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Pilze gegen die Klimakrise: Evolutionsbiologin gewinnt Tyler Prize 2026

Dr. Toby Kiers erhält den Tyler Prize 2026.
Dr. Toby Kiers ist Preisträgerin des Tyler-Preises 2026. Copyright  Mateo Barrenengoa
Copyright Mateo Barrenengoa
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Bestimmte Pilze binden CO2 und können es sogar dahin umverteilen, wo es gebraucht wird. Für ihre Forschung zu diesen Pilzen wird eine Evolutionsbiologin mit dem Tyler Prize ausgezeichnet. Ihr Ziel: Sichtbarkeit schaffen.

Sie binden CO2 in großen Mengen und gelten daher als "unsichtbarer" Schlüssel im Kampf gegen die Klimakrise. Für ihre Forschung an Pilzen hat die Evolutionsbiologin Dr. Toby Kiers den Tyler Prize for Environmental Achievement 2026 gewonnen.

Die Auszeichnung, oft als "Nobelpreis" fürs Klima bezeichnet, würdigt "herausragende" Forschung in Umweltwissenschaften, Gesundheit und Energie zum Nutzen der Menschheit. Der Preis ist mit 250.000 US-Dollar dotiert (rund 215.000 Euro).

Dr. Kiers, Professorin an der Vrije Universiteit Amsterdam, erhielt die renommierte Auszeichnung, weil sie verborgene Pilznetzwerke erforscht hat, die Kohlendioxid aus der Atmosphäre ziehen. Der Preis wird ihr am 23. April feierlich übergeben.

Wie können Pilze die Welt retten?

Mykorrhiza-Pilze leben im Boden. Sie wirken wie ein Kreislaufsystem der Erde. Denn sie gehen eine Symbiose mit Pflanzenwurzeln ein und bilden riesige unterirdische Netzwerke.

"Diese Netzwerke bewegen gewaltige Mengen an Nährstoffen und Kohlenstoff", erklärt Dr. Kiers. "Sie sorgen jedes Jahr dafür, dass dreizehn Milliarden Tonnen CO2 in Böden gebunden werden. Das entspricht etwa einem Drittel der Emissionen aus fossilen Brennstoffen".

Diese Pilze versorgen Pflanzen mit Nährstoffen, erhöhen die Toleranz gegenüber Schwermetallen, verbessern die Wasseraufnahme und lassen "größere, süßere" Blüten wachsen, die Bestäuberpopulationen stärken.

"Pilznetzwerke dienten über zig Millionen Jahre als Wurzelsysteme der Pflanzen, bis diese eigene Wurzeln entwickelten", ergänzt Dr. Kiers.

Die Wissenschaftlerin warnt jedoch: Die Welt habe Pilzsysteme lange "vernachlässigt" – sie wurden kaum kartiert, überwacht oder geschützt. Heute sind sie durch Abholzung, Erosion und landwirtschaftliche Praktiken bedroht.

Dieser Rückgang finde kaum Beachtung. In den Schutzlisten der IUCN tauche nur ein "winziger Bruchteil" der Pilze auf.

"Das ist ein Problem", warnt Dr. Kiers. "Die Zerstörung unterirdischer Netzwerke treibt die Erderwärmung voran, beschleunigt den Verlust der Artenvielfalt und stört Nährstoffkreisläufe. Trotz ihrer großen Bedeutung existieren Karten nur für weniger als 0,02 Prozent der Landfläche der Erde."

"Damit Pilze in Klima-Strategien, Schutzprogramme und Renaturierung einfließen, brauchen Entscheidungsträger weltweit hochauflösende Daten zu Pilzen."

Der „Nobelpreis“ der Klimaforschung

Dr. Kiers erhielt den Tyler Prize 2026, weil sie das Thema ins Licht gerückt hat. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen entwickelte sie den Underground Atlas, der im vergangenen Jahr an den Start ging.

Er zeigt die weltweite Verbreitung von Mykorrhiza-Pilzen und hilft, Schutzmaßnahmen für diese großdimensionierten Kohlenstoffspeicher zu steuern. In Laborexperimenten fand ihr Team heraus, dass Pilze Phosphor – ein für alles Leben essentielles Mineral – aktiv aus Regionen mit Überfluss in Regionen mit Knappheit verlagern. Dafür nehmen sie mehr Kohlenstoff auf.

"Meine Aufgabe war einfach: Underground Astronaut werden, ein Netzwerk pilzbegeisterter Forschender aufbauen, den Overall anziehen und mit lokalen Partnern weltweit loslegen", sagt Dr. Kiers.

"Mein Ziel ist es, eine neue Sicht auf das Leben auf der Erde zu prägen. Das ist schwer, wenn diese neue Wirklichkeit vollkommen unsichtbar bleibt."

Ihre größte Herausforderung sei es, die Sicht auf unterirdische Ökosysteme zu verändern. "Wer einmal neugierig ist, bleibt fürs Leben begeistert", sagt sie.

Sie dankte ihrem Kollegen Tom Shimizu, einem Biophysiker, der das Team für robotische Bildgebung mitgeleitet hat. Das Preisgeld werde ihr helfen, "einmal tief durchzuatmen und wirklich zu träumen".

Denn "Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dürfen nie einfach nur träumen", sagt sie.

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