Eilmeldung

Eilmeldung

Nach Bolsonaro-Wahl: Bangen um die Menschenrechte

Sie lesen gerade:

Nach Bolsonaro-Wahl: Bangen um die Menschenrechte

Nach Bolsonaro-Wahl: Bangen um die Menschenrechte
@ Copyright :
Reuters / PILAR OLIVARES
Schriftgrösse Aa Aa

Jubel bei seinen Anhängern, Entsetzen bei alle jenen, die ihn nicht gewählt haben. Mit Jair Bolsonaro gelangt ein Politiker ins Präsidentenamt, der als als Rassist, Frauenhasser und Waffennarr gilt.

"Ich hoffe, dass er nicht alle seine Wahlversprechen halten wird."

Anielle Franco Brasilianische Menschenrechtsaktivistin

Wie reagiert Europa auf die Wahl, was erwarten Menschenrechtsvertreter? Unsere Korrespondenten haben sich umgehört unter anderem bei der Politikwissenschaftlerin Fanny Vrydaghan der Freien Universität in Brüssel.

"In Prinzip dürfte es auf wirtschaftlicher Ebene keine großen Veränderungen geben, weil Bolsonaro versprochen hat, das Wirtschaftswachstum so schnell wie möglich anzukurbeln. Was den freien Handels betrifft, dürfte es ebenfalls keine Spannungen geben, dafür jedoch bei der Frage der Menschenrechte. Angesichts der repressiven Politik, die Bolsonaro angekündigt hat, könnte die Europäische Union Sanktionen beschließen, sollte es zu Übergriffen kommen und die Situation eskalieren."

Das Gefühl, ins Jahr 1964 zurückzukehren

Bolsonaros aggressive Rhetorik gegen Frauen und Minderheiten lässt Menschenrechtsverfechter weltweit aufhorchen - vor allem in Brasilien und Lateinamerika, wie Anielle Franco, Teilnehmerin des "Human Rights Defenders World Summit" , der gerade in Paris begonnen hat, erläutert. Ihr Bruder, ein brasilianischer Politiker, wurde im vergangenen März ermordet.

"Ich hoffe, dass er nicht alle seine Wahlversprechen halten wird. Denn wenn er öffentlich erklärt, dass er gegen Arme, Schwarze, Frauen und Homosexuelle ist oder dass er das Militär in die Schulen schicken will, habe ich das Gefühl, dass wir in das Jahr 1964 zurückkehren und eine neue Militärdiktatur beginnt."

Ein ähnlich düsteres Bild zeichnet die Menschenrechtsvertreterin Claudia Samayoa aus Guatemala.

"Wenn sich die größte Wirtschaftsmacht, das größte Land Lateinamerikas, dem Faschismus zuwendet, wird der geringe Widerstand gegen Faschismus, der in anderen Teilen Südamerikas noch existiert, zusammenbrechen."