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Eindeutige Belege: Klimakrise in Europa bedroht Ernährung, Gesundheit und Wirtschaft

ARCHIV - Der Gletscher Gaisskarferner nahe Innsbruck in Österreich, aufgenommen am Montag, 25. September 2023.
ARCHIV: Der Gletscher Gaisskarferner nahe Innsbruck in Österreich, aufgenommen am Montag, 25. September 2023. Copyright  AP Photo/Matthias Schrader, file
Copyright AP Photo/Matthias Schrader, file
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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Im Jahr 2025 verzeichnete Europa laut dem aktuellen Klimabericht des Copernicus-Dienstes in mindestens fünfundneunzig Prozent der Regionen überdurchschnittliche Hitze.

Nur wenige Regionen in Europa blieben 2025 von der zunehmenden Hitze verschont. Mindestens 95 Prozent des Kontinents verzeichneten laut dem neuesten Bericht „European State of the Climate“ des europäischen Klimadienstes Copernicus überdurchschnittliche Temperaturen.

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Europa bleibt damit der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. 2025 kämpfte die Region mit neuen Extremen: Im Polarkreis wurden bis zu 30 °C gemessen, in Süd- und Ostspanien kamen rund 50 zusätzliche Tage mit „Hitzestress“ dazu, an denen sich die Temperaturen wie 32 °C oder mehr anfühlten.

In der Türkei wurden erstmals 50 °C erreicht. In Griechenland erlebten rund 85 Prozent des Landes Werte nahe 40 °C oder darüber, mit Spitzen bis 44 °C.

Das subarktische Fennoskandinavien – also Nordnorwegen, Nordschweden und Nordfinnland – erlebte im Juli die längste und intensivste Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Temperaturen stiegen auf bis zu 34,9 °C.

Vereinigtes Königreich, Norwegen und Island verzeichneten ihr bislang wärmstes Jahr.

Europas Winter verschwinden

Die anhaltende Wärme verdrängt die Kälte. Die Fläche Europas, in der es im Winter noch Tage mit Frost gibt, schrumpft und lag 2025 unter dem Durchschnitt. Das geht aus einem Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) hervor, das zum Copernicus-Erdbeobachtungsprogramm der EU gehört.

Gletscher schmelzen in alarmierendem Tempo weiter und setzen damit den seit Jahrzehnten anhaltenden Eisverlust in Europa fort. Besonders Island verzeichnete den zweitgrößten Eisverlust seiner Geschichte.

Die Schneedecke lag Ende März um erstaunliche 1,32 Millionen Quadratkilometer unter dem Durchschnitt. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr der gemeinsamen Fläche von Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz.

Besonders ernüchternd ist der Blick auf den grönländischen Eisschild. Er verlor 2025 rund 139 Gigatonnen Eis – etwa das Eineinhalbfache der Eismenge, die in allen Gletschern der Europäischen Alpen gespeichert ist, oder genug, um mehr als 55 Millionen olympische Schwimmbecken zu füllen.

Der grönländische Eisschild ist die größte Eismasse der Nordhalbkugel. Er bedeckt rund 80 Prozent der Insel und enthält genug Wasser, um den globalen Meeresspiegel um mehr als sieben Meter ansteigen zu lassen. Der Eisschild ist derzeit die größte einzelne Quelle des weltweiten Meeresspiegelanstiegs und trägt etwa 20 Prozent dazu bei.

Gebiete mit mindestens vierzehn aufeinanderfolgenden „Frosttagen“ (0 °C oder kälter) im Jahr 2025 (dunkelblau) im Vergleich zum Durchschnitt 1991–2020 (mittelblau) und 1961–1990 (hellblau).
Gebiete mit mindestens vierzehn aufeinanderfolgenden „Frosttagen“ (0 °C oder kälter) im Jahr 2025 (dunkelblau) im Vergleich zum Durchschnitt 1991–2020 (mittelblau) und 1961–1990 (hellblau). KNMI/C3S/ECMWF

Warum sich Europa so schnell erwärmt

Europa erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt. Die Temperaturen liegen bereits etwa 2,5 °C über dem vorindustriellen Niveau.

Teile Europas reichen in die Arktis, die sich am schnellsten erwärmende Region der Erde. Dort steigen die Temperaturen drei- bis viermal so schnell wie im globalen Mittel. Wenn Schnee und Eis schmelzen, reflektiert die Erdoberfläche weniger Sonnenlicht. Die freigelegten, dunkleren Flächen nehmen mehr Wärme auf und beschleunigen das Schmelzen weiter.

Dieser Prozess, bekannt als Albedo-Rückkopplung, ist nur einer von mehreren miteinander verknüpften Mechanismen und Rückkopplungsschleifen, die das Phänomen der sogenannten „arktischen Verstärkung“ antreiben. Er verändert auch schneereiche Regionen Europas wie die Alpen.

Emissionsgrenzen haben in Europa die Luftverschmutzung deutlich verringert – mit großen Vorteilen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt. Gleichzeitig gibt es dadurch weniger bodennahe Wolken, die durch Aerosole entstehen und zuvor wie ein kühlender Schutzschirm wirkten.

Immer häufigere und intensivere sommerliche Hitzewellen in Europa – darunter die zweitstärkste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2025 – werden zudem durch Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation angetrieben, die mit der Erwärmung der Arktis in Zusammenhang stehen.

Abbildung 1.2. Trend der jährlichen bodennahen Lufttemperatur (°C pro Jahrzehnt) für 1996–2025. Daten: ERA5.
Abbildung 1.2. Trend der jährlichen bodennahen Lufttemperatur (°C pro Jahrzehnt) für 1996–2025. Daten: ERA5. C3S/ECMWF

Klimextreme nehmen zu

Wie verwundbar Europa gegenüber klimagetriebenen Extremwetterereignissen ist, wird immer deutlicher. 2025 zerstörten Waldbrände mehr als eine Million Hektar Land – so viel wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.

Dürrebedingungen erfassten mehr als die Hälfte des Kontinents. In 70 Prozent der europäischen Flüsse lag die jährliche Wasserführung unter dem Durchschnitt, was die Wassersicherheit bedrohte.

Marine Hitzewellen erfassten weite Teile der Ozeane und betrafen 86 Prozent der europäischen Gewässer. Besonders stark litten das Mittelmeer und die Norwegische See. Die Meeresoberflächentemperaturen erreichten neue Rekordwerte und brachten die Ökosysteme zusätzlich aus dem Gleichgewicht.

„Das Tempo des Klimawandels verlangt wesentlich entschlosseneres Handeln. Steigende Temperaturen, weit verbreitete Waldbrände und Dürre liefern eindeutige Belege: Der Klimawandel ist keine Bedrohung für die Zukunft, sondern unsere aktuelle Realität“, sagt Samantha Burgess, Strategic Lead for Climate beim ECMWF.

Im Bewusstsein, dass Klimawandel und Biodiversität untrennbar miteinander verbunden sind, verfolgt die Europäische Biodiversitätsstrategie 2030 das Ziel, die natürlichen Lebensräume der EU zu schützen und wiederherzustellen. Ende 2025 war rund die Hälfte der empfohlenen Maßnahmen umgesetzt oder zumindest eingeführt, viele weitere befanden sich in Arbeit.

Erneuerbare Energien gewinnen an Gewicht

Trotz der von Extremwetter gezeichneten Bilanz gibt es auch einen Grund für verhaltenen Optimismus. Europas Sektor für erneuerbare Energien wächst kräftig. 2025 deckten erneuerbare Quellen fast die Hälfte der Stromversorgung Europas (46,4 Prozent); die Solarenergie stellte einen neuen Rekord auf und steuerte 12,5 Prozent zur Gesamtmenge bei.

Dieser Fortschritt ist entscheidend für den Übergang Europas zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Er verringert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und senkt die Emissionen von Treibhausgasen.

„Eigene, hochmoderne und verlässliche Datensätze über unser Erdsystem zu führen, ist entscheidend, um in unserem sich rasch wandelnden Klima fundierte politische Entscheidungen treffen zu können. Das hilft uns, unsere Souveränität, unsere Umwelt, unsere Ernährungssysteme, unsere Sicherheit und unsere Wirtschaft zu bewahren“, sagt Mauro Facchini, Leiter der Copernicus-Einheit bei der Europäischen Kommission.

Der Bericht bietet einen Fahrplan für die Zukunft mit „klaren, umsetzbaren Erkenntnissen, die politische Entscheidungen stützen und der Öffentlichkeit helfen, den Wandel des Klimas besser zu verstehen, in dem wir leben“, ergänzt Florian Pappenberger, Generaldirektor des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF).

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