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Vom Büro ins Feriendomizil - "viele Spanier zu sorglos angesichts Coronavirus"

Vom Büro ins Feriendomizil - "viele Spanier zu sorglos angesichts Coronavirus"
Copyright  PAU BARRENA/AFP
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Es ist ein Szenario, das sie von ihren Freunden und Angehörigen kennen. Die meisten chinesischen Einwanderer in Spanien sind bestens informiert, welche verheerenden Folgen das Coronavirus in ihrer Heimat hatte.

"Unzureichende Maßnahmen"

China musste Teile des Landes komplett isolieren, die Menschen durften ihre Häuser nicht mehr verlassen. Daher stufen viele Chinesen die Maßnahmen der spanischen Regierung als unzureichend ein: wie die Schließung der Schulen und das Aussetzen der Flüge nach Italien.

Wenn man es in einem Satz zusammenfassen muss, hat es Dawei Ding, Vizevorsitzender der chinesischen Gemeinde in Spanien, auf den Punkt gebracht: "Besser spät als nie".

Viele Chinesen in Spanien glauben, dass sowohl ihre neue Heimat als auch Europa nur langsam auf die durch das Coronavirus verursachte Krise reagieren. "Es ist unmöglich, ausreichende Maßnahmen zu ergreifen, die die Ausbreitung des Coronavirus im Keim ersticken, wie es in China geschehen ist, weil es sich um unterschiedliche Kulturen und unterschiedliche Situationen handelt. Es ist undenkbar, dass die Menschen hier dasselbe tun würden, was die Chinesen getan haben".

Wissensvorsprung

Schockierend für viele Chinesen ist die Sorglosigkeit der Menschen: es werden kaum Masken und Handschuhe auf den Straßen und in der Madrider U-Bahn getragen. In China hingegen wurde die gesamte Provinz Hubei abgeriegelt, um Neuinfektionen zu vermeiden.

Die Bilder von leeren Supermärkten, die wir aus China kennen, sind wie ein Déjà-vu auf europäischem Boden. "Es gab dort eine strenge Quarantäne. Man brauchte eine Genehmigung, um die Gebäude zu betreten und zu verlassen, so dass das Coronavirus in zwei Monaten unter Kontrolle war.”

Wir stehen in Kontakt mit unseren Freunden und unserer Familie in China, so dass wir viel besser über das Coronavirus Bescheid wissen.
Dawei Ding
Stellvertr. Vorsitzender der chinesischen Gemeinde in Spanien

In den Augen von Dawei Ding sind die Reaktionen der chinesischen Gemeinde in einem Wissensvorsprung begründet: "Seit Beginn des Coronavirus haben wir die Entwicklungen genau verfolgt. Wir stehen in Kontakt mit unseren Freunden und unserer Familie in China, so dass wir viel besser über das Coronavirus Bescheid wissen als die Menschen in anderen Ländern.”

Strenge Quarantäne

Das Hauptproblem sieht er in der spanischen Mentalität begründet. "Es ist undenkbar, dass die Menschen hier ihrer Regierung so gehorchen werden, wie es die Chinesen getan haben, die zwei Monate zu Hause geblieben sind.”

Er erklärt, dass die Menschen in China nicht mehr vor die Tür gegangen sind, als die Schulen geschlossen wurden - das sei aber in Spanien nicht geschehen. "Die Leute sind in den Parks und haben Spaß, als wäre es eine Party. Jedes Land muss seine eigene Formel finden, die mit seiner Kultur und seinen Menschen im Einklang steht".

Vom Büro ins Feriendomizil

Die Schließung von Schulen und die verstärkte Arbeit von zu Hause haben in Spanien zu einer Abwanderung in Ferienorte geführt. An der Mittelmeerküste, sowohl in Murcia als auch in Valencia, ließen sich Menschen aus Madrid nieder - Gebiete, in denen die Krankenhäuser weniger überlastet sind.

Mit schweren Folgen. Die sechs neuen Coronavirus-Fälle, die am Donnerstag in Valencia entdeckt wurden, stammen von Menschen, die aus Madrid kommen. Damit steigt die Zahl der Infizierten in der Region auf 98.

In der Provinz Madrid hat die Kommunalverwaltung inzwischen nach dem Beispiel Chinas und Italiens die Schließung aller Einrichtungen, mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften und Apotheken, verfügt.

"Ich denke, es wird sehr schwierig sein, alle Maßnahmen zu kontrollieren, wie es in China geschehen ist. Wir fordern auch nicht die gleichen Maßnahmen, denn das wäre in Spanien nicht durchführbar. Was in China funktioniert hat, funktioniert vielleicht nicht in Spanien", sagte der Vizevorsitzende der chinesischen Gemeinschaft.