"Weiß, reich und Deutsche" - Salvini attackiert „Sea-Watch“-Kapitänin

"Weiß, reich und Deutsche" - Salvini attackiert „Sea-Watch“-Kapitänin
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Momentaufnahme an Bord der „Sea-Watch 3“ - das Schiff liegt mit 42 Migranten und 22 Besatzungsmitgliedern vor der italienischen Insel Lampedusa, nachdem es ohne Genehmigung in italienische Gewässer gefahren war.

Italiens Innenminister Matteo Salvini hat die Kapitänin Carola Rackete persönlich angegriffen.

Er werde „die Sicherheit Italiens nicht an diese Banditen und an einen “Kommandanten“ übertragen, der sich schuldig fühlt, als „weiß, reich und Deutsche“ geboren zu sein“, schrieb Salvini auf Facebook.

Der Lega-Chef rief Deutschland und die Niederlande auf, die geretteten Flüchtlinge auf dem Schiff aufzunehmen. Beiden Ländern hielt Salvini Untätigkeit vor. Falls sie die Aufnahme der Migranten zusagten, werde er diese umgehend in Lampedusa an Land lassen.

Vor dem Hintergrund wachsender Zahlen von Flüchtlingen, die über die Balkanroute nach Italien gelangen, erwägt Salvini außerdem den Bau einer Mauer an der Grenze zu Slowenien.

"ICH HOFFE, ES GIBT NICHT MAL EINE GERICHTSVERHANDLUNG"

Carola Rackete, Kapitänin "Sea-Watch 3" :

"Ich mache mir Sorgen um die Leute, die ich an Bord habe. Wenn Sie die Seenot sehen und wenn Sie die Leute an Bord nehmen, darunter 3 Minderjährige - ich bin plötzlich rechtlich für 3 Minderjährige verantwortlich, die jüngste ist gerade 12 Jahre alt. Sie brauchen einen Ort der Sicherheit. Ich gehe davon aus, dass es vielleicht eine Untersuchung geben wird, aber ich gehe auch davon aus, dass die italienische Gerichtsbarkeit die Situation versteht, dass sie Menschenleben schätzt, dass sie das Seerecht schätzt. Ich erwarte nicht, dass es eine Verurteilung geben wird und ich hoffe, nicht einmal eine Gerichtsverhandlung".

In einem Interview mit der Zeitung „La Repubblica“ hatte Rackete, 31, ihr Engagement so erklärt: „Ich habe eine weiße Hautfarbe, ich bin in ein reiches Land geboren worden, ich habe den richtigen Reisepass, ich durfte drei Universitäten besuchen und hatte mit 23 Jahren meinen Abschluss. Ich fühle eine moralische Verpflichtung, den Menschen zu helfen, die nicht die Chancen hatten wie ich.“

Ein Migrant aus Kamerun an Bord der "Sea-Watch 3":

"Ich muss nach Europa, weil die Situation in meinem Land nicht so gut ist. Es gibt eine politische Krise in Kamerun. Selbst in Libyen ist es mir nicht leicht gefallen, weil Libyen kein sicherer Ort ist."

"KEINE ANGST VOR MÖGLICHEN KONSEQUENZEN"

Giorgia Orlandi, Euronews:

"Die Kapitänin und das Team an Bord der Sea-Watch machen alles, um diese Flüchtlinge in Sicherheit zu bringen. Diese Menschen wurden am 12. Juni an der libyschen Küste gerettet. Ihre Bedingungen an Bord sind wirklich schwierig.

Die Kapitänin sagte auch, sie habe keine Angst vor möglichen Konsequenzen, vor dem, was hier in Italien und bei den italienischen Behörden passieren wird. Man dürfe nicht mit dem Leben der Menschen zu spielen."

su