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Flüchtlingspolitik: Vorbild Uganda

Flüchtlingspolitik: Vorbild Uganda
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Das Kyangwali Flüchtlingslager am Albertsee in Uganda: Hier kommen Menschen an, die vor dem Konflikt in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo (DRK) fliehen. Täglich kommen laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR Dutzende hier an. "Sie haben geschossen", berichtet Uketi Depite von seiner Flucht. "Auf unserem Weg hierher flogen die Kugeln hinter uns her. Ich bin hierher gekommen, weil ich gehört habe, dass man als Flüchtling in Uganda Hilfe bekommt."

Uganda ist nach der Türkei und Pakistan das Land mit den weltweit meisten Flüchtlingen und das größte Aufnehmerland in Afrika. Etwa 1,2 Millionen Flüchtllinge leben in dem Staat mit 37 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Und es werden täglich mehr. "Heute habe ich 86 Menschen registriert", so ein UNHCR-Mitarbeiter in Kyangwali.

Die Menschen in den krisengeschüttelten Nachbarländern kommen wegen der liberalen Aufnahmepolitik: Flüchtlinge können sich frei bewegen und arbeiten, haben Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Angeyechan Nikuma aus der DRK: "Ich wusste, dass in Uganda Frieden herrscht und dass ich Essen und Kleidung bekommen würde."

UNHCR: Bald 1,7 Millionen Flüchtlinge in Uganda

Die meisten Flüchtlinge stammen aus dem Südsudan, gefolgt von der Demokratischen Republik Kongo und Burundi. Das UNHCR rechnet damit, dass der Zustrom wegen der Konflikte in der Region anhält - und geht davon aus, dass in Uganda bis Ende des Jahres 1,7 Flüchtlinge leben werden.

Anfang 2018 machte Uganda Negativschlagzeilen wegen eines Skandals um aufgeblasene Flüchtlingszahlen zur illegalen Eintreibung von Hilfsgeldern. Das UNHCR führte daraufhin während mehrerer Monate eine biometrische Überprüfung und Registrierung der Menschen durch. Trotzdem gilt Uganda weiter als sehr fortschrittlich. Flüchtlinge bekommen sogar ein Stück Land zum Wohnen und Bewirtschaften.

"Das Land ist ein Vorbild für andere, um zu zeigen, dass es funktionieren kann, wenn man Menschen aufnimmt und ihnen Freiraum und die Möglichkeit zu arbeiten gibt und dass das nicht automatisch zu einer großen Krise im Aufnahmeland führt", so Chris Nolan, Leiter der Hilfsorganisation "The Refugee Law Project".

Mittel fehlen: Vor allem die Kinderversorgung leidet

Um sich weiter um die Flüchtlinge kümmern zu können, braucht es dringend mehr Geld. Das UNHCR beklagt, dass es vor allem bei der Versorgung von Kindern und Bildung Lücken gibt und wegen des Skandals zogen wichtige Geldgeber wie Deutschland Teile der Hilfen zurück. Doch Unterstützer wie die EU haben auch ein Interesse am Fortbestand eines funktionierenden Systems.

"Uganda hat große Summen bekommen, um diese sehr sehr fortschrittliche Politik zu unterstützen", so der EU-Botschafter in Uganda, Attilio Pacifici. "Wir sollten bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Nachbarländern helfen. Wir machen das, wenn es bei uns passiert. Uganda macht es auch. Gerne. Da müssen wir helfen. Und natürlich kommen dadurch weniger Flüchtlinge nach Europa."

Zurück am Albertsee: Die Neuankömmlinge des Tages werden in eine nahegelegene Siedlung gebracht, wo sie ein kleines Stück Land bekommen. Die meisten von ihnen werden wohl bleiben. Das UNHCR geht davon aus, dass von den schätzungsweise bald über 1,7 Flüchtlingen im Land nur etwa 140.000 in ihre Heimat zurückkehren werden.