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Übelkeit und rote Augen: Sorge um giftige Algenart im Atlantik

Ostreopsis-Algen
Ostreopsis-Algen Copyright LUISA MANGIALAYO/AFP
Copyright LUISA MANGIALAYO/AFP
Von Estelle Nilsson-Julien
Zuerst veröffentlicht am
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Seit 2021 ist eine giftige Variante einer Alge im Atlantischen Ozean immer häufiger anzutreffen. Was hat es mit "Ostreopsis" auf sich?

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Seit 2021 haben sich fast 900 Menschen mit der Ostreopsis infiziert, einer mikroskopisch kleinen Alge, die erstmals 2021 im Atlantik gesichtet wurde.

In einem neuen Bericht der französischen Gesundheitsbehörde ANSES wird vor den Gefahren gewarnt, die der Kontakt von Menschen mit der Alge und ihren Toxinen mit sich bringt. Marc Rappoport, ein in Biarritz lebender Arzt, glaubt, dass er sich beim Surfen in Saint-Jean-de-Luz, im Baskenland, infiziert hat.

"Ich bekam 45 Minuten nach dem Eintauchen ins Wasser erste Symptome. Mir war übel, aber ich surfte weiter", erzählte er Euronews Green, "am Nachmittag bekam ich Schmerzen, meine Augen waren rot, und ich war sehr müde." Es habe 48 Stunden gedauert, dann hätten seine Symptome denen einer Grippe geähnelt, sagte Rappoport.

Die häufigste Infektionsart ist nach wie vor das Einatmen von Gischt, doch kann die Infektion auch durch Hautkontakt und Verschlucken erfolgen. Die Symptome treten in der Regel innerhalb weniger Stunden nach direktem oder indirektem Kontakt mit den Algen auf und verschwinden in der Regel innerhalb einiger Tage.

Neben Surfern sind auch Personen, die an Stränden arbeiten - wie etwa Rettungsschwimmer:innen - besonders ansteckungsgefährdet. Auf Anfrage von Euronews Green erklärte das baskische Komitee der Rettungsschwimmer, dass sie bisher keinen signifikanten Anstiege von Ostreopsis-Fällen bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern festgestellt hätten.

Dem Bericht zufolge besteht auch für Arbeitnehmer:innen in nahegelegenen Geschäften und Restaurants das Risiko einer Belastung durch Schadstoffe aus der Luft. Menschen mit Atemwegsproblemen sollten nach Angaben von ANSES-Sprecherin Carole Castini "besonders vorsichtig" sein.

Überwachung der Algenwerte an den Küsten

Im Jahr 2021 wurden mehrere Strände in Biarritz, Saint-Jean-de-Luz und Bidart an der französischen Küste als Präventivmaßnahme wegen hoher Ostreopsis-Werte gesperrt.

Die Überwachung von Ostreopsis-Infektionen erwies sich für die Gesundheitsbehörden während der Pandemie jedoch als schwierig. Die Symptome ähnelten denen von Covid-19, doch die Behörden haben seitdem die wissenschaftliche Überwachung der Gewässer in der Region intensiviert.

Maïder Arosteguy, Bürgermeister von Biarritz - einer Stadt, die jedes Jahr Tausende von Touristen anzieht - erklärte gegenüber Euronews Green, dass eine Schließung der Strände in diesem Jahr jedoch sehr unwahrscheinlich sei. "Wir haben jetzt mehr Informationen als im Jahr 2021. Wir wissen auch, dass wir, wenn wir die Strände schließen würden, auch die Restaurants und Geschäfte in der Nähe schließen müssten, weil es in der Luft liegt."

Man sei sehr enttäuscht von der französischen Gesundheitsbehörde gewesen, "weil sie uns den Bericht nicht vor seiner Veröffentlichung haben zukommen lassen. Wir müssen jetzt überstürzt handeln, doch wir wurden nicht vor den Ergebnissen gewarnt".

Arosteguy fügte hinzu, dass, wenn die Ostreopsis-Werte alarmierende Werte erreichen, sie in Kalilo, einer Wetter-App, die im Baskenland funktioniert, katalogisiert werden.

Surf Rider Europe
Probenentnahme, um den Algengehalt zu überwachenSurf Rider Europe

Einige Organisationen sind jedoch der Meinung, dass die Überwachung durch die Behörden noch weiter gehen könnte. Die Nichtregierungsorganisation Surf Rider Europe, die sich für den Schutz der Ozeane in ganz Europa einsetzt, nimmt regelmäßig Proben der Ostreopsis-Werte in Surfgebieten.

"Surfer kommen aus der ganzen Welt, um hier zu surfen, aber sie hören nicht unbedingt auf die Warnungen vor Algen. Wir wollen jedoch ihre Sicherheit gewährleisten", sagte Marc Valmassoni, Sprecher von Surf Rider Europe, gegenüber Euronews.

Surfer sind einer besonders hohen Verschmutzung ausgesetzt: "Schwimmer gehen 10-15 Minuten am Stück ins Wasser, doch ein Surfer ist wesentlich länger dort drin. Ein Surfer trinkt im Durchschnitt das Äquivalent von einer Tasse Wasser pro Surfsession".

Die NGO hat in örtlichen Surfclubs sowie in Apotheken und Gemeindezentren über die Gefahren der Algen aufgeklärt.

Bringt der Klimawandel giftige Algen an die europäischen Küsten?

Ostreopsis tritt vor allem im Sommer auf, wenn die Wassertemperaturen über 20 Grad liegen. Die Mikroalgen wurden erstmals 1972 in Frankreich beobachtet und sind heute regelmäßig an den Mittelmeerküsten Frankreichs, Italiens und Spaniens zu finden.

Die giftige Variante der Ostreopsis wird als "ovata"-Stamm bezeichnet und stammt aus tropischen Gewässern. Durch eine Kombination aus globaler Erwärmung und maritimen Transportbewegungen ist sie im Mittelmeer aufgetaucht.

Ostreopsis hat eine braun-rötliche Farbe, ist aber aufgrund seiner mikroskopischen Größe normalerweise nicht sichtbar. Sie kann sich jedoch zu schwimmenden Blüten zusammenballen und dem Wasser einen metallischen Geschmack verleihen. Es gibt aber auch andere Algenformen, die sich im Atlantik zu Blüten zusammenschließen und damit mit Ostreopsis verwechselt werden können.

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