Eilmeldung
This content is not available in your region

Das Ozonloch ist wieder da: größer und tiefer als zuvor

Ausdehnung des Ozonlochs am 27.September 2020
Ausdehnung des Ozonlochs am 27.September 2020   -   Copyright  Coperncus Atmosphere Monitoring Service/euronews
Schriftgrösse Aa Aa

Zunächst sah es nach einer Erfolgsgeschichte aus. Seit einiger Zeit war das Ozonloch in der südlichen Hemisphäre auf seine kleinste jemals beobachtete Größe geschrumpft. Doch nun scheint sich dieser Trend wieder umzukehren. 2020 ist die Ozonkonzentration merklich zurückgegangen und: das Ozonloch ist wieder gewachsen. Das berichteten Wissenschaftler des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus.

In einigen Regionen ist die Ozonkonzentration praktisch gleich Null. Dazu beigetragen haben die Wetterbedingungen, mit einem sehr stabilen und kalten Polarwirbel.

"Das Ozonloch von 2020 gleicht dem Ozonloch von 2018. 2018 konnten wir ebenfalls ein ziemlich großes Loch beobachten. Es ist definitiv eines der größten der in den vergangenen fünfzehn Jahren beobachteten Ozonlöcher", erklärt Vincent-Henri Peuch, Leiter des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes.

"Mit der Rückkehr des Sonnenlichts zum Südpol in den letzten Wochen konnten wir einen kontinuierlichen Ozonabbau in diesem Gebiet beobachten. Nach dem ungewöhnlich kleinen und kurzzeitigen Ozonloch im Jahr 2019 - das durch besondere Wetterbedingungen verursacht wurde -haben wir in diesem Jahr wieder ein ziemlich großes Ozonloch. Das bestätigt, dass wir das Montrealer Protokoll zum Verbot von Chemikalien, die die Ozonschicht schädigen, weiterhin durchsetzen müssen", so Peuch.

Copernicus Atmosphere Monitoring Service
Oberfläche des Ozonlochs 2020 (gelb), die rote Linie zeigt die Vorhersage anCopernicus Atmosphere Monitoring Service

Die Ozonkonzentration in der Stratosphäre hat in diesem Monat historische Tiefstwerte erreicht.

Copernicus Atmosphere Monitoring Service
Ozon-Niveau 2020 (gelb) und Vorhersage (rot)Copernicus Atmosphere Monitoring Service

Schlechte Nachrichten für diejenigen, die im vergangenen Jahr glaubten, dass das Ozonloch bald Geschichte sei. In Wahrheit war es durch ein Extremereignis - der plötzlichen Stratosphärenerwärmung - wesentlich kleiner geworden. Viele feierten das als einen großen Erfolg des Montrealer Protokolls.

Doch die Ausdehnung des diesjährigen Lochs zeigt, dass die Realität wesentlich komplizierter ist.

Obwohl das Ozonloch einer erheblichen jährlichen Variabilität unterliegt, haben wir das Bild des Ozonlochs von 2020 mit dem von 2019 zu gleichen Zeitpunkten gegenübergestellt. Es ist zu erkennen, dass nicht nur die Oberfläche des Ozonlochs 2019 viel kleiner war, sondern auch die Konzentration des Ozons wesentlich höher (in der Grafik rot dargestellt).

Copernicus Atmosphere Monitoring Service
Ozonloch 2020 und 2019 im VergleichCopernicus Atmosphere Monitoring Service

Der Atmosphärenüberwachungsdienst des europäischen Copernicus-Netzes misst ständig die Ozonbedingungen in der Atmosphäre mit Satellitendaten, überprüft sie mit Messungen von Ballonsonden und kann so Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen treffen.

Wie entsteht das Loch in der Ozonschicht?

Das Ozonloch bildet sich jedes Jahr im Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Pole erreichen. Chemische Stoffe, deren Verwendung seit dem Montrealer Protokoll verboten sind, vor allem chlor- und bromhaltigen Chemikalien, reichern sich im Inneren des Polarwirbels an.

Mit den extremen Temperaturen des Polarwirbels (der stratosphärischen Strömung, die die kalte Luft an den Polen festhält) bilden sich stratosphärische Wolken, die ozonzerstörende chemische Reaktionen begünstigen.

Bis die ersten Sonnenstrahlen eintreffen, passiert mit den chemischen Verbindungen nicht viel. "Durch die Sonnenenergie werden chemisch aktive Chlor- und Bromatome in den Wirbel freigesetzt, die die Ozonmoleküle rasch zerstören und so das Loch entstehen lassen", heißt es in einer Erklärung von Copernicus.

Derartige Bedingungen treten häufiger in der südlichen Hemisphäre auf, aber in diesem Jahr gab es das größte und hartnäckigste Ozonloch über dem Nordpol.

Was sind die Folgen für das Leben auf der Erde?

Das Ozonloch bildet ein Schutzschild gegen ultraviolette Strahlung. Die Hauptfolge des Ozonlochs ist eine stärkere Exposition gegenüber dieser Strahlung, die vermehrt zu Hautkrebs und Augenproblemen führt. Besonders betroffen sind die Regionen der Erde, über denen die schützende Ozonschicht fehlt.

Zudem suggerieren neueste Forschungen auf einen Zusammenhang zwischen dem Ozonloch und den Meeres- und atmosphärischen Strömungen hin, die mittel- und langfristig das Klima beeinflussen.