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Was ist "Parler" und warum wird das soziale Netzwerk von Tech-Giganten blockiert?

Von Emma Beswick
Die Zahl der Nutzer von "Parler" schnellte während des US-Wahlkampfs von 4,5 Mio. auf 8 Mio. nach oben
Die Zahl der Nutzer von "Parler" schnellte während des US-Wahlkampfs von 4,5 Mio. auf 8 Mio. nach oben   -   Copyright  OLIVIER DOULIERY/AFP or licensors
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Als die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook die Schrauben gegen Donald Trump anzogen und Posts und Nutzerkonnten sperrten, die Fehlinformationen verbreiteten und zu Gewalt aufriefen, gingen Millionen Anhänger des noch US-Präsidenten zu "Parler".

Die von "freier Meinungsäußerung gesteuerte" App ist bei Nutzern beliebt, die auf Twitter blockiert sind - eine Situation, in der sich nun auch der US-Präsident selbst befindet.

Nachdem das Silicon Valley Trump online einen Maulkorb verpasst hat, indem es sein virtuelles Megaphon in Form seiner Twitter-, Facebook- und Instagram-Konten entfernte, hat sich nun auch Big Tech gegen Parler gestellt.

Was Sie über die Plattform wissen müssen und warum sie von den Top-App-Stores gesperrt wurde.

Was ist Parler?

Einer der Gründer John Matze, ein konservativer Programmierer aus Nevada und selbsternannter Libertärer, erklärte, er habe Parler 2018 gegründet, um eine Alternative zu den sozialen Netzwerken des Mainstreams anzubieten. Seine Plattform sei an der freien Meinungsäußerung orientiert.

Benutzer könnten "ohne Angst, für ihre Ansichten von der Plattform gebannt zu werden" posten, so das soziale Netzwerk. Es gelten zwei Regeln: zum einen dürfen keine kriminellen Aktivitäten und zum anderen darf kein Spam gepostet werden.

Mit diesen beiden Prinzipien schaffte es die Parler-App in den letzten Monaten des Jahres 2020 an die Spitze der Download-Listen in den App-Stores von Google und Apple.

Die Nutzerzahlen stiegen von 4,5 Millionen auf 8 Millionen inmitten der Vorwürfe des Wahlbetrugs aus dem Trump-Lager. Während Facebook und Twitter sich bemühten, politische Fehlinformationen zu unterbinden, verschmähten Konservative die traditionellen Plattformen. Die Aktivitäten auf Parler stiegen um das 20Fache.

Während Trump keinen Benutzer-Account hat, haben sich einige bekannte Konservative der Plattform angeschlossen, darunter Trumps Anwalt Rudy Giuliani, Sean Hannity, ein politischer Kommentator bei Fox News, und der Senator für Texas, Ted Cruz.

Parler erinnert in vielerlei Hinsicht an Twitter, mit "Echos", die zum erneuten Teilen von Beiträgen verwendet werden, analog zum Retweet, und gelben Medaillen für diejenigen, die "verifizierte Influencer" sind, so wie bei Twitter blaue Häkchen.

In einigen Fällen ist es vorgekommen, dass von Twitter gebannte Beiträge danach auf der Parler auftauchen.

Allerdings hat Parler hat weniger Kontrollen für FakeNews oder andere schädliche Inhalte als Twitter, das sich auf internationalen Druck hin bemüht, Fehlinformationen und Aufrufe zur Gewalt zu kennzeichnen und zu sperren.

In Posts vor dem Sturm auf das Kapitol durch Trump-Anhänger nahmen Nutzer Bezug auf Waffen und Gewalt, und einige Threads bezogen sich auf QAnon-Verschwörungstheorien.

Welche Unternehmen haben Parler verboten und warum?

Amazon teilte am Sonntag mit, dass es Parler von seinem Web-Hosting-Service wegen Verstößen gegen seine Richtlinien entfernt. Das legt die App so gut wie lahm. Der Schritt des Onlineversand-Riesen kam, nachdem sowohl Google als auch Apple die App aus ihren Online-Regalen genommen hatten, weil nicht angemessen auf Gewaltandrohungen reagiert wurde.

"Damit wir eine App über Google Play vertreiben können, verlangen wir, dass Apps eine robuste Moderation für ungeheuerliche Inhalte betreiben", sagte Google in einer Erklärung.

"Angesichts dieser anhaltenden und dringenden Bedrohung der öffentlichen Sicherheit suspendieren wir die App aus dem PlayStore, bis diese Probleme behoben sind."

App-Gründer Matze erklärt: "Wir werden nicht vor politisch motivierten Unternehmen und jenen Autoritären nachgeben, die freie Meinungsäußerung hassen!"

Als Grund für die Suspendierung von Parler aus dem eigenen App-Store nannte Apple "Inhalte, die das Wohlergehen anderer bedrohen oder zu Gewalt oder anderen gesetzeswidrigen Handlungen anstiften sollen."

Apple gab der Plattform eine Frist von 24 Stunden, um "alle anstößigen Inhalte aus Ihrer App zu entfernen... sowie alle Inhalte, die sich auf die Schädigung von Menschen oder Angriffe auf Regierungseinrichtungen jetzt oder zu einem zukünftigen Zeitpunkt beziehen."

Parler wurde außerdem aufgefordert, einen Plan vorzulegen, "um diese Inhalte zu moderieren und auszufiltern."

Matze griff Apple an und kommentierte, dass es Standards an seine Plattform anlege, die es selbst nicht erfülle.

"Anscheinend glaubt Apple, dass Parler für ALLE von Nutzern generierten Inhalte auf Parler verantwortlich ist, daher [sic] muss nach der gleichen Logik Apple für ALLE Handlungen verantwortlich sein, die von seinen Telefonen ausgeführt werden", sagte er.

Wie sieht die Zukunft von Parler aus, nachdem die großen Tech-Unternehmen ihm den Rücken gekehrt haben? Sein Gründer sagt, dass die Blockade durch Amazon bedeuten könnte, dass die App für bis zu einer Woche "nicht verfügbar" ist, während sie "von Grund auf" überarbeitet wird.