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Tokio - eine Brutstätte der Kunst

Tokio - eine Brutstätte der Kunst
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Tokio strahlt eine Atmosphäre aus Tradition und Moderne aus. In der ersten Folge der dreiteiligen Serie "Tokyo on the Move" geht es um Ukiyo-e: So heißen die traditionellen japanischen Holzschnitte. Eine neue Generation von Künstlern hält diese Kunstform am Leben und schafft daraus zeitgenössische Kunstwerke.

Tokio ist eine Stadt der Kontraste, in der sich sich Tradition mit Fortschritt mischt: "In diesem Jahr hat ein neuer Kaiser den Thron bestiegen, der Beginn einer neuen Ära in Japan", weiß euronews-Reporterin Naomi Lloyd. "Schauen wir uns Tokios Kunstszene in dieser Zeit des Wandels an, ihre Traditionen und neuen Impulse."

Holzschnitte waren beliebt in der Edo-Zeit

Die Adachi-Stiftung beherbergt eine der wichtigsten Ukiyo-e-Sammlungen in Tokio: Die Blütezeit dieser Holzschnitte mit ihren zarten Linien und lebendigen Farben währte vom 17. bis ins 19. Jahrhundert - eine Zeit, die als Edo-Zeit bekannt ist.

"Ukiyo-e war Teil der Populärkultur und wurde während der Edo-Zeit von der breiten Öffentlichkeit geschätzt. Die Drucke wurden von Verlagen produziert und zeigen die Mode der schönen Frauen der Zeit sowie die Natur", erzählt Meguri Nakayama, Direktorin der Adachi-Stiftung, die erklärt, warm sie heute noch geschätzt werden: "Die Tatsache, dass heute in diesem digitalen Zeitalter das, was wir tun, analog ist - und jedes Bild wird einzeln von Hand gemalt -, das ist es, was die Bilder attraktiv macht."

Auf den Spuren der Kunst in Tokio

Viele der in den Ukio-ye dargestellten Motive kann man heute noch in der Stadt finden. Die euronews-Reporterin macht sich auf Spurensuche:

"Das ist das gleiche Kaufhaus - das seit mehr als drei Jahrhunderten hier steht, inzwischen ist das Gebäude etwas höher - und der Fuji fehlt im Hintergrund. Auf dem berühmten Gemälde von Utagawa Hiroshige werden die Menschen, die die Shin-ohashi-Brücke überqueren, von einem plötzlichen Schauer überrascht. Genau hier wären sie heute gegangen - die Brücke besteht nicht mehr aus Holz und wir haben auf jeden Fall mehr Glück mit dem Wetter."

Von diesem Werk war Vincent van Gogh so beeindruckt, dass er eine Kopie in Öl malte. Am Adachi-Institut werden nicht nur ältere bekannte Werke reproduziert. Man arbeitet auch mit zeitgenössischen Künstlern zusammen, die moderne Originale schaffen. Die Handwerker werden in den jahrhundertealten Techniken ausgebildet, um die Tradition für zukünftige Generationen am Leben zu erhalten.

"Ich war Student an der Universität für Bildende Kunst und kam zufällig mit der Ukiyo-e-Technik in Berührung", so der Künstler Chikura Kishi: "Ich war fasziniert von den anspruchsvollen Techniken, die in Generationen zur Vollendung gereift sind, und so begann ich mit dem Handwerk."

Eine neue Generation von Tokioter Künstlern verwenden die Ukiyo-e Techniken, um einen neuen Kunststil zu kreieren. Akira Yamaguchi hat den größten Teil seines Lebens im Chuo-Viertel verbracht. Dort findet er seine Inspirationen: "Man sieht, dass sich dieses Viertel von anderen unterscheidet. Der Mix aus Moderne und alten Gebäuden ist hier miteinander verwoben - das ist es, was den Stil meiner Gemälde ausmacht."

Tokio: Zentrum der Manga-Szene

In Akira Yamaguchis Stadtlandschaften findet man traditionelle japanische Gebäude neben modernen Wolkenkratzern, fantastische Elemente und Science-Fiction. Er ist auch ein bekannter Manga-Künstler. Künstler aus Tokio stehen an der Spitze der Manga-Szene: Die in ihren Zeichnungen dargestellten Orte ziehen Besucher aus der ganzen Welt an.

"Manga macht einen großen Teil der japanischen Kultur und Kunst aus", sagt Manga-Expertin Nana Midoro: "Es gibt Ähnlichkeiten zwischen Manga und Ukiyo-e - Manga-Künstler verwenden die Ukiyo-e- Perspektivtechnik, um die bestmöglichen Winkel zu zeichnen, um die Bewegung darzustellen."

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