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China in Hamburg - Qingdao will handeln

China in Hamburg - Qingdao will handeln
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Im Jahr 1731 legte das erste chinesische Handelsschiff in Hamburg an. 300 Jahre später ist China wichtigster Handelspartner der Freien und Hansestadt. Es ist eine traditionsreiche Verbindung, wie beide Seiten am Freitag im Museum für Hamburgische Geschichte betonten. Dort haben Vertreter der chinesischen Hafenmetropole Qingdao eine Ausstellung über die Stadt im Norden Chinas eröffnet.

Die Hafenmetropole soll bekannter werden. Erklärtes Ziel: Hand in Hand Geld verdienen. Schon jetzt kommen die meisten europäischen Investitionen in Qingdao aus Deutschland, bis Ende März rund 2,3 Milliarden Euro. Mehrmals wöchentlich verkehren Frachtverbindungen zwischen den Häfen.

Ranghöchster chinesischer Gast war am Freitag Zhua Hua, Generalsekretär des Stadtkomitees Qingdao. Bereits am Morgen hatte er den Hamburger Wirtschaftssenator getroffen. Man habe darüber gesprochen, wie die nächsten Schritte der Kooperation zwischen Hamburg und Qingdao aussehen könnten.

"Wir sind uns einig geworden, dass unsere Städte in vielen Bereichen zusammenarbeiten können, unsere Häfen, in den erneuerbaren Energien in Kultur und Sport."
ZHU Hua
Generalsekretär des Stadtkomitees Qingdao

Projekt Neue Seidenstraße

Im gesamten Handel mit China wurden 2019 bisher seeseitig 679.000 TEU umgeschlagen, ein Plus von 2,1 Prozent. Hamburg und die einstige deutsche Kolonie sind längst Teil der Initiative Neue Seidenstraße, die Peking mit vielen Milliarden vorantreibt. Die Volksrepublik investiert in den Bau von Straßen, Bahnstrecken, Häfen, Pipelines und Energienetzen. 65 Länder liegen an den bestehenden oder geplanten Routen der kontinentalen und der maritimen Seidenstraße. Auch Hamburg und Qingdao spielen dabei eine Rolle. Qingdao ist einer der wichtigsten Häfen in Chinas Norden und wird mehrmals wöchentlich von Liniendiensten aus Hamburg direkt angelaufen.

"Hamburg ist die einzige Stadt, die sowohl die landseitige Seidenstraße umfasst als auch die maritime Seidenstraße", so Corinna Nienstedt, Leiterin des Staatsamtes Hamburg während der Veranstaltung am Freitag. Die Hansestadt sei also ein wichtiger Knotenpunkt wenn es um Konnektivität zwischen China einerseits und Europa andererseits gehe. Seit vielen Jahren sei Hamburg in Europa das wichtigste Eintrittstor für chinesische Waren.

"Es sind mehr als 550 chinesische Firmen hier am Standort Hamburg angesiedelt und diese Topposition werden wir ausbauen."
Corinna Nienstedt
Leiterin des Staatsamtes Hamburg

Vor dem Hintergrund der Neuen Seidenstraße werden zwischen Hamburg und China schon jetzt zusätzlich 177 Containerzugverbindungen wöchentlich angeboten.

Kritik am chinesischen Expansionsdrang

Scharfe Kritik an Chinas Expansionsdrang kommt unter anderem aus Washington. Noch immer schwelt ein Handelsstreit. Und spätestens als China in hochverschuldeten Ländern Südeuropas auf Einkaufstour ging, etwa den Hafen von Piräus kaufte, schrillten in Brüssel die Alarmglocken. "In der reichen Handelsstadt Hamburg allerdings scheint man den chinesischen Expansionsdrang als Chance zu begreifen", so die Einschätzung von euronews-Korrespondent Lutz Faupel in Hamburg. Die Hamburger Umschlagszahlen werden davon wohl nicht beeinflusst. Eine Eintrübung der positiven Aussichten, erwartet die zuständige Hamburger Port Authority nicht.

Deutsche Investitionen in Qingdao

Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner der Stadt Qingdao, die meisten europäischen Investitionen kommen aus der Bundesrepublik. Allein bis Ende März dieses Jahres hat die deutsche Seite in mehr als 356 Projekte in Qingdao investiert. Vorzeigeprojekt ist der deutsch-chinesische Eco-Park, der ein Zeichen in Sachen nachhaltiger Wirtschaft setzen soll. Der Park umfasst unter anderem ein deutsches Unternehmenszentrum und ein Model-Passivhaus. Noch sind die Kapazitäten des Parks nicht ausgereizt.

In den vergangenen Jahren hat der Hafen von Qingdao seine Kapazitäten für den Container- sowie Kohle- und Erzumschlag massiv ausgebaut. 2017 wurde ein Inlandhafen mit Eisenbahn und Straßenverbindungen gebaut, 2,4 Milliarden RMB wurden investiert. Der Hafen von Qingdao legt Wert auf den Einsatz neuer Automatisierungstechnologien und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. 2017 stellte ein Vertreter des Hamburger Hafens Lösungen für die Logistik des 21. Jahrhunderts vor. In den vergangenen Jahren hat der Hafen von Qingdao seine Kapazitäten für Container- sowie Kohle- und Erzumschlag massiv ausgebaut. 2017 wurde ein Inlandhafen mit Eisenbahn und Straßenverbindungen gebaut, 2,4 Milliarden RMB wurden investiert. Der Hafen von Qingdao legt Wert auf den Einsatz neuer Automatisierungstechnologien und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. 2017 stellte ein Vertreter des Hamburger Hafens Lösungen für die Logistik des 21. Jahrhunderts vor. Der Hafen von Qingdao soll den von Shanghai als größten Umschlagplatz der Welt ablösen.

Keine Einbahnstraße?

Die Neue Seidenstraße, so hat China nach Bedenken aus aller Welt eilig bekundet, soll keine Einbahnstraße sein. Peking hat den multilateralen, offenen und auf allseitigen Nutzen ausgerichteten Charakter der Initiative betont. Die Regierung will den Eindruck zerstreuen, es handele sich um ein China-zentristisches Dominanz-Projekt. Die Kommunistische Partei erschließt dem Land mit der Neuen Seidenstraße zusätzliche Märkte und ist so auch weniger abhängig vom Handel mit den USA.