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"Diese Menschen wurden aufgegeben" - vom Flüchtlingsleid in Rom

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"Diese Menschen wurden aufgegeben" - vom Flüchtlingsleid in Rom
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Jeden Abend bei Sonnenuntergang am Bahnhof Tiburtina in Rom.

Dutzende Menschen warten schweigend auf eine Mahlzeit von Freiwilligen des Veriens Baobab.

Die Wartenden sind Migranten, die geradewegs aus ihren Einreisehäfen kommen - Kriegsflüchtlinge, aber auch Wirtschaftsmigranten.

Nach ihrer Ankunft in Rom leben sie zuerst einmal auf der Straße.

Da sie keine Unterkunft haben, verbringen sie Monate auf diesen Bürgersteigen.

Einer von ihnen ist Mustapha, ursprünglich aus Gambia.

Zuletzt hat er als Schneider in Libyen gearbeitet.

Als dort der Bürgerkrieg ausbrach, konnte er fliehen und erreichte auf dem Seeweg Italien.

Es gelang ihm, internationalen Schutz zu bekommen, doch oft war er seiner Abschiebung nahe.

Es sei ungerecht, jemanden abzuschieben, der so viele Opfer gebracht und sein Leben riskiert habe.

Warum kämen die Menschen mit dem Boot und nicht mit dem Flugzeug? Weil sie keine Freiheit hätten.

In Italien werden vier Fünftel aller Asylanträge abgewiesen.

Der Bearbeitungsprozess kann Jahre dauern.

Die Asylsuchenden werden in dieser Zeit zu Obdachlosen.

Die Aufnahmezentren wurden geschlossen. Der Verein Baobab bietet jedem seine Hilfe an.

Es sei unbegreiflich, dass im Jahr 2020 all diese Menschen auf der Straße schlafen müssten, so der Hilfskoordinator Andrea Costa.

Dazu komme noch die Coronavirus-Krise. Diese Menschen seien von den Institutionen schlicht aufgegeben worden.

Der vorliegende Vorschlag eines neuen EU-Migrationspakts sieht vor, Migranten innerhalb von drei Monaten schon an der Grenze zu überprüfen, ob sie Anspruch auf Aysl haben.

Die Entscheidung hängt im wesentlichen von ihrer Nationalität ab.

Das Risiko ist dabei die Entstehung neuer Lager.

Der Vorschlag weise nur ungenügende sichere und gesetzliche Wege auf, Schutz zu bekommen, so die Direktorin des Internationalen Rettungskommittees, Imogen Sudbery.

Es habe keinen Sinn, illegale Einwanderung zu verhindern und Menschen bei der Einreise stoppen zu wollen.

Stattdessen müsse die Situation gemanagt werden - im Interesse aller Beteiligten.

Migration bedeutet häufig Marginalisierung. Menschen, die in ärmlichen Bedigungen vor unserer Haustür leben.

Während Regierungen in Europa die Verantwortung von sich weisen, vegetieren die auf der Straße, die den Preis für die Spaltungen in der EU zahlen.

Journalist • Stefan Grobe