Shamima Begum (24) ohne britischen Pass: Verdammt, für immer in Syrien zu leben?

Shamima Begum darf nicht zurück nach London
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Von Kirsten RipperEuronews mit AP
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Die britische Justiz hat der ehemaligen IS-Anhängerin Shamima Begum den britischen Pass entzogen. Sie war im Alter von 15 Jahren von zu Hause weggelaufen und nach Syrien zum IS gereist.

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Seit Jahren kämpft die 24-jährige Shamima Begum darum, aus Syrien in ihre britische Heimat zurückkehren zu dürfen. Am Freitag hat ein Gericht in London entschieden, dass es rechtens war, der in London geborenen jungen Frau die britische Staatsangehörigkeit zu entziehen. Sie darf jetzt nicht mehr nach Großbritannien einreisen.

In den vergangenen Jahren hatten mehrere britische Innenminister - vor allem die Konservativen Sajid Jarif und Priti Patel - die junge Frau als Gefahr für die Sicherheit des Landes angesehen.

Mit 15 nach Syrien gereist

Im Alter von 15 Jahren war Shamima Begum mit zwei Freundinnen aus der "Bethnal Green Academy", einem Gymnasium im Osten von London, in die Türkei gereist, um sich in Syrien dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS) anzuschließen. TURKISH AIRLINES erklärte später, es sei im Februar 2015  niemandem aufgefallen, dass die drei Mädchen minderjährig waren. Sie hatten Schmuck ihrer Familien gestohlen, um die Reise zu finanzieren.

Videos von Überwachungskameras zeigen die drei Jugendlichen im Februar 2015 am Flughafen in Gatwick und danach in Istanbul. Sie hatten in London übers Internet Kontakte zu einem Netzwerk, das junge Leute radikalisierte und an den IS vermittelte.

Shamima Begum (Mitte) bei der Ausreise 2015 am Flughafen Gatwick
Shamima Begum (Mitte) bei der Ausreise 2015 am Flughafen GatwickAP/AP

Yago Riedjik, der Ehemann aus den Niederlanden

In Syrien hat Shamima Begum einen zum Islam konvertierten Niederländer geheiratet. Sie war 15, Yago Riedijk war damals 23 Jahre alt. Der frühere IS-Dschihadist ist offenbar bis heute in Syrien in einem kurdischen Lager inhaftiert. In den Niederlanden wurde Yago Riedijk in Abwesenheit zu sechs Jahen Haft verurteitl. Er hatte laut Medien schon in seiner Heimatstadt Arnhem in einer islamistischen Gruppe an Terrorplänen gearbeitet.

"Ahnungslose Ehefrau"

In einem Gespräch mit Daily Mail bezeichnete Yago Riedijk die junge Britin als "ahnungslos", weil sie nicht gewusst habe, welche Pflichten sie als Ehefrau erfüllen müsse. Nach der Heirat seien sie in Rakkah Eisessen gegangen. Vor der Ehe hätten sie sich darauf geeinigt, dass Shamima weiterhin einkaufen gehen dürfe - und sie habe sich einen ins Englische übersetzten Koran gewünscht.

In einem BBC-Interview mit Quentin Sommerville gesteht Ridjik ein, dass Shamima Begum sehr jung gewesen sei, als sie heirateten.

Shamima Begums Anwälte argumentierten, die Jugendliche sei Teil eines Menschenhandels gewesen, der Frauen an das Terrornetzwerk nach Syrien vermittelt habe.

Offenbar haben auch die beiden anderen jungen Britinnen in Syrien IS-Dschihadisten aus westlichen Staaten geheiratet. Laut ihren Eltern ist eine der beiden jungen Frauen im Alter von 17 Jahren bei einem russischen Luftangriff in Syrien getötet worden.

Drei tote Kinder in Syrien

Shamima Begum und Yago Riedjik bekamen drei Kinder. Nachdem die ersten beiden Babys kurz nach der Geburt gestorben waren, wandte sich die junge Frau 2019 vor und nach der Geburt eines weiteren Sohnes an die britischen Behörden und bat darum, nach London zurückkehren zu dürfen. Sie lebte alleine in einem syrischen Lager und klagte in einem Interview mit ITV über die Kälte und die katastrophalen Zustände.

Die britischen Behörden lehnten Shamima Begums Bitte ab. Das Kind starb an einer Lungenentzündung und kurz darauf wurde ihr die britische Staatsbürgerschaft entzogen.

Der damalige Außenminister von Pakistan - dem Land, aus dem Shamima Begums Eltern stammten - hatte sogar erklärt, dort könne ihr die Todesstrafe drohen, falls sie einreisen wolle. 

In den sozialen Medien gibt es geteilte Meinungen zur Entscheidung der britischen Justiz, die junge Frau nicht zurückkommen zu lassen.

Britische Medien berichten Shamima Begum lebe inzwischen unter einem anderen Namen in Syrien. Die Verschleierung, die sie trug, als sie sich dem IS angeschlossen hatte, hat die 24-Jährige wieder abgelegt. Schon 2022 sagte Shamima Begum, sie wolle sich jetzt gegen die Radikalisierung junger Britinnen und Briten einsetzen.

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