Mehr Inder als Chinesen - ein Drittel der Weltbevölkerung kommt aus diesen beiden Ländern

Das Bevölkerungswachstum Indiens wird angesichts seiner überwiegend jungen Bevölkerung noch mehrere Jahrzehnte andauern.
Das Bevölkerungswachstum Indiens wird angesichts seiner überwiegend jungen Bevölkerung noch mehrere Jahrzehnte andauern. Copyright PUNIT PARANJPE/AFP or licensors
Von euronews
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Jeder Dritte der rund acht Milliarden Menschen auf der Welt kommt aus China oder Indien. Dort leben jeweils rund 1,4 Milliarden. Und lange war China die Nummer eins, jetzt wird Indien bald das bevölkerungsreichste Land der Welt sein.

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Jeder Dritte der rund acht Milliarden Menschen auf der Welt kommt aus China oder Indien. Dort leben jeweils rund 1,4 Milliarden. Und lange war China die Nummer eins, jetzt wird Indien bald das bevölkerungsreichste Land der Welt sein.

Nach Schätzungen des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA ist dieser Punkt Mitte des Jahres erreicht. In Indien sollen dann  1,4286 Milliarden Menschen leben, in China 1,4257. Die gesamte Weltbevölkerung beträgt dann rund 8,045 Milliarden. Das Bevölkerungswachstum Indiens dürfte aber angesichts seiner überwiegend jungen Bevölkerung noch mehrere Jahrzehnte andauern.

"Die Rangfolge der bevölkerungsreichsten Länder der Welt wird sich in den nächsten 25 Jahren erheblich verändern. Während wir hier sprechen, überholt die indische Bevölkerung beispielsweise die chinesische. Jeder möchte wissen, was das alles bedeutet, und ohne eine klare Antwort besteht die ernste Gefahr, dass Menschenrechte, insbesondere die reproduktiven Rechte, untergraben werden."

Dr. Natalia Kanem, Exekutivdirektorin des UNFPA

Die USA stehen mit 340 Millionen Menschen an dritter Stelle, zusammen stellen Indien und China mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung. Das Wachstum hat aber zuletzt abgenommen, China schrumpfte im letzten Jahr sogar, erstmals seit sechs Jahrzehnten. Indiens Bevölkerung dürfte vorerst weiterwachsen.

Auf den Überschuss an Werktätigen, der Chinas Wirtschaftswunder als "Werkbank der Welt" angekurbelt hatte, werde Arbeitskräftemangel folgen, warnen Experten. Indien hat derzeit noch deutlich mehr junge als alte Menschen, mehr potenziell Werktätige, die die Wirtschaft voran bringen könnten.

Indiens "Demografische Dividende"

Indische Politiker haben diese Tatsache immer wieder als "Demografische Dividende" bezeichnet, als Booster für die Wirtschaft und als Chance, die Lebensumstände von Millionen zu verbessern. Aber noch gibt es für die vielen Menschen zu wenige Jobs - und die Schaffung von neuen ist eine der größten Herausforderung für die Regierung von Premierminister Narendra Modi.

Das Bevölkerungswachstum wird auch immer wieder gern von Populisten ausgenutzt. In dem mehrheitlich hinduistischen Indien werfen beispielsweise radikalere Hindus der muslimischen Minderheit vor, sie zeuge mit Absicht mehr Kinder und wolle das religiöse Gleichgewicht ändern.

Angesichts antizipierter Probleme haben beide Länder Bemühungen unternommen, ihr Bevölkerungswachstum zu verlangsamen - und beide asiatischen Nationen haben dies geschafft.

Indien hat seit 1952 ein entsprechendes Programm lanciert - und die Menschen dazu aufgerufen, kleine Familien zu haben. Eine klar vorgeschriebene Politik wie etwa Chinas «Ein-Kind-Politik» gab es in dem Land jedoch nie. Inzwischen haben Inderinnen nach offziellen Zahlen noch 2.0 Kinder im Durchschnitt. Auch nutzten nach Regierungsangaben rund zwei Drittel der Paare Verhütungsmittel. Diese sind in Indien kostenlos erhältlich. Für Sterilisationen gibt es gar finanzielle Anreize vom Staat. Früher wurden Menschen teils zur Sterilisierung gezwungen.

Chinesinnen haben im Schnitt gar nur noch 1,18 Kinder, heißt es von offizieller Seite. Die Auswirkungen der seit 1979 verfolgten irrigen "Ein-Kind-Politik" werden nun immer spürbarer. Die Aufhebung der umstrittenen Geburtenkontrolle führte 2016 nur kurz zu einem leichten Anstieg der Geburten. Die hohen Kosten für Wohnraum, Bildung und Gesundheitsversorgung sowie die schwindende Bereitschaft zur Heirat sind wesentliche Gründe. 

Ein Kind ist in China heute soziale Norm

Als Reaktion auf den Geburtenrückgang und die rapide Überalterung in China wurden 2021 auch drei Kinder erlaubt. Außerdem bemüht sich die Regierung seither, es jungen Paaren leichter zu machen, für Kinder zu sorgen. Die Kosten für Kindergärten und Schulbildung wurden gesenkt. Finanzhilfen wurden gewährt, Mutterschafts- und Elternurlaub erleichtert. Viele Frauen befürchten, dass sich eine Mutterschaft negativ auf ihre berufliche Karriere auswirkt.

China überaltert - wie die westlichen Länder

Schon länger müssen immer weniger Werktätige immer mehr alte Menschen versorgen. Jeder fünfte Chinese ist heute älter als 60 Jahre. Unterstützten 2020 fünf Beschäftigte zwischen 20 und 64 Jahren einen älteren Menschen über 65 Jahre, werden es 2050 nur noch 1,5 Arbeitnehmer sein. 

In Indien hingegen ist noch die Hälfte derBevölkerung jünger als 30 Jahre. Aber nicht für alle, die arbeiten wollen, gibt es auch einen Job.

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