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"Ganz andere Wucht": Warnung vor zweiter Corona-Welle in Deutschland

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Der Berliner Virologe Christian Drosten Ende März 2020.
Der Berliner Virologe Christian Drosten Ende März 2020.   -   Copyright  Michael Kappeler/AFP
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In ihrer Regierungserklärung zur Corona-Krise hat Angela Merkel erneut klargestellt: „Wir leben nicht in der Endphase der Pandemie, sondern immer noch an ihrem Anfang." Bei ihren Lockerungen der Einschränkungen seien die Bundesländer "teils zu forsch", so die Kritik der deutschen Kanzlerin.

"Demokratische Zumutung"

Welche Länder sie meinte, sagte Merkel nicht. Die Regierungschefin bereitete die Bürgerinnen und Bürger auf noch lang anhaltende Beschränkungen wegen der Pandemie vor und rief sie zum Durchhalten auf.

Ihr sei klar, dass die "Pandemie eine demokratische Zumutung" sei. Doch mit Konzentration und Ausdauer könne man jetzt vermeiden, von einem Shutdown zum nächsten zu wechseln.

Ganz besonders belaste sie, wie die Menschen in Pflege- oder Altenheimen weitgehend isoliert leben müssten, wo Einsamkeit ohnehin ständig zugegen sei. Es sei "grausam", wenn außer der Pflegekraft niemand da sein könne. "Vergessen wir nie diese Menschen."

Gerade die 80- bis 90-Jährigen hätten den Wohlstand des Landes begründet und aufgebaut. Besonders für sie gelte es jetzt solidarisch zu sein und sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten.

Zweite Welle mit großer Wucht

Nicht nur Merkel warnt vor zu schnellen und weitgehenden Lockerungen des Corona-Shutdowns, sondern auch der Berliner Virologe Christian Drosten. Überhastetes Handeln sei gefährlich und könnte das bereits Erreichte zunichte machen, sagte er in seinem NDR-Podcast.

Laut Drosten bewegt sich Deutschland auf dünnem Eis. Mit einer zweiten Welle müsse gerechnet werden und die treffe das Land dann mit einer "ganz anderen Wucht". Denn die erste wurde von wenigen einzelnen Rückkehrern aus dem Ausland ausgelöst und verlief damit zumindest anfangs einigermaßen kontrolliert.

Bei einem zweiten Corona-Schub wäre das nicht der Fall. Das Virus hat sich inzwischen auf ganz Deutschland verteilt. Die Folge: Ein zweite Welle wäre viel heftiger, schwerer kontrollierbar und wohl auch tödlicher. Denn sie würde laut Drosten viel mehr alte Menschen treffen.

Die Vergangenheit zeigt: Das alles ist nicht nur ferne Theorie. Denn Ähnliches ließ sich bei der Spanischen Grippe zum Ende des Ersten Weltkriegs beobachten. Auch sie trat erst im Frühjahr und mit großen regionalen Unterschieden auf. Nach einer Atempause im Sommer folgte eine zweite Welle im Winter, die viel weitflächiger war und viel mehr Todesopfer forderte.