Taschen voller Geld: Was EU-Politikerin Eva Kaili gestanden hat

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Von Gregoire Lory  mit AFP, LE SOIR, La Repubblica
Eva Kaili im Europaparlament
Eva Kaili im Europaparlament   -   Copyright  HONS / European Union 2022

Nach Berichten der belgischen Zeitung LE SOIR hat die griechische EU-Abgeordnete Eva Kaili im Korruptionsskandal, der das Europaparlament erschüttert, ein Teilgeständnis abgelegt.

Offenbar hat die Sozialistin unter anderem gestanden, ihren Vater beauftragt zu haben, einen Teil des Geldes zu verstecken. Der Vater der Politikerin wurde am 9. Dezember in Brüssel mit einem Koffer voller Bargeld erwischt.

Auch die Mailänder LA REPUBBLICA berichtet, dass Eva Kaili zugegeben hat, dass sie von dem Korruptionsring um ihren italienischen Lebensgefährten Francesco Giorgi und den ehemaligen talienischen Europaabgeordneten Pier Antonio Panzeri wusste. Zudem soll die Politikerin versucht haben, die an dem Skandal beteiligten Personen vor dem Zugriff der belgischen Justiz zu warnen.

Der italienische Ex-Parlamentarier war den jüngsten Ermittlungen zufolge der Kopf dieser kriminellen Organisation, die Bestechung und Geldwäsche betrieben haben soll.

Auch er soll bei einer Anhörung seine Verantwortung zugegeben, zugleich jedoch auch einen weiteren Europaabgeordneten der Bestechlichkeit bezichtigt haben.

Die italienische Justiz hat unterdessen auch die Auslieferung der Frau Panzeris nach Belgien genehmigt. Über sie sollen auch “Geschenke” geflossen sein.

Ihr Anwalt, Angelo di Riso, erklärte jedoch gegenüber Journalisten, dass die Ehefrau die Anschuldigungen von sich weist:

“Sie hat alles abgestritten. Wer sich in einer solchen Situation wiederfindet, macht sich natürlich Sorgen.”

Panzeri gründete 2019 die Menschenrechts-NGO Fight Impunity, die er angeblich nutzte, um sein kriminelles Netzwerk aufzubauen. Dessen Kunden sollen Katar und Marokko sein.

Auf dem Papier erscheint die Organisation respektabel und bis vor kurzem war sie auch durchaus angesehen.

Im Vorstand saßen als Ehrenmitglieder zwei ehemalige EU-Kommissare, ein ehemaliger französischer Ministerpräsident und die ehemalige Chefdiplomatin der EU. Sie alle stehen jedoch nicht unter Verdacht.

Bei den rund 20 durchgeführten Hausdurchsuchungen wurden 1,5 Millionen Euro in bar in den Wohnungen der Angeklagten oder ihrer Angehörigen beschlagnahmt.

Eva Kaili soll am Donnerstag vor der belgischen Justiz erscheinen.

Ihr Posten als Vize-Präsidentin des Europaparlaments wurde ihr entzogen, nachdem zuvor bereits die griechische Partei PASOK die 44-Jährige ausgeschlossen hatte.

Journalist • Andreas Rogal