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Proteste gegen das Militär im Sudan

Proteste gegen das Militär im Sudan

Sudanesische Sicherheitskräfte sind mit Tränengas gegen Demonstranten in Khartum vorgegangen, die Parolen gegen das Militär riefen.

Tausende Demonstranten versammelten sich im ganzen Sudan, darunter in Khartum und in Omdurman sowie in der östlichen Stadt Port Sudan und der Hauptstadt Süddarfurs Nyala.

Demonstranten in Ost-Khartum verbrannten Autoreifen und errichteten Steinbarrikaden auf den Straßen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sollen bei den Unruhen mindestens 13 Frauen vergewaltigt worden sein.

Im Sudan ist das Militär wieder an der Macht. Doch diesmal nicht durch einen Putsch, wie es schon so oft seit der Unabhängigkeit des Landes 1956 der Fall war. Nach wochenlangen Protesten verkündete Ministerpräsident Abdullah Hamdok, der seit 2019 das zivile Gesicht der Übergangsregierung in Khartum war, am Sonntagabend im Staatsfernsehen seinen Rücktritt. 

Der Ökonom, der nach 30 Jahren brutaler Diktatur die Regierungsführung übernommen hatte und auf dem internationalen Parkett für seine Reformen gefeiert wurde, reagierte damit auf wochenlange Demonstrationen, die seinen Rücktritt forderten.

Das Militär hatte sich Ende Oktober an die Macht geputscht und Hamdok gestürzt. Erst nach Druck aus dem In- und Ausland war er wieder als Regierungschef eingesetzt worden. Dazu hatte er mit dem Militärmachthaber General Abdel Fattah al-Burhan eine Vereinbarung für eine neue Übergangsregierung unterzeichnet. Doch die Demonstranten forderten einen vollständigen Rückzug des Militärs aus der Regierung und warfen Hamdok Verrat vor.

Hamdok hatte gehofft, den Konflikt zwischen den Protestierenden und den Sicherheitskräften zu entschärfen. Stattdessen wurde er durch seine Zusammenarbeit mit dem Militär für die Protestbewegung zum Symbol der Stagnation. So auch für 19-jährige Studentin Umm Dahab Hassan, die seit Wochen die Proteste gegen Hamdok und das Militär mitorganisiert. Anfangs habe sie sehr viel Hoffnung in Hamdoks Regierung gesetzt, sagt Hassan. Aber seit dem 25. Oktober habe er sich schwach gezeigt und die Agenda des Militärs verfolgt.