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Genua: Neubau der Katastrophenbrücke

Genua: Neubau der Katastrophenbrücke
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Die alte Brücke hielt nur gut 50 Jahre, beim Einsturz kamen 43 Menschen ums Leben. Die neue Morandi-Brücke (offizieller Name: Polcevera-Viadukt) in Genua soll 1.000 Jahre halten – so der renommierte Architekt Renzo Piano (81), der aus der Hafenstadt im Nordwesten Italiens kommt und den Wiederaufbau leiten wird. Seit dem Einsturz eines Mitte August ragen noch die Trümmer der alten Brücke in den Himmel – damals war der westliche der drei Pylone mit einem etwa 250 Meter langen Teilstück der Brücke zusammengekracht, auch 250 Familien wurden obdachlos.

Renzo Piano

Die Neue soll schon Ende 2019 fertig werden, ein Konsortium aus drei Großkonzernen (Baukonzern Salini-Impregilo sowie die staatlich kontrollierten Unternehmen Fincantieri und ItalFerr) will das für 202 Millionen Euro schaffen. Ausdrücklich ausgeschlossen ist der private Autobahn-Betreiber, der von der Familie Benetton kontrollierte Konzern Autostrade per l'Italia.

Marco Bucci, Bürgermeister von Genua:

"Der Wiederaufbau dauert 12 Monate. Daher sind wir zuversichtlich, dass wir bis Ende des neuen Jahres eine neue Brücke haben werden. Vielleicht ist sie dann noch nicht zugänglich, aber jeder kann sie sehen und fotografieren."

Bevor Renzo Piano anfangen kann – er ist Träger des Pritzker-Architekturpreises und hat Bauwerke in der ganzen Welt entworfen, darunter das Hochhaus The Shard in London und das der "New York Times" in Manhattan. In Berlin steht er hinter dem Wiederaufbau des Potsdamer Platzes, in Köln hat er das Weltstadthaus entworfen, in Lyon die „Cité Internationale“ – muss der Rest der über einen (1,2) Kilometer langen alten Brücke abgebaut werden – sie führt zum Teil über dicht besiedeltes Gebiet und kann nicht einfach gesprengt werden. Sie wird Stück für Stück zersägt und mit riesigen Kränen aus bis zu 40 Metern Höhe abtransportiert.

Im Wettbewerb hatte sich Piano mit seinen Plänen auch gegen einen Entwurf des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava durchgesetzt, der für seine geschwungenen Bauten wie etwa in Valencia bekannt ist. Calatrava habe weiter seine Zusammenarbeit angeboten, sagte Bucci.

Der Einsturz hatte rund 30 Fahrzeuge, unter ihnen auch mehrere Lastwagen, in die Tiefe gerissen.

Die noch stehenden Teile der Brücke sind nach wie vor von der Genueser Staatsanwaltschaft beschlagnahmt – die Justiz ist noch damit beschäftigt, die Einsturzursache – mutmaßlich Rost im Meeresklima - an den Stahlseilen und die Verantwortlichen zu ermitteln. Das Gebiet unter und neben der Brücke ist Sperrzone.

Zur neuen Konstruktion gehören 43 Leuchten auf sehr hohen Stützen, die nachts die Brücke in Form von Segeln auf einem Schiff beleuchten - eine für jedes Opfer der Katastrophe.

Die 1.182 Meter lange Brücke der A10 ist ein zentraler Bestandteil des italienischen Autobahnnetzes. Sie ist eine wichtige Verbindungsstrasse nach Südfrankreich, ins Piemont und die Lombardei. Von August bis November gingen der Genueser Wirtschaft wegen des Brückeneinsturzes weit über 400 Millionen Euro verloren, schätzt die Handelskammer.

„Wir erwarten eine neue Brücke nicht vor vier oder fünf Jahren“, erklärte der Anwohner Luca Boscolo ("Stuttgarter Zeitung"). Die Behörden hätten das Kunststück fertiggebracht, den letzten Lkw auf der abgebrochenen Brücke erst vier Monate nach dem Einsturz wegzuschleppen – „in der Stadt herrscht inzwischen allgemeine Resignation“.

su