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Bisher größtes Ozonloch über der Arktis schließt sich

Bisher größtes Ozonloch über der Arktis schließt sich
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Das größte jemals beobachtete Loch in der Ozonschicht über der Arktis hat sich geschlossen. Das teilte der "Copernicus Atmosphere Monitoring Service", der zuständige Dienst des europäischen Zentrums für die mittelfristige Wettervorhersage, mit.

Sind wir auf dem richtigen Weg?

Wissenschaftler entdeckten Ende März Hinweise für die Bildung eines großen Ozonlochs, das vermutlich auf die niedrigen Temperaturen am Nordpol zurückzuführen ist.

Die Ozonschicht schirmt die Erde vor dem größten Teil der ultravioletten Strahlung der Sonne ab, die eine Hauptursache für Hautkrebs ist.

Das enorme Loch hätte für den Menschen nur dann eine Bedrohung dargestellt, wenn es weiter nach Süden über besiedelte Gebiete gezogen wäre.

Doch an diesem Donnerstag gab das Atmosphärenüberwachungsprogramm der EU bekannt, dass sich das Loch nun geschlossen habe.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler wird es sich in dieser Saison nicht erneut bilden, obwohl sich der Polarwirbel in den nächsten Tagen voraussichtlich verstärken wird.

Die Schließung eines Ozonlochs dieser noch nie dagewesenen Größe ist jedoch kein Grund zum Aufatmen, wie man nun meinen könnte. Sein Verschwinden ist nämlich nicht auf weniger Luftbelastung zurückzuführen, wie man auf den ersten Blick meinen könnte - als eine mögliche Folge der Maßnahmen gegen die weltweite Virus-Epidemie.

Warum schließt sich das Loch?

Möglich wurde dies zum einen durch die Abschwächung des Polarwirbels, der sich geteilt hat. Zum anderen durch eine "Hitzewelle", die die Arktis in dieser Woche erlebt hat, mit Temperaturen, die bis zu 20º C höher sind als für diese Jahreszeit üblich.

Warum hat sich über der Arktis ein Ozonloch gebildet?

In diesem Jahr ist der Polarwirbel extrem stark - ein großräumiges Höhentief, das die Luft um die Arktis herum kühl hält. Darüber hinaus waren die Temperaturen innerhalb dieses Polarwirbels extrem kalt. Dadurch entstehen stratosphärische Wolken, die Ozon zerstören, indem sie mit FCKW-Gasen, die mittlerweile durch das Montreal-Protokoll verboten sind, und anderen Chemikalien reagieren.

In den letzten Tagen ist der Polarwirbel abgeschwächt. Doch nicht für lange, denn der zuständige Dienst des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage prognostiziert, dass er sich wieder bilden wird, ohne diesmal jedoch die Ozonwerte so stark zu beeinflussen.

"Es ist sehr ungewöhnlich, dass die Ozonschicht auf der Nordhalbkugel so stark zurückgeht, aber der diesjährige Polarwirbel war außergewöhnlich stark und anhaltend, und die Temperaturen waren niedrig genug, dass sich über mehrere Monate hinweg Stratosphärenwolken bilden konnten", sagt Antje Inness.

Warum ein seltenes Phänomen?

Das Ozonloch, das wir alle kennen, entsteht während des Frühlings am Südpol, wo die Stratosphäre von Natur aus viel kälter ist. Normalerweise sind die Bedingungen am Nordpol anders, sodass es weniger wahrscheinlich ist, dass die Ozonschicht dort solchen Schaden nimmt.

Das Loch in der Ozonschicht der nördlichen Hemisphäre im Jahr 2020 ist definitiv ein seltenes Phänomen.
Antje Inness
Wissenschaftlerin, Kopernikus

In diesem Jahr hat der starke und anhaltende Polarwirbel die Konzentration von mehr ozonschädigenden Chemikalien als üblich verursacht, was zusätzlich zu der extremen Kälte die Bedingungen für dieses beispiellose Loch geschaffen hat.

Das erste Mal wurde ein Ozonloch am Nordpol im Jahr 2011 beobachtet, aber es war kleiner und entstand im Januar.

Eine Folge des Klimawandels?

Es ist noch zu früh, um dieses Phänomen dem Klimawandel zuzuschreiben oder die Folgen abzuschätzen. "Wir wissen im Moment nicht, warum die Dynamik in diesem Winter so ungewöhnlich war. Ich bin sicher, dass viele Wissenschaftler Studien durchführen werden, um die Gründe herauszufinden", erklärt Antje Inness.

Die direkte Folge ist eine erhöhte UV-Belastung in den Gebieten, durch die dieses Ozonloch gezogen ist: in Alaska, Kanada, Grönland und Teilen Russlands.

Wissenschaftler der Universität von Santiago de Chile erklären euronews, dass der außergewöhnliche Polarwirbel ebenfalls durch das Ozonloch verstärkt wurde, was auch ausschlaggebend dafür war, dass Europa den wärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen hatte.

Darüber hinaus sind sie der Meinung, dass "das, was passiert ist, keine Auswirkungen auf den Sommer der nördlichen Hemisphäre haben sollte. Es erlaubt uns auch nicht, Prognosen über den Sommer zu treffen".

Das antarktische Ozonloch

Das antarktische Ozonloch war seit der Entdeckung dieser durch FCKW-Gase verursachten atmosphärischen Störung im Jahr 1985 noch nie so klein wie im Sommer 2019.

Das ist zum einen auf das Verbot dieser Gase durch das Montreal-Protokoll im Jahr 1987 zurückzuführen, das laut einer neueren Studie eine Verringerung des arktischen Ozonlochs und sogar die allmähliche Wiederherstellung der atmosphärischen Strömungen auf der Südhalbkugel ermöglicht.

Zum anderen ist die Verringerung des Ozonlochs im letzten Jahr auch auf eine extreme Episode der stratosphärischen Erwärmung zurückzuführen.

Die Ozonschicht schützt das Leben auf der Erde vor den von der Sonne ausgestrahlten UV-Strahlen, die beim Menschen zu Hautkrebs führen können.