Luftverschmutzung tötet 1.200 Kinder und Jugendliche in Europa pro Jahr

Smogalarm in der französischen Hauptstadt
Smogalarm in der französischen Hauptstadt Copyright Francois Mori/AP
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Von Euronews mit AFP/DPA/EFA
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Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig, weil sich ihre Organe und ihr Immunsystem noch in der Entwicklung befinden.

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Laut einem am Montag von der Europäischen Umweltagentur (EEA) veröffentlichten Bericht sterben jedes Jahr mehr als 1.200 Kinder und Jugendliche in Europa an den Foolgend der Luftverschmutzung.

Die schlechte Luftqualität erhöht zudem erheblich das Risiko von Krankheiten im späteren Leben.

Trotz der in den letzten Jahren erzielten Verbesserungen liegen die Werte der wichtigsten Schadstoffe in vielen europäischen Ländern nach wie vor hartnäckig über den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), heißt es in dem Bericht. 

Mittelosteuropa und Italien sind besonders stark betroffen. Hauptgrund der dortigen Feinstaubbelastung sei die Verbrennung fester Brennstoffe wie Kohle beim Heizen und in der Industrie.

Neun Prozent der jungen Menschen in Europa von Asthma betroffen

Kinder und Jugendliche sind besonders anfällig für Luftverschmutzung, weil sich ihr Körper und ihr Immunsystem noch in der Entwicklung befinden.

Die kurzfristige Belastung durch Stickstoffdioxid und Ozon und die langfristige Belastung durch Feinstaub - auch bekannt als PM 2,5 - kann die Lungenfunktion und die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen. Dies kann zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, einschließlich Asthma, von dem neun Prozent der jungen Menschen in Europa betroffen sind.

Die Auswirkungen beginnen laut EFA bereits vor der Geburt, da die mütterliche Exposition gegenüber Luftverschmutzung mit niedrigem Geburtsgewicht und Frühgeburten in Verbindung gebracht wird.

Nach der Geburt erhöht die Luftverschmutzung das Risiko für eine Reihe von Gesundheitsproblemen, darunter Asthma - von dem 9% der Kinder und Jugendlichen in Europa betroffen sind - oder Atemwegsinsuffizienz und -infektionen, betont die Agentur ebenfalls.

Diese Auswirkungen werden dadurch verschärft, dass Kinder körperlich aktiver sind als Erwachsene und aufgrund ihrer geringen Körpergröße näher an der Luftverschmutzung, insbesondere durch Autoabgase, sind.

Der Bericht schätzt, dass die Luftverschmutzung in den 32 Mitgliedsländern des EWR (ohne das Vereinigte Königreich, die Schweiz und die Ukraine) jährlich mehr als 1.200 vorzeitige Todesfälle bei den unter 18-Jährigen verursacht.

Obwohl diese Zahl im Vergleich zu den durch Luftverschmutzung verursachten Todesfällen insgesamt, die für das Jahr 2021 auf 311.000 geschätzt werden, immer noch niedrig ist, werden die Auswirkungen bei Heranwachsenden als besonders besorgniserregend angesehen.

In der Gesamtbevölkerung sind Herzkrankheiten und Schlaganfälle die häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle durch Luftverschmutzung, gefolgt von Lungenkrankheiten und Lungenkrebs.

Wie schlimm ist die Luftverschmutzung in Europa?

Im Jahr 2021 waren dem Bericht zufolge mehr als 90 Prozent der städtischen Bevölkerung in der EU einer schädlichen Luftverschmutzung ausgesetzt.

Die Exposition gegenüber Feinstaub (PM2.5) - dem für die menschliche Gesundheit schädlichsten Schadstoff - lag mit 97 Prozent sogar noch höher. Feinstaub ist eine der Hauptursachen für Schlaganfall, Krebs und Erkrankungen der Atemwege.

Die Daten zeigen, dass die PM 2,5-Werte in Mittelosteuropa und Italien am höchsten sind, was hauptsächlich auf die Verbrennung fester Brennstoffe wie Kohle in Haushalten und in der Industrie zurückzuführen ist. Zu den Gebieten mit "sehr schlechter" Luftqualität gehören Piotrków Trybunalski und Nowy Sacz in Polen, Slavonski Brod in Kroatien und Cremona in Italien.

Die Untersuchung ergab, dass die Ozon- und Stickstoffdioxidwerte in allen Ländern über den WHO-Leitlinien lagen, wobei die höchsten Ozonwerte in der Mittelmeerregion und in Mitteleuropa gemessen wurden.

Gemessen an der Feinstaubbelastung wurden Faro in Portugal sowie Umeå und Uppsala in Schweden als die saubersten europäischen Städte (mit den niedrigsten Durchschnittswerten für PM 2,5) eingestuft, wie aus den jüngsten Vergleichswerten von 375 europäischen Städten hervorgeht.

Die besten Werte unter den deutschen Städten erzielen Kiel (Rang 19), Göttingen (22) und Lübeck (26), die schlechtesten Nürnberg (234), Berlin (238) und Gelsenkirchen (245). München liegt an 54., Hamburg an 161. Stelle.

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Generell stufen die Umweltexperten Deutschland je nach Schadstoff unterschiedlich ein: Beim Feinstaub liegt die Bundesrepublik im vorderen Mittelfeld der analysierten Staaten, beim vor allem aus dem Straßenverkehr stammenden Stickstoffdioxid schneidet sie dagegen aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens mit am schlechtesten ab.

Wie können wir die Schäden durch Luftverschmutzung verringern?

Alle Europäerinnen und Europäer müssten vor schlechter Luft geschützt werden - vor allem aber die Kinder, fordert EEA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx. Maßnahmen auf EU-, nationaler und lokaler Ebene müssten dringend weiter verstärkt werden, "um unsere Kinder zu schützen, die sich nicht selbst schützen können". Bis zu wirklich sauberer Luft sei es noch ein weiter Weg.

Der EU-Aktionsplan zur Bekämpfung der Luftverschmutzung ist Teil des Green Deal und zielt darauf ab, die Emissionen zu begrenzen und die Luftverschmutzung in der gesamten EU zu verringern. Bis 2030 soll die Zahl der durch PM 2,5 verursachten Todesfälle im Vergleich zu 2005 um 55 Prozent gesenkt werden.

Bis die Luftverschmutzung auf ein sicheres Niveau gesenkt ist, kann die Verbesserung der Luftqualität in der Umgebung von Schulen dazu beitragen, die Gefährdung von Kindern zu verringern.

Dies kann die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur und die Verhängung von Fahrverboten oder Geschwindigkeitsbegrenzungen beinhalten, über all dort, wo Kinder auf dem Schulweg sind oder im Freien Sport treiben.

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In ihrem Bericht vom November hatte die EFA festgestellt, dass die Europäische Union auf dem richtigen Weg sei, um ihr Ziel zu erreichen, die Zahl der vorzeitigen Todesfälle bis 2030 um mehr als 50% im Vergleich zu 2005 zu senken.

Anfang der 1990er Jahre verursachte Feinstaub in den 27 EU-Ländern fast eine Million vorzeitige Todesfälle. Im Jahr 2005 starben laut Angaben der Agentur noch 431.000 Menschen daran.

Weltweit 7 Millionen vorzeitige Todesfälle

Die Situation in Europa ist jedoch insgesamt besser als in anderen Teilen der Welt: Laut WHO verursacht die Luftverschmutzung weltweit jährlich sieben Millionen vorzeitige Todesfälle, was in etwa der Zahl der Todesfälle durch Rauchen oder schlechte Ernährung entspricht.

Mehrere hunderttausend dieser Todesfälle betreffen laut der UNO-Organisation die unter 15-Jährigen.

Diese schweren Bilanzen hatten sie im September 2021 dazu veranlasst, zum ersten Mal seit 2005 strengere Grenzwerte für die wichtigsten Luftschadstoffe festzulegen.

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Die schlimmste Luftverschmutzung geht zunächst von Feinstaub aus, der tief in die Lunge eindringt. Danach folgen Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon (O3), so die Gesundheitsagenturen.

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