Eilmeldung

Eilmeldung

Geplanter Rauswurf: 200 Flüchtlinge auf Wohnungssuche

Geplanter Rauswurf: 200 Flüchtlinge auf Wohnungssuche
Schriftgrösse Aa Aa

Im Juni 2017 haben griechische Behörden Jean Marc als Flüchtling anerkannt. Seitdem lebt der Ivorer gemeinsam mit vier anderen Flüchtlingen in einer Wohnung im Zentrum von Athen.

Die Miete wird vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen übernommen. Am Ende dieser Woche muss Jean Marc ausziehen. Ein anderer Schutzsuchender wird seinen Platz in der Wohnung einnehmen.

Jean Marc ist zwar besorgt, aber nicht ängstlich. Dem Fußball gehört seine Liebe, und er hofft auf einen griechischen Verein, der ihm eine Chance als Spieler gibt.

Gegenüber Euronews wollte der 23-jährige Ivorer nur seinen Vornamen preisgeben. Jean Marc sagte im Interview: "Ich fühle mich nicht besonders gut, weil ich nichts zu tun habe. Ich habe keinen Job. Ich gehe zur Schule, um Griechisch zu lernen, damit ich Arbeit finden kann. In Athen ist das nicht einfach. Ich möchte gerne hier leben und eine Familie gründen. Aber jetzt suche ich erstmal einen Platz zum Schlafen."

ESTIA läuft für 200 Menschen aus

Das Unterkunftsprogramm ESTIA ist von der EU ins Leben gerufen worden. Betrieben wird es vom UN-Flüchtlingshilfswerk in Zusammenarbeit mit griechischen Nichtregierungsorganisationen.

ESTIA betreut über 22.000 Flüchtlinge, von denen 200 ab Ende März auf eigenen Füßen stehen müssen. Der Großteil von ihnen lebt in Wohnungen in Athen und Thessaloniki.

Boris Cheshirkov von der UN-Flüchtlingsagentur sieht den Auszug als eine notwendige Maßnahme: "Wir reden im Moment von 200 Menschen. Das sind vielleicht nicht viele. Aber wenn dafür 200 Flüchtlinge etwa den harschen Lebensbedingungen auf der Insel Samos entkommen können, ist das eine wichtige Entwicklung. Sie können in Wohnungen leben, haben Serviceleistungen, werden bei Aktivitäten unterstützt und lernen Griechisch."

Regierung weist Kritik zurück

Mehrere Nichtregierungsorganisatoren kritisieren den angeordneten Auszug als zu frühzeitig. Die Regierung betont, die Flüchtlinge würden nicht sich selbst überlassen.

Miltiadis Klapas ist Generalsekretär für griechische Migrationspolitik und dem entsprechenden Ministerium unterstellt: "Diese Menschen werden über einen Zeitraum von drei Monaten finanziell gefördert. Sie haben das Recht zur Teilnahme an einem speziellen Arbeitsprogramm. Sie werden ein gutes Gehalt bekommen. Wir werden sie nach dem Ende von Estia weiter unterstützen. Sie sollen sich in Griechenland sicher fühlen und sich in die Gesellschaft integrieren."

Euronews-Korrespondet Apostolos Staikos kommentierte in Athen: "Flüchtlinge und Migranten wissen, dass die finanzielle Unterstützung durch den Staat ein Verfallsdatum hat. Und die Integration in die griechische Gesellschaft ist eine schwierige und komplexe Aufgabe. Vielen scheint das Vorgehen übereilt, aber es ist sicher ein erster bedeutender Schritt."