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Algerien: Es wird einsam um Bouteflika

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika im Jahr 2012
Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika im Jahr 2012 -
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REUTERS/Ramzi Boudina/File Photo
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In Algerien wird es immer einsamer um Präsident Abdelaziz Bouteflika. Zahlreiche ehemalige Verbündete wenden sich von ihm ab: Das mächtige Militär hatte bereits am Dienstag gefordert, den 82-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen für amtsunfähig zu erklären. Dann gab auch seine eigene Partei, die regierende FLN, bekannt, sie unterstütze die Initiative der Armee - weniger als zwei Monate, nachdem sie ihn zum Kandidaten für die ursprünglich Mitte April angesetzte Präsidentschaftswahl aufgestellt hatte.

Am Mittwoch wandte sich eine weitere wichtige Stimme gegen Bouteflika: Ex-Regierungschef Ahmed Ouyahia von Bouteflikas Koalitionspartner RND forderte, der Präsident müsse den Weg für einen Übergangsprozess frei machen. Ouyahia war am 11. März zurückgetreten.

Auch der Chef der größten Gewerkschaft des Landes unterstützte die Forderung von Armeechef Ahmed Gaid Salah.

Dieser war nach wochenlangen Protesten gegen die erneute Kandidatur Bouteflikas eingeschritten. Es müsse eine Lösung geben, die den Forderungen des algerischen Volkes entgegen komme, so Salah am Dienstag in einer Ansprache vor Militärs.

Bouteflika galt lange als Wunschkandidat der Armee auf dem Präsidentenposten. Die algerische Opposition warnte dementsprechend vor einem Putschversuch des Militärs und auch die Proteste dauern an.

Am Dienstag gingen erneut Tausende Menschen in Algier auf die Straße, größtenteils Studierende. Sie forderten einen wahren Wechsel. Bouteflika hatte aufgrund der Proteste Reformen angekündigt, zugleich aber auch die Präsidentschaftswahl auf unbestimmte Zeit verschoben. Zahlreiche Demonstrantinnen und Demonstranten lehnen auch die Beteiligung der Armee an der Absetzung Bouteflikas ab, da sie einen Sturz der gesamten politischen Elite fordern.

Seit Wochen kommt es in Algerien zu Massenprotesten gegen den 82-jährigen Präsidenten, der seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 kaum öffentlich auftritt. Zeitweise gingen mehrere Millionen Menschen im gesamten Land auf die Straße. Es sind die größten Proteste seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1962.