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Neptungraswiesen: der grüne Schatz des Mittelmeers

Neptungraswiesen: der grüne Schatz des Mittelmeers
Copyright  Manu San Felix
Von Graham Keeley
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Unter dem azurblauen Wasser rund um die spanische Insel Formentera liegt ein grüner Schatz des Mittelmeers.

Berühmt für ihre atemberaubenden Strände und mondähnlichen Landschaften, verdankt die Insel einen Großteil ihrer Schönheit der Wunderpflanze Posidonia oceanica, auf Deutsch Neptungras

Die Seegraswiesen wachsen über Hunderte von Kilometern auf dem Grund des Mittelmeeres.

Die Pflanze ist einer der ältesten Organismen der Welt und existiert seit schätzungsweise 100.000 Jahren. Ihre Bedeutung liegt in der Art und Weise, wie sie die Meeresumwelt bewahrt und den Klimawandel bekämpft. Nur ein Quadratmeter dieses Seegrases produziert so viel Sauerstoff wie ein Hektar des Amazonas-Regenwaldes.

Die Unterwasserwiesen spielen als Kohlendioxidspeicher eine wichtige Rolle für das Klima, gleichzeitig fangen die Blätter Schmutzpartikel auf und sorgen für klares Wasser

Ein Hektar Seegras kann so viel Kohlendioxid aufnehmen wie 15 Hektar Regenwald, so ein im März veröffentlichter Unesco-Bericht von Carlos Duarte, einem Meeresbiologen der King Abdullah Universität in Saudi-Arabien.

Die Seegraswiesen schützen die Strände vor Erosion, denn die langen Blätter agieren wie ein Riff, das den Wellengang abbremst. Trotz der Gesetzgebung der Europäischen Union zum Schutz dieses wertvollen Umweltguts setzen Wasserverschmutzung, Schifffahrt und Klimawandel der kostbaren Ressource zu.

Ein Leben für das Neptungras

Der Meeresbiologe Manu San Felix kämpft seit fast drei Jahrzehnten für die Rettung der Posidonia.

Foto: Manu San Felix
Meeresbiologe Manu San Felix hat sein Leben dem Schutz der Seegraswiesen gewidmet.Foto: Manu San Felix

"Ich habe 1993 meinen ersten Tauchgang auf Formentera gemacht und die Posidonia hat mich in ihren Bann gezogen", erzählt San Felix. "Die Posidonia ist eine Superpflanze, d.h. sie hat viele Funktionen. Die Seegraswiesen bilden ein Ökosystem. Sie fungiert als Lunge des Mittelmeers wegen der großen Menge an Sauerstoff, die sie produziert. Das hilft, das Wasser zu säubern. Sie sind ein gro´ßer Kohlendioxidspeicher und bieten einen Lebensraum für Fische und Meerestiere."

San Felix zufolge, helfen die kompakten Posidonia-Wiesen, die Küste vor den Wellen zu schützen. Und sie schützen die Strände vor Erosion.

Die Skelette von Millionen von Lebewesen werden ebenfalls in den Posidonia-Wiesen konserviert und helfen, Strände aufzubauen.

Bedrohungen für die Posidonia-Wiesen

Trotzdem ist das Neptungras durch die Umweltverschmutzung und die Erwärmung des Meeres aufgrund des Klimawandels stark bedroht.

San Felix meint, dass fast 30 Prozent der Posidonia im Mittelmeer zerstört wurden. Er zitiert Daten aus einer Nature-Studie von 2015, derzufolge 1,5 Prozent des Seegrases jedes Jahr zerstört werden und fast 29 Prozent der Posidonia seit 1879 verloren gegangen sind.

Die Habitat-Richtlinie der Europäischen Union von 2020 schützte 1120 bedrohte Posidonia-Wiesen im gesamten Mittelmeerraum.

"Vor einigen Jahren kamen nur etwa 400 Jachten nach Formentera oder Ibiza, aber jetzt sind es jedes Jahr etwa 4000, also ist der Einfluss groß.
Manu San Felix
Meeres-Biologe

Die spanische Regierung hat außerdem Bootsbesitzern verboten, in bestimmten Gebieten vor den Baleareninseln zu ankern - trotz des Widerstands der Jachtbesitzer.

"Das Problem kehrt immer wieder. Vor einigen Jahren kamen nur etwa 400 Yachten nach Formentera oder Ibiza, aber jetzt sind es jedes Jahr etwa 4.000, also sind die Auswirkungen groß", sagt San Felix. "Ihre Anker können große Teile des Grases zerstören."

Um eine kostenlose und einfache Lösung anzubieten, entwickelte er eine App für Bootsbesitzer. PosidoniaMaps warnt sie, wenn sich das Seegras unter ihren Schiffen befindet, damit sie nicht an dieser Stelle ankern und das Gras darunter zerstören.

Auf der App sind die Seegraswiesen rund um Formentera kartiert, eine Insel, die jeden Sommer die Reichen und Berühmten mit ihren Jachten anzieht. San Felix plant, in diesem Sommer eine weitere Karte für das Seegras rund um alle Balearen zu starten und später eine Karte für das gesamte Mittelmeer folgen zu lassen.

Was ist blauer Kohlenstoff?

Das Interesse am sogenannten blauen Kohlenstoff - wenn Wälder im Meer Kohlendioxid binden - wächst.

Der im März veröffentlichte Unesco-Bericht fand heraus, dass 33 Milliarden Tonnen Kohlendioxid - etwa ein Drittel der weltweiten Emissionen im Jahr 2019 - in den blauen Kohlenstoffsenken des Planeten eingeschlossen sind.

Wiederholte Waldbrände sind ein Symbol für den Klimawandel, der die Fähigkeit der Bäume, Kohlendioxid zu absorbieren, schädigen kann.

In einer Studie, die im Februar in Nature Ecology and Evolution veröffentlicht wurde, fanden Forscher der Stanford University in den USA heraus, dass langsam wachsende Bäume Brände besser überleben, aber nicht so viel Kohlenstoff aufnehmen können.

Foto: Manu San Felix
SeegraswieseFoto: Manu San Felix

Diese blauen Kohlenstoff-Ökosysteme sind dichter als jene an Land. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie nicht brennen können.

San Felix hofft, dass die Menschen die Bedeutung von Posidonia erkennen: "Ich möchte, dass sich die Menschen bewusst werden, wie viel Posidonia zerstört wurde und wie wir das leicht verhindern können. Dieses Seegras ist lebenswichtig für die Meeresumwelt."

_Für die Dauer der Europäischen Grünen Woche stellen die Magazin- und Nachrichtenteams von euronews Geschichten und Lösungen für einen besseren Planeten aus ganz Europa vor._