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Rentenstreit in Frankreich: Noch keine Lösung in Sicht

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Rentenstreit in Frankreich: Noch keine Lösung in Sicht
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Eine Sache hat sich für Laurent Aubeleau seit Beginn der Streiks in Frankreich nicht geändert: Der 48-jährige Bahnmitarbeiter ist es gewohnt, früh morgens aufzustehen. Es ist sechs Uhr und die Streikenden in Lyon arbeiten hart daran, die Pendler zu überzeugen, sie zu unterstützen.

"Wir bauen wie immer unseren Streikposten am Bahnhof auf, das machen wir seit dem 5. Dezember jeden Tag", so Aubeleau.

Viele Kritikpunkte

Die Streikenden sind mit der geplanten Rentenreform der französischen Regierung in Gänze unzufrieden: Im Zuge des angedachten Punktesystems und der neuen Berechnungsmethode für die Renten, würde die gesamte Laufbahn als Basis genommen, anstatt wie bisher das Gehalt der letzten sechs Monate. Sie befürchten, ihre Rente könnte dann niedriger ausfallen.

Daneben stört sie das, was die Regierung "Gleichgewichtsalter" nennt. Demnach sollen die Franzosen bis 64 Jahre arbeiten, um volle Rentenbezüge zu erhalten.

Im Jahr 2018 sind die Lokführer des französischen Bahnkonzerns SNCF im Schnitt mit 53 Jahren in den Ruhestand gegangen - alle anderen SNCF-Mitarbeiter durchschnittlich mit 58 Jahren.

"Was wir wollen, ist die vollständige Rücknahme des Reformprojekts und die Regierung weiß das", sagt Aubeleau. "Sie kann über die Wut im Land nicht einfach so hinweggehen."

Beanstandungen auch innerhalb der Regierungspartei

Euronews-Reporter Guillaume Petit fasst die Ereignisse zusammen:

"Eine vollständige Rücknahme ist sehr weit von dem entfernt, was der französische Präsident Emmanuel Macron will. Er sagte, er sei entschlossen, die Reform durchzuführen, und forderte gleichzeitig einen 'schnellen Kompromiss'. Die Gewerkschaften, auch die gemässigten, lehnen das 'Gleichgewichtsalter' ab. Es ist ein Vorhaben, das laut Umfragen auch die Mehrheit der Franzosen missbilligt, und es stößt sogar auf Kritik bei Mitgliedern der Regierungspartei."

Doch es gibt nicht nur Beanstandungen seitens dieser Mitglieder - eine Gruppe 20 Abgeordneter wurde jetzt aktiv und brachte Alternativvorschläge ein.

Weiterer Massenprotest in Paris geplant

"Wir brauchen ein personalisiertes 'Gleichgewichtsalter', nicht dasselbe für alle", meint Hubert Julien-Laferrière von der Regierungspartei "La République en Marche". "Ein 'Gleichgewichtsalter', das sich vor dem Hintergrund der verschiedenen Werdegänge und der Härte des Jobs anpassen lässt. Denn heute können wir einen Unterschied in der Lebenserwartung beobachten - je nach Beruf. Die Lebenserwartung der Über-60-Jährigen kann, sich je nach Belastung, um bis zu zehn Jahre verkürzen."

Die Regierung scheint bereit zu sein, Zugeständnisse bei der Beschäftigungsquote älterer Menschen und den härtesten Berufen zu machen. Für Donnerstag ist ein weiterer Massenprotest in Paris geplant. Am Freitag soll es ein erneutes Treffen zwischen der Regierung und den Gewerkschaften geben.