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Brexit: Italienische Forscher sehen ihre Zukunft in GB kritisch

Brexit: Italienische Forscher sehen ihre Zukunft in GB kritisch
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Italienische Wissenschaftler, die in Großbritannien arbeiten, zieht es aufgrund des Brexits offenbar verstärkt in ihre Heimat zurück. Großbritannien gilt seit langem als "Mekka" für ausländische Forscher und Professoren. Die Italiener stellen dort mit rund 5.700 akademischen Hochschulmitarbeitern die zweitgrößte ausländische Wissenschaftsgemeinschaft. Doch seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 ist alles anders.

Eine aktuelle Studie der italienischen Botschaft kommt zu folgendem Ergebnis: 82 Prozent der mehr als 630 befragten italienischen Hochschulbeschäftigten in Großbritannien denken darüber nach aufgrund des Brexits wieder nach Italien zu gehen.

Qualität der Forschung in Gefahr?

Eleanor Spaventa ist Professorin für Europarecht. Nach 20 Jahren in Großbritannien arbeitet sie wieder in Italien - genauer gesagt, an der privaten Bocconi-Universität in Mailand. Sie ist sich sicher, der Ruf britischer Hochschulen wird leiden:

"Die Zahl der Bewerber wird kleiner sein, wenn man Akademikern Einwanderungskontrollen auferlegt - und das wirkt sich auch auf die Qualität der Forschung aus und die Kollegen, die man hat."

Der sogenannte "Brexodus" ist laut EU-Bürgerrechtsaktivistin Costanza de Toma allerdings weitaus komplexer. Die Gründe für Ausländer zu gehen sind vielfältig. De Toma ist gerade von London zurück nach Turin gezogen. Sie plant, andere italienische Staatsbürger zu beraten, die eine, wie sie es nennt, "schmerzhafte" Erfahrung machen.

"Es war schockierend", sagt de Toma. "Ich fühlte mich verraten - als ob mein Mann mich betrogen hätte oder ein Familienangehöriger gestorben wäre. Das Land, das du gewählt hast, um dich niederzulassen, lässt dich im Stich. Das ist sogar schmerzvoller als wenn es das Land wäre, in dem du geboren wurdest."

Karrieren in der Wissenschaft stehen auf dem Spiel

Auch die finanzielle Verhältnisse der Hochschulen könnte viele Forscher dazu bewegen, Großbritannien zu verlassen.

"Es ist nicht klar, ob Großbritannien in der Lage sein wird, die von der Europäischen Union verlorenen finanziellen Mittel aufzufangen", so Donatella Sciuto, Stellvertretende Leiterin der Polytechnischen Universität in Mailand. "Laufbahnen in der Wissenschaft und Forschung werden erschwert."

Doch ist Italien bereit, seine Forscher wieder aufzunehmen? Vor allem an staatlichen Hochschulen ist das eine Herausforderung. Wirtschaftsprofessor Giorgio Bellettini von der Universität Bologna hatte bereits gefordert, Wissenschaftler wieder nach Hause zu holen - mit mäßigem Erfolg:

"Die Zahl der Menschen, die in Großbritannien leben und Interesse an einer Rückkehr zeigten ist im Vergleich zu vorher stark gestiegen. Aber nur eine von 30 Bewerbungen erfüllte die notwendigen Anforderungen. Es ist ziemlich beunruhigend. Es gibt viele bürokratischen Hürden, die jeden entmutigen, insbesondere diejenigen, die aus dem Ausland kommen."

Damit verpasst Italien womöglich eine große Chance. Hochqualifizierte Fachkräfte haben teilweise keine andere Wahl, als im Ausland zu bleiben. Der Weg zurück ist nicht immer einfach.

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