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Fleisch am Pranger: Muss die Niederlande Viehzucht einschränken?

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Fleisch am Pranger: Muss die Niederlande Viehzucht einschränken?
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Von Euronews

Der Kampf gegen den Klimawandel hat in den Niederlanden hohe Priorität. Weil die Landwirtschaft für 40 Prozent der Stickstoffemissionen verantwortlich ist, steht sie auf dem Prüfstand, um die Ammoniakbelastung zu verringern.

Die Agrar- und Lebensmittelindustrie sieht sich in der Schusslinie. Von kostenlosen Burgern bis hin zu Kinderunterhaltung tut sie alles, um sich Gehör zu verschaffen, insbesondere in städtischen Zentren.

Landwirt:innen haben Angst um ihre Zukunft

Euronews-Reporterin Méabh Mc Mahon war auf einer Veranstaltung in Utrecht, organisiert von Landwirten. "Die Bauern sind heute aus allen Teilen der Niederlande hierhergekommen, nicht nur, um den Leuten ein kostenloses Mittagessen anzubieten, sondern auch, um ihre Probleme bei der niederländischen Regierung vorzubringen."

Man könnte weniger Tiere pro Landwirt halten oder die Zahl der Landwirte reduzieren.
Hanneke van Ormondt von der Urgenda Foundation

Landwirt Bart Kemp erklärt: "Die Menschen sind besorgt, weil die Regierungen uns die Lizenzen und den Bauern das Land wegnehmen wollen." "Wenn ich es von einem persönlichen Standpunkt aus betrachte, bedeutet das, dass meine Zukunft vernichtet ist", sagt ein anderer Landwirt. 

"Ich bin selber sehr besorgt über den Klimawandel, aber ich meine, das ist ein weltweites Problem und in diesem kleinen Land können wir nicht global alle Probleme lösen", argumentiert eine Bäuerin auf der Veranstaltung. 

100 Millionen Vieh, 17 Millionen Einwohner:innen

Doch mit 100 Millionen Rindern, Hühnern und Schweinen verfügt dieses "kleine Land" mit 17 Millionen Einwohnern über eine der größten Viehzuchtindustrien in Europa. Die Niederlande ist der größte Fleischexporteur in der EU.

Die Klimastiftung Urgenda hat Verständnis für die Landwirte, fordert aber, dass das Land weniger Fleisch konsumieren und exportieren muss. "Wir wissen nicht, was die Regierung tut, aber wir wissen, dass die Verringerung des Viehbestands wirklich notwendig für das Klima ist", sagt Hanneke van Ormondt von der Urgenda Foundation. 

"Wir warten jetzt darauf, wie sie es umsetzen wollen. Wir müssen auf jeden Fall die Zahl der Schweine, Hühner und Kühe reduzieren. Man könnte weniger Tiere pro Landwirt halten oder die Zahl der Landwirte reduzieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wir hoffen, dass es für die Landwirte fair wird, denn sie halten sich im Moment an die Gesetze."

Klimawandel bremsen, Energiewende beschleunigen

Die Kolleginnen und Kollegen von Hanneke van Ormondt sind derzeit zu Fuß zur COP26 unterwegs. Von Groningen bis Glasgow. Ihre Botschaft ist klar: Bremsen des Klimawandels und Beschleunigung der Energiewende.

"Wir müssen unter den 1,5 Grad bleiben, es scheint so wenig zu sein, 1,5 oder 2, aber der Unterschied ist immens, wenn es darum geht, in was für einer Welt wir leben werden. Wir müssen uns ansehen, wie wir fliegen, fahren, produzieren, wir brauchen bessere Lösungen", so Hanneke van Ormondt. 

Alle Augen sind auf die Klimakonferenz COP26 gerichtet, bei der viel auf dem Spiel steht.

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