Fliegen oder Fleisch essen? Worauf Europäer:innen fürs Klima verzichten würden

Worauf Europäer:innen bereit sind für das Klima zu verzichten, ist von Land zu Land unterschiedlich.
Worauf Europäer:innen bereit sind für das Klima zu verzichten, ist von Land zu Land unterschiedlich. Copyright Canva
Von Rosie Frost
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Laut der aktuellen Klimaumfrage der EIB spüren bereits 80 Prozent der EU-Bürger:innen täglich Auswirkungen des Klimawandels. Die Verzichtbereitschaft ist dennoch von Land zu Land unterschiedlich.

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Zwei Drittel der Deutschen sind laut einer neuen Umfrage bereit, persönlich zu verzichten, um den Planeten vor dem Klimawandel zu schützen.

Eine von YouGov im Auftrag der "Welt am Sonntag" durchgeführte Umfrage ergab, was die Deutschen bereit sind aufzugeben - und was nicht.

43 Prozent der Befragten wären bereit, seltener zu fliegen und 40 Prozent wären gewillt, weniger heizen.

Bei anderen klimafreundlichen Entscheidungen sind die Deutschen jedoch zurückhaltender. Weniger als ein Drittel würde die eigene Ernährung umzustellen, und nur 13 Prozent würden den Individualverkehr aufgeben und auf ein Auto verzichten.

In der EU ist die Bereitschaft der Menschen, ihren Lebensstil zugunsten des Klimawandels zu ändern, unterschiedlich hoch. Laut der Klimaumfrage 2022/23 der Europäischen Investitionsbank spüren 80 Prozent der Menschen in den 27 EU-Mitgliedstaaten die Auswirkungen des Klimawandels in ihrem täglichen Leben.

Und mehr als 80 Prozent glauben, dass wir auf eine globale Katastrophe zusteuern, wenn wir unseren Energie- und Ressourcenverbrauch in den kommenden Jahren nicht drastisch reduzieren.

Wo in Europa sind die Menschen am ehesten bereit, auf etwas zu verzichten, und welche Lebensstil-Anpassungen sind sie gewillt, vorzunehmen?

Die Französ*innen sind bereit, den Konsum von Fleisch und Milchprodukten zu senken

Die EIB-Umfrage ergab, dass die meisten der befragten Französ*innen (57 Prozent) ein Kohlenstoffbudget-System befürworten. Dabei würde jeder Person jährlich ein bestimmtes "Kohlenstoff-Guthaben" zugeteilt, das sie für Produkte mit einem großen Kohlenstoff-Fußabdruck wie Flüge und Fleisch ausgeben könnte.

Auch Lebensmittel waren für die Französ:innen ein wichtiges Thema. Sechs von zehn Befragten gaben an, dass sie bereit wären, etwas mehr für Lebensmittel zu zahlen, die lokal und nachhaltiger produziert wurden. Eine Mehrheit (57 Prozent) sprach sich dafür aus, die Anzahl Fleisch- und Milchprodukten, die gekauft werden dürfen, zu begrenzen.

Insgesamt sind die Französ:innen der Meinung, dass die Regierung eine Rolle bei der Regulierung der Kaufentscheidungen der Menschen spielen sollte. Zwei Drittel sprachen sich für strengere Maßnahmen aus, um das Verhalten der Menschen zu ändern und den Klimawandel zu bekämpfen.

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Ein Großteil der Französ:innen sprach sich dafür aus, den Konsum von Milch- und Fleischprodukten zu begrenzen.Pixabay

Brit:innen wollen keinen Einwegplastik mehr

Eine YouGov-Umfrage, die Anfang des Jahres im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde, ergab, dass 36 % der Befragten bereit wären, ihren Milch- und Fleischkonsum auf zwei oder drei Mahlzeiten pro Woche zu beschränken. Nur 12 % würden jedoch Fleisch und Milchprodukte ganz aus ihrer Ernährung zu streichen.

Fast 60 Prozent zeigten sich gewillt, keine Produkte aus Einwegplastik mehr zu kaufen.

Etwas mehr Menschen als in Deutschland waren bereit, auf ihr Auto zu verzichten und stattdessen zu Fuß zu gehen, mit dem Fahrrad zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. 20 Prozent der Befragten gaben an, sie seien bereit, autofrei zu leben, 14 Prozent sagten, dass sie dies bereits tun würden.

Die britische Bereitschaft zum Verzicht war beim Thema Reisen jedoch gering. Nur ein Viertel der Befragten würden eine zusätzliche Gebühr für Flüge zahlen, um deren Umweltauswirkungen auszugleichen.

Spanien unterstützt strengere staatliche Eingriffe

Spanien ist eine der EU-Nationen, die vom Klimawandel stark betroffen sein werden. Das Land leidet bereits unter den Auswirkungen einer lang anhaltenden Dürre, und in einigen Regionen wird der Zugang der Einwohner:innen zu Wasser eingeschränkt, da die Grundwasserreserven dramatisch sinken.

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage der Spanischen Stiftung für Wissenschaft und Technologie ergab jedoch, dass der Prozentsatz der Menschen, die den Klimawandel für ein sehr ernstes Problem halten, seit 2020 zurückgegangen ist.

Die EIB-Umfrage zeichnet ein anderes Bild der spanischen Bevölkerung: Sie ergab, dass Spanien zu den Ländern gehört, die am stärksten für strengere staatliche Maßnahmen zur Änderung des Verhaltens der Menschen eintreten. 80 Prozent der Befragten glaubten, dass ihr eigenes Verhalten etwas bewirken könne. Spanien liegt damit über dem europaweiten Durchschnitt von 72 Prozent.

Eine Umfrage der Universität Santiago de Compostela aus dem Jahr 2021 ergab, dass die spanische Bevölkerung zunehmend die Förderung der Wärmedämmung von Häusern, die Einrichtung von Umweltzonen in Städten und die Einschränkung der Nutzung umweltschädlicher Fahrzeuge befürwortet.

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Spanier:innen würden eine Verringerung der Abgas-Emissionen im Verkehr unterstützen.Pixabay

Italien unterstützt die Ausweisung des Klima-Fußabdrucks auf Lebensmitteln

Die Italiener:innen lagen auch über dem EU-Durchschnitt, wenn es um die Unterstützung strengerer staatlicher Maßnahmen zur Änderung des Verhaltens der Menschen ging.

Die Idee, Lebensmittel mit ihrem Klima-Fußabdruck zu kennzeichnen, wurde von 85 Prozent der italienischen Befragten in der EIB-Umfrage unterstützt. 64 Prozent der Befragten gaben außerdem an, dass sie bereit wären, etwas mehr für lokale Lebensmittel zu bezahlen.

Mehr als zwei Drittel der Italiener:innen sprachen sich dafür aus, den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten zu begrenzen, um die Treibhausgasemissionen zu verringern.

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