion noch schneller vonstatten gehen wird als bislang.

Wenn es stark regnet, rutsche die Klippe weiter ab, erzählt eine andere Anwohnerin. Auf die Frage, ob mehr hätte unternommen werden können, um die Ortschaft vor ihrem Schicksal zu bewahren sagt sie:

"Ja, vor langer Zeit. Jetzt ist es ein bisschen spät. Als wir vor 25 Jahren hierher zogen, hieß es: "Sie werden nie den Leuchtturm oder die Kirche aufgeben - wenn Happisburgh verschwindet, geht es direkt weiter nach Wroxham und Norwich. Es wird wohl nichts mehr unternommen werden", meint Lizzy Cane, die auch hier wohnt.

In 20 Jahren sind insgesamt 34 Häuser an diesem Küstenabschnitt verschwunden. Dieses Schicksal droht nun auch zwei Dutzend weiteren Häusern, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.