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Die Trikolore - eine Befragung im Bukarester MARe

Die Trikolore - eine Befragung im Bukarester MARe
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Kann man beim Stichwort Trikolore, also bei der Bezeichnung für eine dreifarbige Flagge mit gleich breiten senkrechten oder waagerechten Streifen, an etwas anderes denken als an Aufmärsche, Tribünen mit salutierenden Militärs oder bestenfalls an Sportveranstaltungen? Und wecken solche Bilder auch andere Gefühle als nur Nationalstolz, Pathos und Respekt?

MARe - das neue Museum in Bukarest

Doch halt! Zum einen handelt es sich hier nicht um die berühmteste aller Trikoloren, die französische, sondern um jene Rumäniens. Zum anderen kann es sich durchaus lohnen, der Frage nachzugehen, wie bildende Künstler mit einem solchen Symbol umgehen, das auf den ersten Blick konventionell und von Politik und Propaganda völlig vereinnahmt zu sein scheint. Diesen Versuch, nämlich die Trikolore aus dem üblichen und meist von Missverständnissen behafteten Kontext zu lösen, sie von ihrer oft dumpfen Bedeutungsschwere zu befreien und zu untersuchen, welche ästhetische Assoziationen sie zu wecken vermag und ob sie zu künstlerischen Aussagen fähig ist, unternimmt eine Ausstellung in Rumänien, wo Anfang Dezember ein Jahrhundert seit der Gründung des modernen Staates gefeiert wurde.

Insgesamt 27 bildende Künstler sind mit Werken in der Schau vertreten, von denen das älteste aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und das jüngste aus dem Jahr 2017 stammt. Der 1930 im rumänischen Galati geborene Erfinder der Eat-Art, Daniel Spoerri, und der bedeutende Vertreter des Surrealismus Victor Brauner sind mit Sicherheit die bekanntesten Namen. Die Interpretation, die die rumänische Trikolore mit ihren senkrechten Streifen in Blau, Gelb und Rot dabei erfährt, reicht vom reinen, der Zeit geschuldeten Formalismus, über die hintergründige Befragung bis hin zum ironischen Body-Painting.

Zu sehen ist die Ausstellung „Trikolore“ in dem neuen Museum für Kunst unserer Tage, MARe, das erst im vergangenen Herbst eröffnet wurde. Es befindet sich auf dem Primaverii-Boulevard in der Hauptstadt Bukarest, in unmittelbarer Nähe der einstigen Privatresidenz des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu, seit dessen Sturz sich vor kurzem 29 Jahre erfüllten. Im Februar 2019 will das MARe unter anderem Werke des englischen Konzeptkünstlers Martin Creed zeigen, der 2001 mit dem renommierten Turner Preis ausgezeichnet wurde.