Eilmeldung
This content is not available in your region

Beirut: Wut auf die Regierung entlädt sich auf den Straßen

euronews_icons_loading
Beirut: Wut auf die Regierung entlädt sich auf den Straßen
Copyright  Hassan Ammar/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.
Schriftgrösse Aa Aa

Die von der mächtigen Explosion erschütterte Stadt Beirut kommt langsam zu sich. Die Menschen finden Zeit, die ersten Opfer zu beerdigen.

Derweil sind Rettungsteams aus der ganzen Welt im Land eingetroffen. Sie suchen in den Trümmern nach Überlebenden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der Toten auf 149, darunter ist auch eine deutsche Diplomatin. Tausende Menschen wurden verletzt, Hunderttausende verloren ihr Zuhause.

Macron verspricht Hilfe

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte bei einem Besuch in Beirut eine baldige internationale Hilfskonferenz an, um Medikamente und Nahrungsmittel finanzieren zu können.

Jetzt ist die Zeit, Verantwortung für den Libanon zu übernehmen. Wir müssen wieder Vertrauen und Hoffnung zurückgewinnen. Das gelingt nicht von heute auf morgen. Es ist jedoch notwendig, eine neue politische Ordnung zu schaffen.
Emmanuel Macron
französischer Präsident

Gewalt auf den Straßen

Das Vertrauen in die Führung des Landes schwindet beim libanesischen Volk immer mehr. In der Nacht zum Freitag machten regierungskritische Demonstranten ihrem Unmut Luft. Demonstranten hatten Werbetafeln, Bretter und Müllhaufen in Brand gesetzt, sie bewarfen die Polizei mit Steinen. Bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden nach Angaben der Agentur NNA mehrere Menschen verletzt.

Erste Verhaftungen

Zwei Tage nach dem Unglück wurden Medienberichten zufolge 16 Hafenmitarbeiter festgenommen. Zuvor waren bereits mehrere Verantwortliche des Hafens unter Hausarrest gestellt worden. Sie sollen in den vergangenen Jahren für die Lagerung und Bewachung der großen Mengen Ammoniumnitrat zuständig gewesen seien, die bei dem Vorfall möglicherweise explodierten.

Unter Verdacht steht dabei das unter moldauischer Flagge fahrende Frachtschiff "Rhosus", das 2013 große Mengen der gefährlichen Substanz in den Hafen gebracht haben soll. Der damalige Kapitän des Bootes, Boris Prokoschew, erklärte, dass die Behörden seit Jahren davon wussten.

Es wurden weder Hafengebühren noch Strafen gezahlt. Sie haben das Schiff dafür konfisziert. Ihnen war definitiv bewusst, dass es sich um gefährliche Fracht handelte.
Boris Prokoschew
ehemaliger Kapitän des Frachtschiffes "Rhosus"

In all dem Chaos ist eine ältere Frau zu einem Symbol der Hoffnung für Beirut geworden. Als die 79-jährige May Melki zurück in ihr beschädigtes Haus kam, setzte sie sich ans Klavier und begann zu spielen. Ihre Schwiegertochter hielt den Moment fest - dieser geht nun in den sozialen Netzwerken viral.