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Bildung und Behinderung: Inklusion von Flüchtlingskindern in Jordanien

Bildung und Behinderung: Inklusion von Flüchtlingskindern in Jordanien
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Über 5,6 Millionen Menschen sind seit 2011 aus Syrien geflohen und haben sich im Libanon, in der Türkei, in Jordanien und anderen Ländern in Sicherheit gebracht. Die Hälfte von ihnen sind Kinder. Fast 700.000 syrische Flüchtlinge leben in Jordanien, dem nach der Türkei und dem Libanon drittgrößten Aufnahmeland.Nach Schätzungen gehen über 700.00 syrische Flüchtlingskinder in den Nachbarländern Syriens nicht zur Schule.
Die Mehrheit der syrischen Flüchtlinge lebt in städtischen Gebieten. Mafraq gehört zu den drei Gegenden, die die meisten Syrer aufgenommen haben. Die lokalen Schulen waren mit vielen Flüchtlingskindern unter anderem mit Behinderungen konfrontiert. Einer von ihnen ist der achtjährige Abd Al-Rahman. Seine Gehfähigkeit ist durch eine zerebrale Lähmung beeinträchtigt. Für ihn ist es das erste Schuljahr: "Am meisten mag ich die Naturwissenschaften und alles, was damit zusammenhängt", sagt er.

An der Al Hamra-Schule wird Abd Al-Rahman wie jedes andere Kind behandelt, auf seine speziellen Bedürfnisse wird eingegangen. Die Schule ist Teil eines Bildungsprogramms, das von der NGO Merci Corps angeboten und von der EU finanziert wird. Zwei Jahre lang fand der Achtjährige zuvor keine Schule, die ihn aufnahm:

"Wir stellen Assistenzlehrer an den Schulen und versorgen sie auch mit Möbeln und technischen Hilfsmitteln, um die Qualität der Bildung für die Kinder zu verbessern, einschließlich behinderter Kinder. Derzeit bekommen rund 300 Kinder Rehabilitationstunden", sagt Maisa Asmar, Merci Corps.

Es gibt keine genauen Zahlen über syrische Flüchtlinge mit Behinderungen in Jordanien. Laut Schätzungen könnten es bis zu 15.000 Kinder sein, von denen nur drei Prozent zur Schule gehen. Ein Grund dafür sind mangelnde Kapazitäten des nationalen Bildungssystems, aber auch die schwierigen sozioökonomischen Verhältnisse der Flüchtlinge bzw. hohe Armutsraten:

"Es ist schwer, ihn zur Schule zu bringen, weil er nicht laufen kann, für uns ist es wirklich ein schwieriges Unterfangen, ihn hinzubringen und abzuholen. Aber er muss etwas lernen", sagt die Großmutter von Abd Al-Rahman.

Die EU unterstützt die Inklusion behinderter Kinder in ganz Jordanien

In Amman begleiteten wir den EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, beim Besuch einer weiteren von der EU finanzierten Schule. Seit Beginn der Syrienkrise hat die Europäische Union rund 11 Milliarden Euro mobilisiert:

"Bildung ist in Notfällen der am stärksten unterfinanzierte Bereich unserer humanitären Hilfe, und deshalb wurde das Budget für die Bildung in Notfällen bereits um das Zehnfache erhöht", sagt Christos Stylianides .

Euronews-Reporterin Monica Pinna: "Welche Ziele verfolgt die EU im Bereich der Bildung für Kinder mit Behinderungen?"

Christos Stylianides: "Ab dem nächsten Jahr müssen alle humanitären Projekte die Besonderheiten von Menschen mit Behinderungen berücksichtigen."

Im Norden an der Grenze zu Syrien besuchten wir eine andere inklusive Schule. Dareen gehört zu einem Team von 160 Assistenzlehrern für behinderte Kinder, die von Merci Corps in über 40 Schulen landesweit ausgebildet wurden.

Mit der Hilfe einer Dolmetscherin bringt sie den Kindern die Zeichensprache bei, um die Sensibilität für behinderte Menschen zu erhöhen:

"Anfangs machte ich mir wirklich Sorgen, wie ich mich mit den Schülern und Lehrern verständigen würde, aber ab dem ersten Tag im Klassenzimmer war es wirklich einfach. Es funktionierte super mit der Gebärdensprache und die Schüler lieben es", so Dareen Ahmad Makki.

Eine Schülerin erzählt: "Mein Cousin ist taub, ich konnte nicht mit ihm reden, aber jetzt können wir uns verständigen."

Dareen ist ein gutes Beispiel für Inklusion. Aber für behinderte Menschen - egal, ob Jordanier oder Flüchtling - ist es nicht einfach, eine Arbeit zu finden. Dareen suchte sieben Jahre lang. Jordanien verabschiedete kürzlich ein neues Gesetz über die Rechte von Menschen mit Behinderungen sowie einen zehnjährigen Strategieplan, laut dem die besten Praktiken landesweit eingesetzt werden sollen.

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