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#EUroadtrip: Brennpunkt Evros

#EUroadtrip: Brennpunkt Evros
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Es geht weiter auf unserem Roadtrip durch Griechenland. Nach 800 Kilometern Auto war es Zeit für ein neues Transportmittel, ein Fischerboot.

Bryan Carter, Euronews: "Wir fahren jetzt mit Thanassis, einem lokalen Fischer, auf dem Fluss Evros entlang der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland"

Fay Doulgkeri, Euronews: "Und wir hören uns die erstaunlichen Geschichten an, die er zu erzählen hat. Denn er hat gesehen, wie Migranten versuchten, diesen Fluss unter sehr schwierigen Umständen zu überqueren, ganze Familien und natürlich auch Schlepper mit Schlauchbooten."

Der Fluss Evros nahe der Stadt Alexandropouli bildet eine natürliche Grenze zwischen Griechenland und der Türkei. Seit Jahren riskieren Menschen, die nach Europa kommen wollen, ihr Leben, um ihn zu überwinden. Thanassis erinnert sich an einen Vorfall, der ihn bis heute bewegt.

Ich dachte, er würde ertrinken

Thanassis Kamilaris, Fischer: "Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie ein Mann in nur einem halben Meter Wasser untergehen kann. Das ist so, als würde man einen Stein nehmen und ins Wasser werfen, so schnell sank sein Körper auf den Grund. Neben ihm stand jemand, der ihn am Rücken packte und aus dem Wasser zog. Ich dachte, er würde ertrinken, er konnte überhaupt nicht schwimmen."

Während wir durch diese Region fahren, verstehen wir schnell, dass Migration hier ein empfindliches Thema ist. Das Evros-Gebiet ist einer der wichtigsten Anlaufpunkte für Flüchtlingen auf dem Weg nach Europa.

Um die Zahl der unerlaubten Grenzüberschreitungen zu reduzieren, errichtete die griechische Regierung 2012 einen 10 Kilometer langen Zaun, dort, wo die Grenze zur Türkei auf dem Land verläuft. Was viele Menschen jedoch nicht davon abhielt, den Grenzübertritt dennoch zu wagen.

Brennpunkt an der Grenze zur Türkei

Bryan Carter, Euronews: "Wir befinden uns hier direkt an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei, auf der anderen Seite des Zauns. Ein hoch sensibles Gebiet, es war äußerst schwierig, hier eine Drehgenehmigung zu bekommen. Fay, kannst du uns mehr über diesen Ort erzählen?"

Fay Doulgkeri, Euronews: "Das ist in der Tat ein Brennpunkt wegen der schwierigen Beziehungen zwischen der Türkei und Griechenland. Doch die Migrationsströme reißen nicht ab. Sie steigen natürlich im Frühjahr und Sommer an, weil Flüchtlinge und Migranten den Fluss leichter überqueren können.

Menschen, die es nach Griechenland schaffen, landen meist in einem geschlossenen Aufnahmelager. 250 Menschen, hauptsächlich aus Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan, werden hier festgehalten. Etwa die Hälfte von ihnen sind Minderjährige oder junge Erwachsene.

Fay spricht mit einem 21-jährigen Flüchtling aus dem Irak. "Meine Familie ist im Irak, ich bin allein hier", berichtet er.

- "Warum ist Ihre Familie nicht mitgekommen?"

"Weil sie nicht das Geld dafür hatten, sind sie im Irak geblieben.

- "Wohin wollen Sie von hier aus?"

"Jedes beliebige Land, das Menschlichkeit besitzt.

Kein Zaun wird die Flüchtlingsströme stoppen

In diesem Teil des Lagers sind mehrere Familien aus dem Irak untergebracht. Wie alle anderen Flüchtlinge hier warten sie auf den Abschluss ihres Asylverfahrens, das mehrere Wochen dauern kann.

Kinderzeichnungen an der Wand erzählen von der schwierigen Reise, die die Flüchtlinge auf sich nehmen, vor allem seit der Grenzzaun zur Flussüberquerung zwingt.

Margaritis Petritzikis, UNHCR: "Weder Zäune noch andere Maßnahmen werden die Flüchtlingsströme stoppen. Dies kann jedoch zu gefährlichen Überquerungen führen, die schwerwiegende Folgen für das Leben oder die Gesundheit der Menschen haben."

Neue Route über das Meer

Der Evros ist nicht das einzige Gewässer, das von Migranten überquert wird. Seit kurzem setzen Schmuggler auf eine neue Route, die Flüchtlinge per Boot direkt über das Meer aus der Türkei nach Alexandroupoli bringt.

EIn junges Paar aus Afghanistan berichtet: "Nach drei Versuchen haben wir es hierher geschafft. Über die Grenze und Alexandroupoli. Und hier sind wir sind seit drei Monaten."

- "Sie sind mit einem Boot aus der Türkei gekommen und hier angekommen?"

"Ja. Über Alexandroupoli."

Der griechische Journalist Thanassis Tsolakis, der die Ankunft von Flüchtlingen im Hafen von Alexandropouli verfolgte hat, bestätigt ihren Bericht. "Wenn sich diese Migrantenroute durchsetzt, wird es eine humanitäre Katastrophe geben.

Dann haben wir ein ernsthaftes Problem. Wir werden erleben, wie noch mehr Menschen ertrinken als heute. Es wird viel mehr Tote geben. Das ist eine ganz neue Herausforderung für die Behörden."

Seine geografische Lage macht das Evros-Gebiet zu einer der wichtigsten Stationen auf der Migrationsroute aus Asien und dem Mittleren Osten. Ungeachtet der von Griechenland ergriffenen Sicherheitsmaßnahmen werden auch weiterhin viele Flüchtlinge den gefährlichen Weg auf sich nehmen, um ins ersehnte Europa zu gelangen.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Euronews. Die anderen Geschichten finden Sie in unserer Übersicht:

#EUroadtrip | Euronews berichtet vor den Europawahlen aus der EU