1,5 Milliarden US-Dollar schulden die USA mittlerweile den Vereinten Nationen. Statt seine Beiträge zu bezahlen, gründet Trump lieber einen eigenen Friedensrat.
Etwa 300 Mitarbeiter des UN-Entwicklungsprogramms sitzen auf gepackten Koffern. Für sie geht es von New York in die alte Bundeshauptstadt Bonn. 100 weitere ihrer Kollegen ziehen nach Madrid.
"Die Lebenshaltungs- und Mietkosten sind in Bonn deutlich niedriger als in New York oder Genf", erklärt Ekkehard Griep gegenüber Euronews. "Das ist in Zeiten einer massiven Finanzkrise der UN ein entscheidender Faktor." Griep ist der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN).
Die Vereinten Nationen schnallen den Gürtel enger. Anfang des Jahres kündigten die USA, größter Geldgeber der Organisation, ihren Rückzug aus zahlreichen UN-Behörden an, wie Euronews berichtete.
Gleichzeitig zahlen die Vereinigten Staaten ihre Pflichtbeiträge seit Jahren nur teilweise oder gar nicht. Nach Angaben der UN belaufen sich die US-Schulden inzwischen auf rund 1,5 Milliarden Dollar. Auch andere Mitgliedsstaaten kommen ihren Verpflichtungen nur unzuverlässig nach.
Club der Autokraten
Während Washington der UN den Geldhahn zudreht, baut es parallel eine Alternative auf: US-Präsident Donald Trump treibt die Gründung eines eigenen "Friedensrats" voran. Der Preis für die Mitgliedschaft: eine Milliarde US-Dollar.
Zusagen kamen von Ungarns Machthaber Viktor Orbán, Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdoğan, dem belarussischen Diktator Alexander Lukaschenko und weiteren, so Medienberichte. Auch Russlands Staatschef Wladimir Putin soll sein Interesse bekundet haben.
Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat der Organisation bereits eine Absage erteilt. "Wir haben einen Friedensrat, und das sind die Vereinten Nationen", sagte Wadephul auf seiner Kenia-Reise vor Journalisten.
"Dieser sogenannte Friedensrat ist höchst problematisch. Schon die Zusammensetzung zeigt, wie selektiv und politisch motiviert dieses Gremium ist", erklärt Griep. "Das gesamte Konstrukt ist auf Donald Trump zugeschnitten: ein Vorsitz auf Lebenszeit, die alleinige Entscheidung über Mitgliedschaft und Bedingungen."
Ursprünglich sollte der Friedensrat sich auf die Verhandlungen im Gazastreifen konzentrieren. Doch Stück für Stück weitete Trump den Wirkungsradius aus.
"Versuch, UN zu delegitimieren"
In der "Charta", dem Gründungsdokument des Friedensrats, soll von Stabilität, Frieden und Führung in von Konflikten bedrohten oder betroffenen Gebieten die Rede sein, so CNN. Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos unterzeichneten verschiedene Staats- und Regierungschefs das Dokument.
"Der Friedensrat stärkt die internationale Friedensordnung nicht, er selektiert und priorisiert und maßt sich an, die Welt zu gestalten, ohne dass die Welt mitreden kann", erklärt Griep. "Das ist ein klarer Versuch, die Vereinten Nationen zu delegitimieren und an den Rand zu drängen. Ein solcher Ansatz ist entschieden zu kritisieren."
"Die internationale Ordnung verändert sich grundlegend", so Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan (SPD). "Der Zuzug von UNDP-Teilen nach Bonn stärkt diese Stadt als internationalen Standort und zeigt: Deutschlands Rolle in der globalen Entwicklungspolitik wächst."
"Generell gilt Deutschland in den Vereinten Nationen als konstruktiv und verlässlich", so Griep. Über Jahre hinweg habe das Engagement der Bundesrepublik Vertrauen geschaffen. "Natürlich fallen viele Entscheidungen weiterhin in New York. Aber Einfluss entsteht nicht nur dort, wo abgestimmt wird, sondern auch dort, wo Programme umgesetzt, Netzwerke gebildet und operative Arbeit geleistet wird – und genau das passiert in Bonn."