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Belgien: Lage in Gefängnissen wird explosiv

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Belgien: Lage in Gefängnissen wird explosiv
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Zu den Menschen, die in der Pandemie oft vergessen werden, gehören Insassen von Gefängnissen.

Ihre ohnehin prekäre Situation ist nun explosiv geworden.

Wir haben zwei Aussagen von einsitzenden Straftätern in Belgien bekommen - beide wollten anonym bleiben.

Sie kritisieren vor allem hygienische Zustände - in einigen Fällen fehlte sogar Seife zum Hände waschen.

Seit dem 23. wasche er seine Hände nur mit Wasser, auch seine Zelle nur mit Wasser.

Er habe den Dreck des vorherigen Häftlings weggemacht. Was solle man sagen? Die Situation sei sehr schlecht, so der erste Häftling.

Sozialen Abstand zu halten, ist in überfüllten Gefängnissen schwer.

Zwischen Häftlingen sei das unmöglich. Alle hätten zur gleichen Zeit Ausgang im Freien, selbst beim Duschen sei man nicht allein, sagt ein zweiter Häftling. Zwei Monate lang sei nichts getan worden, außer der Streichung von Besuchen. Das habe alles keinen Sinn.

Derzeit gibt es in belgischen Gefängnissen 15 bestätigte Coronavirus-Fälle.

Doch restlose Gewissheit gibt es nicht.

Viele Insassen sagten nicht, wenn sie krank würden, so ein Gefängniswärter.

Sie befürchteten, in die Isolation verlegt zu werden.

Organisation, die mit Häftlingen arbeiten, befürchten das Schlimmste.

Das Risiko sei angesichts der Überbelegung groß. Das Personal könne sich an den Häftlingen anstecken und umgekehrt. Es sei gefährlich, Celine Lefevre von der Organisation Genepi.

Zu Beginn der Krise gab es Ausbrüche von Gewalt, weil die Besuche und kleine Nebenjobs gestrichen wurden.

Um den Druck zu reduzieren, entließ die Regierung etwa tausend Insassen, die ihrer Ansicht nach nicht länger eine Gefahr für die Gesellschaft darstellten

Seit langem habe man sich über die Überbelegung beschwert, sagt der Abgeordnete Gilles Vanden Burre. Dazu habe es keine Pandemie gebraucht.

Die Gefängnisbevölkerung müsse verringert werden.

Viele Häftlinge und ihre Familien fühlen sich allein gelassen. Sie hoffen auf ein Versprechen der Regierung, Videokonferenzen zu organisieren.