"The Big One": Zehntausede Demonstrant:innen werden in London erwartet, aber was wollen sie?

"Friedlich, sicher, inklusiv": Darum gehen die größten grünen Gruppen Großbritanniens am Wochenende in London auf die Straße
"Friedlich, sicher, inklusiv": Darum gehen die größten grünen Gruppen Großbritanniens am Wochenende in London auf die Straße Copyright AP Photo/Alberto Pezzali
Von Lottie LimbRuth Wright
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Eine sich unlängst gezähmte 'Extinction Rebellion' hat eine breite Koalition von anderen Organisation zu einer Großdemo mit Musikprogramm am Wochenende in London zusammengebracht.

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30.000 Menschen werden an diesem Wochenende vor dem Parlament in London zu einer Demonstration erwartet, auf der sie die britische Regierung auffordern, die Suche nach neuen fossilen Brennstoffen sofort einzustellen.

Die Aktivist:innen von Extinction Rebellion (XR) werden vom 21. bis 24. April zusammen mit Aktivist:innen von 200 anderen Organisationen auf die Straße gehen. Das Wochenende umfasst 117 Veranstaltungen und 90 Redner:innen und Künstler:innen.

Vier Jahre ist es her, dass XR Teile der englischen Hauptstadt zum Stillstand brachte, ein rosa Boot auf dem Oxford Circus parkte und das britische Parlament den Klimanotstand ausrief.

Aber, so Mel Evans, der Leiter der Klimaabteilung von Greenpeace UK: "Die britische Regierung hat es bisher versäumt, die Art von umfassenden Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um einen vollständigen Klimazusammenbruch zu verhindern".

Bei der Veröffentlichung ihres Berichts über die neuesten Erkenntnisse der Klimawissenschaft im vergangenen Monat warnten die Wissenschaftler:innen des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), dass das Kohlenstoffbudget für eine globale Erwärmung von 1,5 °C bis 2030 erschöpft sein wird, wenn wir mit unseren derzeitigen Emissionen weitermachen.

TOLGA AKMEN/AFP or licensors
XR und das rosa Boot auf dem Trafalgar Square 2019TOLGA AKMEN/AFP or licensors

“Nicht zu ignorieren": Was geschieht am Big One?

Seit ihrem Auftauchen auf der Weltbühne vor ein paar Jahren hat Extinction Rebellion eine Art Gewissensprüfung durchlaufen. In einer Neujahrserklärung mit dem Titel "We Quit" kündigte die für ihre Störtaktiken bekannte Protestgruppe an, dass sie nun "Anwesenheit vor Verhaftung und Beziehungen vor Straßensperren" stellen werde.

The Big One ist die erste große Veranstaltung seit diesem Beschluss. Sie findet vom 21. bis 24. April vor den Houses of Parliament in Westminster statt und verspricht, familienfreundlich, zugänglich, einladend, kreativ und ansprechend zu sein.

Rob Callender von Extinction Rebellion sagt, dass seit ‘We Quit’ "die Regierung politische Sachen anghekündigt hat, die das tödliche Klimachaos noch verstärken. Dies ist ihre letzte Chance, uns zu zeigen, dass sie es mit der Rettung unseres Lebens und unserer Zukunft ernst meint, indem sie sich bereit erklärt, Verhandlungen über unsere Forderungen aufzunehmen.”

Gelingt dies nicht, habe Extinction Rebellion keine andere Wahl als zu der früheren, radikalen Taktik disruptiver Protestaltionen zurückzukehren, so Callender.

Wer wird am Big One sprechen und auftreten?

Das Programm des Big One besteht aus einer Mischung aus großen Namen der Klimabewegung und Künstler:nnen aller musikalischen Stilrichtungen.

Zu den Redner:innen gehören Caroline Lucas, Unterhausabgeordnete und ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Chris Packham, Naturforscher, Autor und Fernsehmoderator und Sir David King, Leiter der Climate Crisis Advisory Group und ehemaliger wissenschaftlicher Chefberater der britischen Regierung.

Zu den bestätigten Künstler:innen gehören die Folksängerin Martha Tilston, der Komiker Mark Thomas, die Psych-Pop-Band She Drew the Gun und die Dan Spanner Big Band.

Das vollständige Programm finden Sie hier.

Welche Organisationen stehen hinter dem Big One?

Ein ungewöhnlich breites Bündnis von Umwelt-NGOs, Gewerkschafter:innen, Antirassismus-Aktivist:innen und Klimaaktivist:innen organisiert die Veranstaltung im nächsten Monat mit.

Euronews Green sprach mit einigen Organisationen darüber, warum sie sich für den kollektiven Ansatz einsetzen.

Friends of the Earth: The Big One deckt sich mit unserem Ansatz

"Angesichts der eskalierenden Lebenshaltungskosten und der Klimakrise und der Tatsache, dass die Maßnahmen der Regierung dem Ausmaß dieser Notlagen nicht gerecht werden, halten wir es für unerlässlich, an dieser Demonstration teilzunehmen, die verschiedene Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Gesundheit, Wohnungsbau, Arbeiter und soziale Gerechtigkeit zusammenbringt", sagt Dave Timms, Leiter der Abteilung für politische Angelegenheiten bei Friends of the Earth.

Die Nichtregierungsorganisation hat eine lange Geschichte der Unterstützung gewaltfreier, legaler Aktionen zum Schutz von Gemeinden und der Umwelt, sagt er. Sie hat einen weniger radikalen Ruf als XR oder Greenpeace; ihre offizielle Position lehnt zum Beispiel die "wahllose und absichtslose Beschädigung von Eigentum" ab.

Das hat FoE nicht immer zum einfachsten Bettgenossen für andere Aktivistengruppen gemacht, deren Mitglieder bereit sind, sich verhaften zu lassen. Aber die Big One ist eine Zusammenarbeit, hinter der sie von ganzem Herzen stehen kann.

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"Extinction Rebellion ist sich darüber im Klaren, dass sie den Protest friedlich, sicher und inklusiv gestalten wollen und in regelmäßigem Kontakt mit der Polizei stehen, um die Veranstaltung zu ermöglichen", sagt Timms.

"Es ist auch eine wichtige Zeit, um das Recht auf friedlichen Protest zu verteidigen und zu unterstützen, da es zunehmend von verschiedenen Seiten bedroht wird, einschließlich des Einsatzes von Anti-Protest-Verfügungen und drakonischen Gesetzen wie der Public Order Bill.

Global Justice Now: Die Idee ist, eine Generationenbewegung zu fördern

Nick Dearden, Direktor von Global Justice Now, lobt die "wichtige Rolle", die XR in der Vergangenheit gespielt hat, und meint, dass das Potenzial des Big One in seiner Inklusivität liegt. Die Massenaktion kann dazu beitragen, eine "Generationenbewegung" zu fördern.

"Der Wunsch, die Aktion breit anzulegen, bedeutet nicht, dass wir in unseren Forderungen weniger radikal sind", sagt Dearden. "Wir müssen die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft funktioniert, auf nationaler und globaler Ebene grundlegend verändern, und wir zweifeln nicht an der Größe der Herausforderung, die vor uns liegt, um dies zu erreichen."

Greenpeace: Wir gewinnen als Bewegung

"Es ist klar, dass die Zivilgesellschaft nur durch Zusammenarbeit diejenigen Interessengruppen besiegen kann, die Gewinne über die Menschen und den Planeten stellen wollen", sagt Mel Evans, Leiter des Bereichs Klima bei Greenpeace UK.

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"Entweder wir gewinnen als Bewegung oder wir verlieren als einzelne Organisationen. Deshalb verspricht The Big One ein so wichtiger Moment im Kampf für Klimagerechtigkeit zu werden und deshalb beteiligen wir uns daran."

Wie kann man beim Big One mitmachen?

Laut der offiziellen Zählung von Extinction Rebellion haben bisher mehr als 28.000 Menschen ihre Teilnahme zugesagt. Alle wichtigen Informationen sind auf der Website zu finden, einschließlich der Möglichkeiten, sich freiwillig zu melden und zu spenden.

Unterstützende Organisationen - darunter auch PCS Union, War on Want und Women of Colour Global Strike - werden ebenfalls Anleitungen für ihre Mitglieder bereithalten. Sie können aber auch einfach an einem der vier Tage zwischen dem 21. und 24. April vorbeikommen.

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