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Was tut die Kirche? Sexueller Missbrauch in Spanien

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Von Carlos MarlascaSabine Sans
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In Spanien waren 2018 offiziell 34 Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche bekannt. Als die Zeitung „El Pais“ damals über das Thema zu berichten begann, meldeten sich immer mehr Opfer, inzwischen sind es über 1.300.

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Sexueller Missbrauch durch katholische Geistliche war jahrzehntelang ein Tabu in Spanien. Die systematische Aufarbeitung verläuft zäh. Der Druck auf die Kirche wächst, eine staatliche Untersuchungskommission soll für Aufklärung sorgen.

In Frankreich geht eine Untersuchungskommission von mehreren Hunderttausend Opfern aus, in Deutschland werden die Zahlen ähnlich hochgeschätzt. In Spanien waren 2018 offiziell 34 Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche bekannt. Als die Zeitung El País damals über das Thema zu berichten begann, meldeten sich immer mehr Opfer, inzwischen sind es über 1.300.

Fernando hat lange gebraucht, bis er über die sexualisierte Gewalt sprechen konnte, die ein Geistlicher ihm angetan hatte. Er war ein 14-jähriger Schüler, als ihm der inzwischen verstorbene Priester José María Pita da Veiga die Unschuld nahm. Das Opfer fühlte sich über Jahre schuldig. 

"An einem regnerischen Tag kam der Priester zu mir und forderte mich auf, nach oben zu gehen, um mich in seinem Zimmer abzutrocknen, so fing es an", erinnert sich Fernando García-Salmones.

Der Missbrauch dauerte fast ein Jahr - mit bleibenden Narben. 

"Es gibt eine Zerstörung der Liebesfähigkeit, eine völlige Trennung zwischen Sexualität und Zuneigung, Misstrauen, ein ständiges Schuldgefühl, eine verheerende Angst vor Einsamkeit."
Fernando García-Salmones

Spanische Zeitung startet Aufklärung

Im Oktober 2018 startete die Zeitung El País die erste Untersuchung in Spanien, damals wurden 34 Opfer registriert. Drei Jahre später veröffentlichte man eine Datenbank mit mehr als 1700 Missbrauchs-Opfern. Manchmal dauert es Jahre, bis Journalisten Informationen bestätigen können. Für den ersten Schritt gab es ein wichtiges Werkzeug. 

"Der Hauptantrieb war die Einrichtung eines E-Mail-Postfachs", meint El País-Journalist Julio Nuñez. "Die Mailbox, die El País eingerichtet hat, war die Nabelschnur, die die Opfer mit jemandem verband, der ihre Geschichte verbalisieren und bestätigen konnte."

Die langsame Reaktion der spanischen Kirche

Die spanische Bischofskonferenz ließ verlauten, keine Autorität über die verschiedenen Orden zu haben, in denen es Missbrauchsfälle gab. Man habe "langsam" reagiert, wolle aber "alles Mögliche" tun - einschließlich der Einrichtung von 200 Büros zur Unterstützung der Opfer.

"Was auch immer die Gesellschaft und die Kirche tun, es ist ein Schmerz, den sie in ihrem Herzen tragen und der respektiert werden muss", so José Gabriel Vera, Kommunikationsdirektor der Bischofskonferenz. "Die Kirche schlägt vor, sich mit jedem Opfer persönlich zu treffen, um seinen Fall und seine Geschichte kennenzulernen, seinen Namen zu erfahren und zu wissen, wie ihm geholfen werden kann. Entweder vom seelsorgerischen Standpunkt aus, was die Aufgabe der Kirche ist, oder vom juristischen Standpunkt aus."

Parlament und Justiz pochen auf Aufklärung

In der Spanischen Kirche gibt es bisher 506 offizielle Fälle. 

Im März 2022 beauftragte das spanische Abgeordnetenhaus einen unabhängigen Ombudsmann mit der Erstellung eines Berichts über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und die Rolle der öffentlichen Behörden. Es ist die erste offizielle Untersuchung, die in Spanien durchgeführt wurde.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde ein Gremium unabhängiger Experten eingesetzt. Das Engagement geht über das hinaus, was mit den politischen Vertretern vereinbart wurde. Ombudsmann Angel Gabilondo:

"Dieser Bericht ist auch für die Opfer. Sie sollen sich darin wiedererkennen, ihre eigene Situation, und sehen, dass Maßnahmen ergriffen werden, um Verantwortung einzufordern und auch, dass Elemente der Wiedergutmachung gesucht werden."

Der Ombudsmann hofft, dass die spanische Kirche ihr Versprechen zur Zusammenarbeit einlöst und hilft, ein vollständiges Bild dieser Verbrechen zu erstellen.

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