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Der Klimawandel zwingt Bauern, ihre Arbeitsweise zu ändern

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Der Klimawandel zwingt Bauern, ihre Arbeitsweise zu ändern
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Aktuelle Zahlen für Mai vom Copernicus Climate Change Service sowie eine Reportage aus der Ardèche: In vielen Teilen Europas sind Bauern dieses Jahr bereits mit Dürreperioden konfrontiert. Wie passen sie sich daran an? Wie verändern sich die Methoden, Vieh zu halten und zu ernten? Das sind die Themen dieser Folge von Climate Now.

"Wir arbeiten nicht mehr auf die gleiche Weise. Es ist für uns beunruhigend genug, dass unsere Tiere auf den Wiesen kein Wasser mehr finden."
Aurélien Mourier
Bauer

Fakten & Zahlen

Laut aktuellen Klimadaten vom Copernicus Climate Change Service war - weltweit gesehen - das der wärmste Monat Mai seit Beginn der Aufzeichnungen mit Temperaturen, die 0,6 Grad Celsisus über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 lagen.

Temperatur-Anomalie Mai 2020, Referenzperiode 1981-2010

Das ist die Zahl, die Schlagzeilen macht, aber geht man ins Detail, sieht man, dass es große Unterschiede gab: Der blaue Bereich bedeutet, dass die Temperaturen von Skandinavien bis hinunter zum Schwarzen Meer aufgrund einer anhaltenden Strömung kühlerer Luft aus dem Nordwesten kälter als der Durchschnitt waren. Einer der anderen großen Trends der vergangenen Monate sind wärmere Temperaturen in Sibirien, sie waren im vergangenen Monat bis zu 10 Grad wärmer. Hier drüben in Australien, in Teilen von Brasilien und Kanada war es kühler als im Durchschnitt. Und überall sonst, wo die Karte Rot ist, war es im vergangenen Monat wärmer als im Durchschnitt.

Anomalien der Bodenfeuchtigkeit und der Niederschläge

Einen weiteren Trend hat man im Frühjahr festgestellt: In weiten Teilen Europas ist es trockener als im Durchschnitt gewesen. Diese beiden Karten zeigen die Anomalien der Bodenfeuchtigkeit und der Niederschläge. Das große rote Band zeigt, dass die oberste Bodenschicht trockener ist als der Durchschnitt, und auch die Niederschlagsmenge ist geringer als der Durchschnitt.

Wie passen sich Bauern an den Klimawandel an?

Und das führt uns zur heutigen Reportage zum Thema Landwirtschaft: Wie kommen Bauern in Europa mit dem Klimawandel zurecht? Sie müssen mit steigenden Temperaturen und einem erhöhten Risiko einer anhaltenden Dürre umgehen. Können sie sich anpassen, oder kommt der Wandel einfach zu schnell? Euronrews-Reporter Jeremy Wilks recherchierte auf einem Bauernhof in der französischen Region Ardeche.

Aurélien Mourier bewirtschaftet den 80 Hektar großen Hof - die "Ferme de l'Amelie" - seit 15 Jahren, seine Familie lebt seit 1880 dort. Der Bauer ist besorgt über einen Haupttrend des Klimawandels - häufigere und längere Dürreperioden:

"Die größte Veränderung in den vergangenen Jahrzehnten sind die wiederholten Dürren. In den vergangenen drei Jahren gab es drei schwere Dürreperioden. Dieses Jahr begann mit einer Frühjahrsdürre, sie führte zu einem enormen Rückgang der Futterproduktion."

Früher produzierte der Bauernhof genug Futter für die Selbstversorgung, aber jetzt muss der Bauer ab dem späten Frühjahr Futter zukaufen. Beim Wasser ist es dasselbe:

"Auf diesem Feld gab es eine Quelle und einen Bach: Heute fließt der Bach kaum noch das ganze Jahr, die Quelle ist ausgetrocknet. Also müssen wir die Kühe mit dieser Zisterne versorgen", erzählt der Bauer.

Anpassung reicht nicht aus, es bracht Systemveränderungen

Wasserknappheit, steigende Temperaturen und zunehmende Unwägbarkeiten sind Probleme, mit denen viele Landwirte heute kämpfen. Unter diesen Bedingungen müssen sie Nahrungsmittel produzieren und ihre eigenen Treibhausgasemissionen reduzieren. Laut dem Wissenschaftler Patrick Bertuzzi reichen die Anpassungsversuche wahrscheinlich nicht aus:

"Schaut man sich die gegenwärtigen Veränderungen in der Praxis weltweit an, sind das taktische Anpassungen, d.h. man versucht, Praktiken zu modifizieren, ohne die Agrarsysteme zu verändern", meint der Leiter von Agro-Clim, INRAE. Seiner Ansicht nach gehen die Veränderungen nicht weit genug, eine grundlegende Reform sei nötig:

"Abhängig von der Entwicklung des Klimawandels - und vor allem, wenn wir an 'business as usual'-Szenarien festhalten, d.h. nichts tun, um Emissionen zu begrenzen - werden wir im Zeitrahmen 2070 bis 2100 vollständige Systemveränderungen, einschließlich Landschaftsveränderungen, erleben."

Auf seinem Bauernhof tut Aurélien Mourier, was er kann: Er reduziert seine Kuhherde, weil sie so viel Wasser braucht. Und er pflanzt Weinreben, um seine Produktion zu diversifizieren und dürreresistenter zu machen, aber der Bauer weiß:

"Wir müssen uns auf enorme Veränderungen einstellen. Wir sehen es jeden Tag, die Jahreszeiten sind nicht mehr die gleichen, Niederschläge- und Hitzeperioden folgen keinem Muster mehr, dass wir gezwungen sind, unsere Arbeitsweise grundlegend zu ändern."