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"Wer nicht Corona bekommt, fällt wegen Ermüdung aus": Spaniens Gesundheitssystem am Limit

"Wer nicht Corona bekommt, fällt wegen Ermüdung aus": Spaniens Gesundheitssystem am Limit
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Spaniens Gesundheitssystem stößt an seine Grenzen: In den Krankenhäusern werden die Schutzmittel knapp, in den Notaufnahmen fehlen Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, um die vielen Menschen zu versorgen. Besonders betroffen ist die Region um die Hauptstadt Madrid. Mehr als 1.000 Infektionen wurden hier erfasst.

Gewerkschaften schlagen Alarm: "Unsere Schichten tagsüber dauern 7 Stunden, nachts 10. Wir arbeiten bis zu fünf Tage ohne Unterbrechung. Dieses Arbeitspensum in Schutzausrüstung mit Brillen und Masken ist anstrengend", warnt Jesus Garcia Ramos von der Gewerkschaft Satse. "Für die Angehörigen derer, die in Gesundheitsberufen arbeiten, ist es unerträglich. Wer sich nicht mit dem Coronavirus ansteckt, wird irgendwann wegen Erschöpfung ausfallen."

Wer sich nicht mit dem Coronavirus ansteckt, wird irgendwann wegen Erschöpfung ausfallen.
Jesus Garcia Ramos
Gewerkschaft der Pflegekräfte SATSE

Gesundheitsbehörden erwarten eine Anstieg der Fallzahlen an diesem Wochenende und einen Höhepunkt der Infektion in den nächsten drei Wochen. Eine Coronavirus-Hotline hat über 20.000 Anrufe erhalten. Doch viele Menschen kommen entgegen der Empfehlungen in die Notaufnahme.

Im Krankenhaus La Paz kommen drei Mal so viele Menschen, wie sonst. Ein Problem für den Ablauf auf der Station, die eigentlich auf schnelle Hilfe ausgelegt ist. Die Ärztin Esther Ramos erklärt: "Wenn Notaufnahmen überlastet sind, können wir uns nicht auf diejenigen konzentrieren, die unsere Aufmerksamkeit brauchen. Es muss nicht einmal eine Coronavirus-bezogene Infektion sein. Wenn ein Patient mit einem Schlaganfall in die Notaufnahme kommt und es dreimal so viele Menschen gibt, ist es schwierig, ein System zu etablieren, um Prioritäten zu setzen.

Es ist schwierig, ein System zu etablieren, um Prioritäten zu setzen.
Dr. Esther Ramos
La Paz Krankenhaus, Madrid

Madrid hat versprochen, die Gesundheitsdienste zu stärken, eine ausreichende Anzahl von Betten zu gewährleisten und Schutzausrüstung wie Masken und Handschuhe bereitzustellen. Doch die Ärzte drängen die Öffentlichkeit, nur dann ins Krankenhaus zu kommen, wenn es absolut notwendig ist.

Arturo Moya hat sich bei Freunden aus Italien erkundigt, welche Schutzmaßnahmen sie beachten und folgt ihrem Beispiel. Sein regulärer Termin im Krankenhaus wurde abgesagt: "Ich habe eigentlich einen Termin aber dort hängt ein Schild, nachdem nur Notfälle und Krebspatienten behandelt werden. Dazu zähle ich nicht, also gehe ich nach Hause".