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Künstlicher Knochen: innovativ und ohne tierische Inhaltsstoffe

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Künstlicher Knochen: innovativ und ohne tierische Inhaltsstoffe
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FlexiOss ist eine neue Art von künstlichem Knochen, die in Polen entwickelt wurde. Das Besondere daran ist, dass das Material in jede Form gebracht werden kann, die Ärzte benötigen. In dieser Folge von Smart Regions treffen wir die Entwickler und einen Patienten, dessen Bein mit dem Knochenersatz neu aufgebaut wurde.

Keine Amputation dank FlexiOss

Im ostpolnischen Lublin haben Wissenschaftler ein innovatives Knochenersatzmaterial entwickelt. Die Technologie hat Patienten bereits vor einer Amputation bewahrt. Einer der ersten, der davon profitierte, ist Daniel Bardega. Nach einem Motorradunfall stand er vor der Wahl: ein Verfahren im Versuchsstadium zu akzeptieren oder das rechte Bein zu verlieren:

"Natürlich gab es am Anfang einige Bedenken, weil es keine Garantie gab, dass mein Körper das Material verträgt, dass es nicht abgestoßen wird", sagt Daniel Bardega.

Sein Oberschenkelknochen wurde bei dem Unfall zertrümmert. Dr. Adam Nogalski verwendete das Knochenersatzmaterial FlexiOss zusammen mit einer Metallplatte, um sieben Zentimeter des Knochens wieder aufzubauen:

"Die Hohlräume im Knochen waren das Hauptproblem", meint Dr. Adam Nogalski, Lehrstuhl der Abteilung für Unfallchirurgie, Medizinische Universität Lublin. "Das lösten wir durch die Implantation des neuen Materials. Es tritt in kleinen Segmenten an die Stelle des Knochens, wie man an diesem Röntgenbild sehen kann. Diese Aufnahme wurde acht Jahre nach der Operation aufgenommen. Das Ergebnis der Behandlung ist gut. Der Patient kann sich ohne Krücken bewegen."

Innovativer künstlicher Knochen

Die FlexiOss-Technologie wurde unter anderem von der Biochemikerin Anna Belcarz entwickelt. Andere Knochenersatzmaterialien werden in Pulverform angeboten. Sie sind schwierig zu handhaben. FlexiOss lässt sich im trockenen Zustand schneiden und formen, weicht man es ein, kann man es biegen. Statt aus Tierknochen besteht es aus künstlichem Material. Das verringert das Risiko der Abstoßung. Es bleibt im Körper, Knochenzellen wachsen in und um das Material herum:

"Das ist FlexiOss, es sieht aus wie Bimsstein. Es ist ein Material, das den Knochen ersetzt", erklärt Dr. habil. Anna Belcarz, Medizinische Universität Lublin, Abteilung für Biochemie und Biotechnologie. "Wenn man es mit einer Lösung anfeuchtet, bekommt es eine gewisse Elastizität und kann vom Chirurgen während der Operation geformt werden."

Das FlexiOss-Projekt bekam einen EU-Zuschuss in Höhe von einer Million Euro, darunter Mittel aus der Kohäsionspolitik. Es wurde vielfach ausgezeichnet und hält drei Patente. Bisher haben 41 Menschen bei sogenannten experimentellen Operationen FlexiOss-Implantate erhalten.

Einer von ihnen ist Jan Filus. Seinen zerschmetterten Oberschenkelknochen konnten fünf Operationen nicht heilen. Ihm wurde gerade FlexiOss implantiert, in der Hoffnung das Knochenwachstum anzuregen.

"Nur Patienten, deren bisherige Behandlungsmethoden nicht den erwarteten Effekt brachten, - d.h. keinen Knochenwachstum zeigten, bekommen ein FlexiOss-Implantat", erklärt Dr. Adam Nogalski. "Es ist die letzte Chance für diese Patienten."

Demnächst soll FlexiOss das CE-Zertifikat erhalten. Das ist die Voraussetzung, um das Produkt auf den europäischen Markt zu bringen.