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1 Monat Horror in Mariupol: "Aufs Überleben konzentriert"

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Von Aleksandar Brezar
Eine Leiche in Mariupol, März 2022
Eine Leiche in Mariupol, März 2022   -   Copyright  Evgeniy Maloletka/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Die Grausamkeiten gegenüber der ukrainischen Zivilbevölkerung, die auf Fotos und in den Nachrichten zu sehen sind, erschüttern die Welt. Die Belagerung von Mariupol mit ihrem unvergleichlichem Ausmaß an Zerstörung und Unmenschlichkeit gehört dabei wohl zu den schockierendsten.

Die verbliebenen Bewohner:innen der einst blühenden südlichen Hafenstadt mit 432.000 Einwohnern, die von den russischen Streitkräften eingekesselt und ständig beschossen wird, sind seit fast acht Wochen mit Hunger, Durst und Kälte konfrontiert.

Alina Beskrowna, eine 31-jährige Finanzexpertin und gebürtige Mariupolerin, überlebte den ersten Monat der Belagerung in der Stadt und konnte sich, ihre Mutter und ihre drei Katzen unerwartet retten. In der Zeit, die sie dort verbrachte, ging es nur ums Überleben, sagt sie Euronews.

Der erbitterte Widerstand gegen die russischen Truppen in Städten wie Charkiw und Mariupol, wo die russischsprachige Bevölkerung eine deutliche Mehrheit bildet, beweist, dass die Ukrainer in ihrem Wunsch vereint sind, unabhängig von ihrer Herkunft außerhalb Russlands zu bleiben.
Alina Beskrowna

"Ich habe mich nur auf das Überleben konzentriert. Wir wussten nicht, ob es möglich sein würde, jemals zu gehen. Ich habe nicht geglaubt, dass eine Flucht möglich sein würde", sagt Beskrovna.

"Meine größte Angst, meine absolute Angst war eine doppelte: zum einen, von Russen vergewaltigt zu werden. Die andere war, gewaltsam nach Russland verschleppt zu werden oder in der so genannten Volksrepublik Donezk leben zu müssen, ohne die Möglichkeit, jemals umzuziehen", erinnert sie sich.

Jetzt ist sie in Kopenhagen und will als Flüchtling weiter nach Kanada. Beskrowna schildert die Zeit, in der sie unter ständigem Beschuss und unter entsetzlichen Bedingungen lebte und Menschen beerdigen musste, die sie nicht kannte und die alle zivile Opfer der Belagerung waren.

"Sie beschossen den Lebensmittelladen ium die Ecke. Nicht alle konnten entkommen. Sie beschossen das neunstöckige Gebäude gegenüber von uns. Einige Menschen schliefen nachts in ihren Wohnungen und wurden getötet."

"Sie beschossen die Privathäuser hinter unserem Wohnblock, Menschen wurden getötet. Und wir haben sie begraben", so Beskrovna.

Alina Beskrowna
Der Kellerraum, in dem Alina Beskrowna und 31 weitere Personen, darunter sechs Kinder, während der Belagerung von Mariupol untergebracht waren.Alina Beskrowna

Die am Nordufer des Asowschen Meeres gelegene Stadt Mariupol ist seit ihrer Gründung auf dem Gelände eines ehemaligen Kosakenlagers im 18. Jahrhundert ein Zentrum für Handel und Produktion. Heute sind die Stadt, ihre Geschichte und ihre Kultur weitgehend verschwunden.

In seiner täglichen Ansprache an die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj vor wenigen Tagen, Mariupol sei nun "vollständig zerstört". Etwa 95 % der Stadt liegen in Trümmern, große Teile sind völlig unbewohnbar.

Schätzungsweise 21.000 Bürger:innen wurden in der Stadt getötet, sagte der Bürgermeister von Mariupol, Vadym Boichenko.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Ende März gegenüber seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron erklärt, die Bombardierung werde erst enden, "wenn die ukrainischen Truppen Mariupol vollständig aufgeben".

Abends noch im hippen Lokal, morgens wacht man im Krieg auf

Als Austauschstudentin war Alina Beskrovna in die USA gegangen, hatte dort ihren MBA gemacht und kehrte vor drei Jahren nach Mariupol zurück, wo sie in der Startup-Entwicklung arbeitet und versucht, ihr Finanzwissen in der Startup-Szene einzusetzen.

"Nach meinem Abschluss blieb ich zwei Jahre lang in Philadelphia, aber ich hatte das Gefühl, dass ich angesichts der Möglichkeiten, die sich in Mariupol boten, dort sein sollte. Denn das ist der Ort, an dem ich mit meinem Hintergrund am meisten bewirken kann, also zog ich einfach zurück."

"Wir haben vor kurzem das erste Venture Studio gegründet und helfen Start-ups dabei, Kontakte zu ausländischen Investoren zu knüpfen", so Beskrovna.

Für Alina Beskrowna und ihre Landsleute war der 24. Februar der Beginn der nächsten Phase des Krieges. Obwohl die russischen Streitkräfte dieses Mal versuchten, das gesamte Land zu erobern, befindet sich die Ukraine schon seit 2014 und der Annexion der Krim durch Russland, gefolgt vom Ausbruch des Konflikts im Donbass, im Krieg, erklärt sie.

Dennoch waren die Bewohner:innen am Tag der Invasion überrascht und im Schock, obwohl die Stadt in der Nähe des Kriegsgebiets im Donbas liegt und 2014 kurzzeitig unter die Kontrolle der sogenannten DNR geriet. Seitdem musste die Stadt mehrere Scharmützel in ihren Außenbezirken und direkte Angriffe der DNR über sich ergehen lassen.

Wir zählen den Krieg ab dem Tag, an dem die "kleinen grünen Männchen" ohne Abzeichen auf der Krim auftauchten, also ist dies die dritte Phase des Krieges.

Alina Beskrovna
Alina Beskrovna bereitet zusammen mit anderen eine Mahlzeit vor ihrer Unterkunft in Mariupol zu.Alina Beskrovna

"Ich habe versucht, ausländischen Journalisten, die in die Stadt strömten, zu helfen, ich habe in meiner Freizeit für sie übersetzt, Termine vereinbart, Kontakte gefunden, Reisepläne erstellt und so weiter.

"An diesem Abend waren wir mit einem brasilianischen Team unterwegs, um die Reiseroute für den nächsten Tag festzulegen, und aßen Sushi und tranken Wein in der Innenstadt in einem tollen, hippen Lokal, das es nicht mehr gibt. Wir setzten sie am Hotel ab und ich fuhr nach Hause."

Sie wachte gegen 6 Uhr morgens auf - eine sehr ungewöhnliche Zeit für sie - nachdem sie einen Knall in der Nähe gespürt hatte.

"Ich bin aufgewacht, weil ich ein komisches Gefühl hatte, wie wenn man ins Kino geht und einen Action- oder Kriegsfilm sieht und viel zu nah am Lautsprecher sitzt. Es macht dich irgendwie taub und hallt durch deinen Körper."


"Ich hatte gehofft, dass der Nachbar das Metalltor der Garage zu kräftig geschlossen hat. Ich scrollte auf Facebook meinen Newsfeed herunter und traute meinen Augen nicht."

Alle ihre Freunde und Bekannten in den sozialen Medien aus der Ukraine berichteten, dass sie von der russischen Invasion geweckt wurden. "Explosionen, Feuer, Beschuss direkt neben ihnen. So hat der Krieg begonnen."

Der Keller eines Freundes bietet Schutz vor den Granaten

In den ersten Stunden und Tagen waren die Menschen völlig ahnungslos, lachten darüber oder konnten es nicht glauben, sagt Beskrowna. In Mariupol glaubten die meisten Menschen, dass es sich um ein weiteres Szenario wie in Donezk handelte und dass es nicht im russischen Interesse lag, die Stadt zu zerstören.

Andere, die die Möglichkeit hatten zu fliehen - vor allem diejenigen mit Autos - verließen die Stadt am Morgen des Einmarsches. Ein Freund aus Donezk, ein Binnenvertriebener in Mariupol, rief sie sofort an und warnte sie, dass die Dinge nicht gut aussähen und dass sie die Stadt verlassen sollte.

Aber Beskrowna hatte kein Auto, so dass sie nicht mit der ersten Welle gehen konnte. "Ein Freund wohnte auf der anderen Seite der Stadt, und zwar nicht in einem sowjetischen Wohnblock, sondern in einer Art jugoslawischem Wohnaus. Diese hatten vier Stockwerke und die Gebäude hatten richtige Keller", beschreibt sie.

"Wenn ich sage ordentlich - sie waren trocken und man konnte darin stehen. Das war also luxuriös."

Ihr Vater Oleksii gilt als vermisst

Beskrovna nahm sein Angebot an, dort unterzukommen, und zog sofort mit ihrer Mutter und ihren Katzen um.

Ihren Vater, den 66-jährigen Oleksii Beskrovnyi, konnte sie seit dem 26. Februar nicht mehr erreichen. Er gilt als vermisst. "Wir hatten vereinbart, dass er zu unserem Unterschlupf kommen würde, falls etwas passiert. Aber seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört."

"Er hat die Situation nicht ernst genommen. Er hat darüber gelacht und Witze gemacht. Ich konnte nicht zu ihm durchdringen, er hat nicht verstanden, was passiert ist."

Alina Beskrovna
Alina Beskrovna und ihr Vater Oleksii vor dem KriegAlina Beskrovna

"Er kam gerade von einer zweiwöchigen Reise durch die Westukraine zurück und sagte immer wieder, es gehe ihm gut und er mache seine Wäsche. Dann schickte er mir Bilder von seinem Keller, um mich angeblich zu trösten, dass alles in Ordnung ist."

Beskrownas Vater ist Russe und stammt aus einem Dorf in der Region Kursk. Aber in den zwei Tagen, in denen sie in Kontakt waren, wurde er immer wütender auf die einmarschierenden Russen.

Nach dem Verschwinden von Oleksii wandte sie sich an seine Geschwister, die alle in Russland leben, und eine ihrer Tanten erzählte ihr, dass er bei ihrem letzten Gespräch gesagt habe: "Wenn ihr Idioten auf meinem Land auftaucht, sehe ich euch nicht als Verwandte an, sondern ich erschieße euch aus nächster Nähe."

Die Menschen werden ihrer Würde beraubt

Die Erkenntnis, dass man sich mitten im Krieg befindet, kam nicht über Nacht, erklärt Beskrowna. "Am Anfang schien alles wie eine seltsame Pyjamaparty bei einem Freund zu sein. Wir hatten Strom, die ersten zwei oder vielleicht drei Tage funktionierten die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt.

Und dann wurden nach und nach alle Zeichen der Zivilisation von den Russen mutwillig zerstört. Zuerst wurde das Stromnetz angegriffen, sagt sie.

"Plötzlich braucht man Streichhölzer, um den Gasherd anzuzünden, der Heizkessel funktioniert nicht mehr, man hat kein warmes Wasser mehr. Ihr WLAN ist ausgefallen, so dass Sie komplett vom Mobilfunknetz abhängig sind. Sie haben keine Möglichkeit, Ihr Telefon oder Ihren Laptop aufzuladen. Dann denkt man: 'Oh, ich brauche Streichhölzer, Kerzen und Batterien'", erinnert sich Beskrovna.

Alina Beskrovna
Kinder spielen in der Nähe des Eingangs zum Keller, der als Schutzraum für Beskrovna in Mariupol diente.Alina Beskrovna

Dann bombardierten die russischen Truppen die Wasserversorgungsinfrastruktur, da die nächste Trinkwasserquelle einige Kilometer entfernt war. "Wir dachten, na ja, wenigstens haben wir Gas, und dann haben sie die [Haupt-]Gasleitung bombardiert. Das bedeutet, dass man Holz sammeln muss, dass man draußen auf dem offenen Feuer kochen muss, und der Beschuss kam immer näher."

Als ihnen die Möglichkeiten zur Evakuierung immer unwahrscheinlicher erschien, wurde Beskrowna und den anderen Bewohner:innen der Unterkunft klar, dass sie in einer Situation gefangen waren, die immer schlimmer wurde.

"An diesem Punkt wurde den Menschen klar, dass die Russen nicht nur die strategischen Militärobjekte zerstörten. Es war eine absichtliche Art der vollständigen Zerstörung des gesamten Viertels voller Menschen.

"Und Bürger wurden von den Russen als Geiseln oder menschliche Schutzschilde benutzt, weil das etwas ist, das für mögliche Verhandlungen genutzt werden kann. Und, um den Anschein zu verkaufen, dass Mariupol vielleicht von Russland besetzt werden sollte, nur um das Leben von Hunderttausenden von Zivilisten zu schonen."

Auch ihre Unterkunft befand sich zwischen den ukrainischen Streitkräften und der russischen Armee, die von DNR-Truppen und den tschetschenischen Einheiten von Ramsan Kadyrow unterstützt wurde.

Den 32 Menschen in ihrem Keller, darunter sechs Kinder, wurde klar, dass sie sich auf das Überleben konzentrieren mussten.

Das Verlassen des Kellers, um nur 20 Meter rauszugehen, konnte wegen des möglichen Bombardements schnell lebensbedrohlich werden. Die niedrigen Temperaturen und Windböen führten dazu, dass alle ständig froren.

Alina Beskrovna
Dieses neunstöckige Gebäude wurde nur wenige Meter von Alina Beskrovnas Unterkunft entfernt zerstört.Alina Beskrovna

Manchmal mussten sie ihr Leben riskieren, um das Essen zu bewachen

Allein das Wasser auf dem offenen Feuer zum Kochen zu bringen, dauerte Stunden, und manchmal mussten sie ihr Leben riskieren, um das Essen zu bewachen, selbst unter Beschuss. Bei all der Ungewissheit hätte diese Mahlzeit die letzte für eine Weile sein können, erinnert sich Beskrowna.

"Unser Überleben hing von der Zusammenarbeit ab, und genau das taten wir. Wir bauten ein Plumpsklo, wir bauten eine Feuerstelle, wir hatten ein Team von zwei, manchmal drei Männern, die Wasser für uns holten, wir fegten den Asphalt neben dem Eingang, um die ganzen Splitter loszuwerden.

"Aber du weißt nicht, welcher Tag heute ist. Du weißt nicht, wie spät es ist", sagt sie.

"Du lebst und schläfst einen Monat lang tagein, tagaus in denselben Kleidern. Du kannst nicht baden, du siehst aus wie ein Landstreicher und hast dir einen Monat lang nicht die Haare gewaschen. Aber alle sind so wie du, also kümmert sich niemand mehr darum. Ein Leben, das ich im 21. Jahrhundert in einer boomenden Industriestadt nie für möglich gehalten hätte."

Das Wagnis, eine belagerte Stadt zu verlassen

Beskrowna und einigen anderen aus dem Keller gelang es, die Stadt zu verlassen, nachdem sich das Gerücht verbreitet hatte, dass es für einige Zivilisten möglich sein könnte, durch die Kontrollpunkte zu entkommen. Sie und ein paar andere beschlossen, ihr Glück zu versuchen.

"Die Leute versuchten, in Kolonnen zu fliehen. Sie trafen sich um 6 Uhr morgens, klebten sich weiße Streifen an den Spiegel, um zu zeigen, dass sie Zivilisten waren, schrieben 'Kinder' auf die Wagen und beteten, dass sie lebend rauskommen würden, denn es gab keinen grünen Korridor - man konnte beschossen werden, man konnte getötet werden, man konnte im Kreuzfeuer stecken."

Alina Beskrovna
Ein Mann, der wie Alina Beskrovna Schutz im Keller gefunden hat, mit einem selbstgebauten Kreuz für getötete Zivilisten, die die Gruppe in Mariupol begraben hat.Alina Beskrovna

Zu diesem Zeitpunkt war der Treibstoff in der Stadt extrem begehrt, erinnerte sie sich, und die Preise erreichten 10.000 Dollar pro Kanister, der Freund, bei dem sie im Keller untergekommen waren, hatte nur noch die Hälfte seines Tanks. Am 23. März stiegen sechs Erwachsene und vier Katzen in sein Auto und fuhren zu den Kontrollpunkten.

Es war das erste Mal, dass Beskrowna etwas vom Ausmaß der Schäden und der schieren Größe der russischen Armeepräsenz sah.

"Wir passierten zwei ukrainische Kontrollpunkte und dazwischen sechzehn russische Kontrollpunkte. Die russischen Kontrollpunkte waren unheimlich. Sie machten keinen Hehl aus ihrer Haltung. Sie verhöhnten uns, schauten auf uns herab und machten sich über uns lustig. Sie hatten einfach ihren Spaß."

"Einige von ihnen sahen aus, als ob sie nicht dort sein wollten, aber sie waren doch da", erinnert sie sich.

Die Russen zwangen die Männer, sich zu entkleiden, und suchten nach allem, was die Farben der Ukraine oder nationale Symbole wie den Dreizack trug, von dem sie glaubten, es sei ein Beweis für ihre Beziehungen zur Armee oder für "Nazi-Tendenzen", und nahmen diejenigen fest, die ihnen nicht gefielen.

Die Fahrt von Mariupol nach Saporischschja, die normalerweise etwa drei Stunden dauert, dauerte 14,5 Stunden und führte durch eine höllische Landschaft voller Leichen, zerfetzter ziviler Autos und gesprengter russischer Panzer - alles Anzeichen für schwere Kämpfe.

Ukrainer bleiben trotz Putin geeint

Auf der Suche nach einem sicheren Ort verließ Beskrowna die Ukraine über Saporischschja und Lemberg in Richtung Dänemark. Sie betont, dass sie, ihre Mutter und ihre Katzen auf dem Weg willkommen geheißen und unterstützt wurden. Für sie ist es ein Zeichen der nationalen Einheit, dass die Aggression Moskaus ihre Landsleute provoziert hat.

Beskrovna spricht sowohl Russisch als auch Ukrainisch. Als russischstämmige Frau ist sie der Meinung, dass die Unterscheidung zwischen den beiden Gruppen, die Putin vor allem in seiner Rede am Vorabend des Einmarsches hervorgehoben hat, nicht existiert.

Seit 2008 oder so hat der Kreml diese Rhetorik, dass russischsprachige Menschen ihrer Rechte beraubt und gejagt werden und sich nicht äußern dürfen, verstärkt, und ich erinnere mich, dass ich dachte: 'Das habe ich noch nie in meinem Leben erlebt.'
Alina Beskrowna, Gelüchtete aus Mariupol

"Seit 2008 oder so hat der Kreml diese Rhetorik, dass russischsprachige Menschen ihrer Rechte beraubt und gejagt werden und sich nicht äußern dürfen, verstärkt, und ich erinnere mich, dass ich dachte: 'Das habe ich noch nie in meinem Leben erlebt.'"

Der erbitterte Widerstand gegen die russischen Truppen in Städten wie Charkiw und Mariupol, wo die russischsprachige Bevölkerung eine deutliche Mehrheit bildet, beweist, dass die Ukrainer in ihrem Wunsch vereint sind, unabhängig von ihrer Herkunft außerhalb Russlands zu bleiben, sagte sie.

"Die Sprache ist kein Thema, denn das ist es, was Putin versucht: Er versucht, die Sprache zu monopolisieren, und er behauptet, dass jeder, der Russisch spricht, dazugehört. Und wir weigern uns einfach, da mitzuspielen", erklärt Beskrowna.

"Obwohl wir jahrhundertelang unter dem Einfluss des russischen Imperiums standen, haben wir immer noch diese freiheitsliebende, selbstorganisierende und selbstverwaltende Komponente der ukrainischen Kosaken. Wir sind keine Leibeigenen, wir sind keine Sklaven, und wir werden es nicht dulden, als solche behandelt zu werden."

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