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Welche gesundheitlichen Risiken birgt Arbeit während einer Hitzewelle?

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Von Jeremy Wilks
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Von der Touristenführerin bis zum Landwirt müssen Millionen von Menschen selbst während einer Hitzewelle im Freien arbeiten. Was passiert in unserem Körper und welchen gesundheitlichen Gefahren sind wir ausgesetzt?

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Diesen Monat reisen wir mit Climate Now nach Griechenland, um Wissenschaftler zu treffen, die die Risiken extremer Hitze am Arbeitsplatz untersuchen.

Zuvor hatte der Copernicus-Klimawandeldienst seine neuesten Daten veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass der März 2024 auf globaler Ebene der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war, mit Temperaturen, die 0,7 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020 lagen und 2,2 Grad über dem Durchschnitt in Europa.

Die globalen Durchschnittstemperaturen lagen im März 0,7 °C über dem Durchschnitt der Jahre 1991–2020. Euronews / Copernicus-Klimawandeldienst umgesetzt vom ECMWF
Die globalen Durchschnittstemperaturen lagen im März 0,7 °C über dem Durchschnitt der Jahre 1991–2020. Euronews / Copernicus-Klimawandeldienst umgesetzt vom ECMWFeuronews

Deutschland und die Niederlande erlebten den wärmsten März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und auch im Osten der USA und in Kanada war es deutlich wärmer als gewöhnlich. Unterdessen war es in Teilen Kaliforniens ungewöhnlich kalt und schneereich. Die Meeresoberflächentemperaturen jenseits der polaren Zonen liegen weltweit weiterhin auf Rekordniveau.

Vergleich der Temperaturanomalie vom März 2024 mit Daten seit den 1940er-Jahren. Euronews / Copernicus-Klimawandeldienst umgesetzt vom ECMWF
Vergleich der Temperaturanomalie vom März 2024 mit Daten seit den 1940er-Jahren. Euronews / Copernicus-Klimawandeldienst umgesetzt vom ECMWFeuronews

Das Copernicus-Diagramm mit den Lufttemperaturanomalien seit den 1940er-Jahren zeigt, dass die Temperaturen der ersten drei Monate des Jahres 2024 um mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Durchschnitt lagen. Die Daten für März bedeuten, dass wir nunmehr 10 Monate in Folge Rekordtemperaturen für den jeweiligen Zeitraum verzeichnen.

In Südeuropa fielen im März 2024 überdurchschnittlich viele Niederschläge. Euronews / Copernicus-Klimawandeldienst umgesetzt vom ECMWF
In Südeuropa fielen im März 2024 überdurchschnittlich viele Niederschläge. Euronews / Copernicus-Klimawandeldienst umgesetzt vom ECMWFeuronews

Das wachsende Problem des Hitzestresses

Viele Menschen auf der ganzen Welt sind heute mit dem Problem von Hitzestress am Arbeitsplatz konfrontiert. Früher dachte man diesbezüglich vor allem an Bau- und Hilfsarbeiter, doch heute zeigen Untersuchungen, dass ein breites Spektrum der Bevölkerung betroffen ist – von Journalisten und Versicherungsinspektoren bis hin zu Mitarbeitern von Sommertheatern und Reiseleitern.

Androniki Miliou bietet Führungen durch die Weltkulturerbestätte Meteora in Mittelgriechenland an. Gegenüber Euronews erzählt sie, dass die Temperaturen in den Sommermonaten kaum zu ertragen sein können: „Wir haben hier oft Temperaturen von 35 Grad und mehr. Das ist ziemlich beanspruchend. Auf dem Weg hoch zu einem Kloster warten wir oft lange auf den Treppen. Das macht die Situation nicht leichter. Weder für uns noch für andere.“

An den heißesten Tagen entgehen ihr außerdem Einnahmen: „Wenn die Hitze unerträglich ist, werden die archäologischen Stätten oft geschlossen, weil weder wir noch die Touristen damit klarkommen“, sagt sie.

Was passiert in unserem Körper, wenn uns zu heiß wird?

In der Stadt Trikala untersucht an der Universität Thessalien eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Professor Andreas Flouris die Auswirkungen von Hitze auf den Körper am Arbeitsplatz. Professor Flouris ist Teil einer großen Initiative in Griechenland, die das Bewusstsein für das Problem des Hitzestresses schärfen möchte. Als Folge dessen veröffentlichte der nationale Wetterdienst sogar online die sogenannte WBGT-Temperatur. Sie gibt an, als wie heiß das Wetter auf Grundlage von Strahlung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit wahrgenommen wird.

Wir trafen ihn, als er Landwirt Athanasios Peristeris untersuchte und mit Sensoren ausstattete, um seinen Energieverbrauch sowie die Außen- und Innentemperatur seines Körpers zu messen.

„Wir müssen einerseits wissen, wie es seiner Hülle, seiner Körperhülle geht, aber auch, was im Körper passiert. Das ist wichtig für die Hirntemperatur“, sagt Professor Flouris.

Der nächste Schritt besteht darin, in einer Kammer, deren Inneres eine Hitzewelle simulieren soll, schwere körperliche Arbeit zu verrichten. Während Peristeris arbeitet, werden 85 Prozent seiner Energie in Hitze umgewandelt und erwärmen so seinen Körper, einschließlich seines Gehirns.

„Seine Kerntemperatur steigt während der Arbeit. Sollte sie 39 bis 39,5 Grad übersteigen, wird sich seine Hirntemperatur auf sein Nervensystem auswirken. Irgendwann kollabiert das Gehirn. Dieser Zustand kann bis zum Tod führen. Wir sprechen von einem Hitzschlag“, erklärt Professor Flouris.

Seine Forschungen zeigen, dass Gehirn und Nerven die Teile unseres Körpers sind, die am empfindlichsten auf Wärme reagieren: „Es sind nicht die Nieren, Lungen oder das Herz. Diese sind auch betroffen. Aber zuerst bricht das zentrale Nervensystem zusammen.“

Wenn er im Sommer arbeitet, meidet Peristeris die wärmsten Tageszeiten. Allerdings erzählt er uns, dass ihm die Hitze manchmal zu schaffen macht.

„Durch die Hitze fühle ich mich unwohl. Ich bekomme Brustschmerzen, als würde hier etwas draufdrücken. Das Atmen fällt mir schwer“, sagt er.

Solche Symptome sind ernst zu nehmen. Wenn Gehirn und Körper zu warm werden, sollte man die Arbeit unterbrechen, sich ausruhen, Wasser trinken und Schatten aufsuchen. Dadurch blieben Gesundheit und auch Produktivität erhalten, sagt Professor Flouris.

„Es ist wichtig zu verstehen, dass Hitze keine positiven Effekte hat. Arbeitnehmer riskieren ihre Gesundheit. Arbeitgeber machen Einbußen, weil die Produktivität sinkt.“

„Mit einfachen Lösungen aber büßt man keine Produktivität ein. Man steigert sie sogar“, schlussfolgert er.

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