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Ist Skifahren in Frankreich bald nicht mehr möglich?

Schneemassen in Gebieten unter 1.500 Metern ist selten geworden in Frankreich.
Schneemassen in Gebieten unter 1.500 Metern ist selten geworden in Frankreich.   -   Copyright  AFP
Von Ben Anthony Horton  mit AFP

In dem kleinen Elsässer Skigebiet Schnepfenried bedrohen außergewöhnlich milde Temperaturen und geringe Schneemengen die Zukunft des kleinen Ortes.

Der Wintersportort, der derzeit den Titel "bestes kleines Skigebiet Europas" trägt, musste vier seiner sieben Pisten schließen - die Besucherzahlen schmelzen genauso dahin wie der Schnee selbst. Eine endgültige Schließung droht.

Da im Dezember 2021 kein Schneefall gemeldet wurde und die Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt lagen, transportierten Mitarbeiter:innen den Schnee den Berg hinunter und verteilten ihn in einer Spur unter den Skiliften.

"Die Wetterbedingungen waren sehr speziell mit viel Regen und Wind", erklärte Nicolas Buhl, Leiter des Skigebiets Schnepfenried.

"Jetzt geht es darum, die drei Pisten, die wir haben - eine grüne, eine blaue, eine halbe blaue und eine rote Piste - zu erhalten, um den Betrieb in den Schulferien aufrechtzuerhalten."

Die direkten Auswirkungen des Klimawandels

2021 war das wärmste Jahresende in Frankreich seit Beginn der Aufzeichnungen - mit Temperaturen, die in einigen Regionen zehn Grad über dem Durchschnitt lagen.

Der Klimawandel wirkt sich stärker auf die Wintertemperaturen aus, so dass in den Skigebieten unterhalb von 1.500 Metern immer seltener Schnee fällt.

Laut Untersuchungen der Universität Grenoble mussten fast die Hälfte der 169 Skigebiete, die seit 1951 geschlossen wurden, wegen Schneemangels den Betrieb einstellen.

Zwischen 2014 und 2018 verzeichneten die Skigebiete in den Alpen einen unterdurchschnittlichen Schneefall zu Beginn der Saison, so ein Bericht mit dem Titel "Skifahren in einer wärmeren Welt". Die weltbekannten Ziele in Frankreich ziehen fast 43 Prozent aller Skifahrer weltweit an.

"Die Schneeverhältnisse sollten nicht als selbstverständlich angesehen werden, vor allem in niedrigen und mittleren Höhenlagen", sagt Dr. Samuel Morin, Schnee- und Klimawissenschaftler am Nationalen Zentrum für Meteorologische Forschung (CNRM).

Das milde Wetter hat in einigen Regionen auch die Lawinengefahr erhöht.

Claude Schneider, Skilehrer und Rettungssanitäter in La Plagne, beobachtet die Schneedecke mehrmals täglich, und der starke Regen macht ihm Sorgen.

"Frischer, leichter Schnee in sehr gutem Zustand wiegt etwa 40 bis 50 Kilo pro Kubikmeter, und zum Zeitpunkt [unserer] Messung um 13:00 Uhr wog er 250 Kilo pro Kubikmeter. Er ist also schwer, und je schwerer er ist, desto weniger hält er sich an den Hängen, was sehr schlecht für die Lawinengefahr ist", erklärt er.

Nach Ansicht von Umweltwissenschaftler:innen ist die Abfolge von wärmeren Wintern eine direkte Folge des Klimawandels.

Dies kann schwerwiegende Folgen für die Wintersportindustrie haben, die auf konstante Schneeverhältnisse angewiesen ist, um Touristen aus aller Welt anzuziehen.

Eine grüne Weihnacht

Für die Skifahrer, die in Schnepfenried bleiben, führt der Schneemangel bereits zu einer Enttäuschung in den Ferien.

"Wir sind zum ersten Mal hier", erklärt Mirjam Stevens, eine 34-jährige Skifahrerin aus den Niederlanden, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern hierher kommt.

"Für uns ist es ein wenig enttäuschend, dass die Berge voller grünem Gras statt Schnee sind. Wenn die Temperatur immer weiter ansteigt [...], wird sich das auf jeden Fall stark auf die tiefer liegenden Skigebiete auswirken."

Skigebiete suchen nun nach alternativen Ideen, um die Massen anzulocken.

"Das ist etwas, worüber wir schon seit mehreren Saisons nachdenken", erklärt Buhl.

Im Jahr 2013 eröffnete Schnepfenried einen Hochseilgarten und verbesserte sein Angebot an Unterkünften, um Kunden auch während der Sommermonate zufrieden zu stellen.

"Die Idee ist auch, die Leute länger im Jahr beschäftigen zu können. Um diese Art der Anstellung zu ermöglichen, müssen wir alternative Aktivitäten finden, die über das Jahr verteilt sind.