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Intelligente Stadtplanung passt sich an den Klimawandel an

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Intelligente Stadtplanung passt sich an den Klimawandel an
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Neben den aktuellen Klimadaten geht es in dieser Climate Now-Folge darum, wie intelligente Stadtplanung dem Klimawandel begegnet: In Frankfurt am Main nutzen die Stadtplaner verschiedene Techniken, um die Stadt im Sommer kühl zu halten, von der Begrünung der Dächer bis zum Bau riesiger Lüftungskorridore - für mehr Lebensqualität für alle.

"Wenn wir nun die Dächer der Häuser nehmen und diese ebenfalls begrünen, gewinnen wir enorm an Grünfläche und an Abkühlung für die Stadt."
Lara-Maria Mohr
Projektmanagerin "Frankfurt frischt auf"

Das Projekt "Frankfurt frischt auf - 50 % Klimabonus" gewann in der Kategorie "Klimaanpassung in der Kommune" beim Wettbewerb "Klimaaktive Kommune 2019".

Aktuelle Zahlen & Fakten zum Klimawandel

Jeremy Wilks

Doch zuerst die neuesten Daten des Copernicus Climate Change Service. Weltweit war der Juni 2020 der wärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen - mit Temperaturen, die 0,5 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010 lagen.

Copernicus Climate Change Service implementiert vom ECMWF
Karte der Anomalien der OberflächentemperaturCopernicus Climate Change Service implementiert vom ECMWF

Auf dieser Karte, die die Anomalien der Oberflächenlufttemperatur zeigt, sieht man, dass es in Teilen Afrikas und in vielen Teilen Amerikas überdurchschnittlich warm war. In Südeuropa war es kühler als im Durchschnitt, und im vergangenen Monat war es in Skandinavien und Mitteleuropa wärmer.

Wilks, Jeremy/
Ausreißer Sibirien - Copernicus Climate Change Service-Daten implementiert vom ECMWFWilks, Jeremy/

Aber der große Ausreißer war Sibirien: Dort war es im bisherigen Jahresverlauf viel wärmer als im Durchschnitt. In dieser riesigen Region kann man sehen, dass einige Gebiete im vergangenen Monat kühler waren, aber das arktische Sibirien litt im Juni unter einer anhaltenden Hitzewelle, in der arktischen Stadt Werchowjansk wurden 38 Grad Celsius gemessen.

Dafür sind viele Faktoren verantwortlich. Martin Stendel vom Dänischen Meteorologischen Institut sagt:

"Bereits der Frühling war wärmer als normal, und wir haben jetzt schon seit mehreren Wochen hintereinander ein blockierendes Hochdrucksystem im Gebiet von Nordsibirien, und im Juni und Juli haben wir natürlich Mitternachtssonne, sodass die Sonne unter diesem Hochdruck mehr oder weniger rund um die Uhr scheinen kann. Das alles hat zu sehr hohen Temperaturen geführt."

Wie passen sich europäische Städte an steigende Temperaturen an?

Um Hitzewellen geht es auch in unserer Reportage: Wir wollten wissen, wie sich europäische Städte an die steigenden globalen Temperaturen anpassen. Euronews-Reporter Denis Loctier fuhr nach Frankfurt am Main, eine der wärmsten Städte Deutschlands, um zu sehen, wie man dort der Hitze begegnet. Frankfurt war 2018 mit einer Durchschnittstemperatur von 12,9 Grad Celsius die wärmste Stadt in Deutschland. Andere deutsche Städte wie Köln, Stuttgart und Heidelberg verzeichneten jedoch in den vergangenen zehn Jahren höhere Durchschnittswerte.

Das folgende Satellitenbild zeigt Frankfurt und Umgebung, aufgenommen um 10.15 Uhr Ortszeit am 24. Juni 2020. Es zeigt die Oberflächentemperatur, die sich leicht von der Lufttemperatur unterscheidet. Die wärmeren Bereiche der Frankfurter Innenstadt und des Frankfurter Flughafens sind in Gelb und Rot deutlich sichtbar:

Quelle: ConstellR GmbH, ein Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Hochgeschwindigkeitsdynamik

Die Stadt passt sich mit verschiedenen Maßnahmen an den Klimawandel an: Sie schafft Grünflächen als "Lüftungskorridore": Bereiche, die bewusst von hohen Gebäuden ferngehalten werden, um kühlere Luft vom Land in die Innenstadt strömen zu lassen. Der Unterschied in der Lufttemperatur zwischen ländlichen Außenbezirken und der Innenstadt beträgt bis zu 10 Grad. Die Lüftungskorridore führen viel Luft: Die Luftleitbahn an der Nidda lässt in Sommernächten bis zu 40.000 m3 kalte Luft pro Sekunde in die Stadt strömen. Die Stadt hat es nötig: Im vergangenen Jahr vermeldete der Deutsche Wetterdienst mit 40,2 Grad Celsius einen neuen Hitzerekord für die Metropole.

"Wir müssen natürlich zunächst einmal die gesamte Stadt betrachten und die Kalt- und Frischluft Gebiete mit der Stadt verbinden, mit solchen Luftleitbahnen", erklärt Hans-Georg Dannert, Leiter Stadtklima/Klimawandel im Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main. "Dann soll es in der Stadt kleine grüne Inseln geben: Parkanlagen, Bäume, Alleen sowie ganz konkrete Maßnahmen: Wir wollen mit Trinkbrunnen, die wir in der Stadt aufstellen, freien Zugang zu Trinkwasser gewährleisten."

In Frankfurt gibt es immer mehr von diesen "grünen Inseln". Die Stadt hat ein preisgekröntes Förderprogramm aufgelegt: Sie unterstützt private Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie Unternehmen mit einem Bonus bei der Schaffung von neuem Grün. Pflanzen kühlen die Umgebung, da die Wasser-Verdunstung (Evapotranspiration) aus ihren Blättern der Luft Wärme entzieht.

"Gründächer haben zahlreiche positive Effekte", erklärt Lara-Maria Mohr, Projektmanagerin des Projekts "Frankfurt frischt auf - 50 % Klimabonus": "Sie schützen ein Gebäude, sie dämmen und sie kühlen es. Somit spart man auch Kosten. Lärm wird geschluckt, Feinstaub wird von den Pflanzen gefiltert und Starkregen-Effekte werden abgefedert dadurch, dass der Regen von dem Substrat aufgenommen werden kann. Außerdem gewinnt natürlich jeder Bewohner oder jede Nutzerin des Gebäudes einen neuen Lebensraum, genau so wie auch Insekten und Vögel."

Schwerpunkt Wasserwirtschaft

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wasserwirtschaft: Im Stadtzentrum gibt es immer mehr poröse Oberflächen, damit die Verdunstung die Straßen abkühlt. Außerhalb der Stadt werden Wasserwege angelegt, um Regenwasser zu sammeln. Es sind zwar nur kleine Veränderungen, aber die Durchschnittstemperatur steigt alle zehn Jahre, Frankfurt will gegensteuern:

"Wenn wir jetzt nichts unternehmen würden, dann sind die Folgen natürlich klar: Für Risikogruppen kann das ernsthafte Folgen haben, bis hin zum vorzeitigen Tod durch Hitze", sagt Maurice Wagner vom Umweltamt Frankfurt. "Aber auch Leute, die noch jung und fit sind und vielleicht nicht zu den Risikogruppen gehören: Auch die werden darunter leiden. Und allgemein gesehen werden Städte komplett an Lebensqualität verlieren, wenn man nicht handelt."