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Massenfestnahmen bei landesweiten Pro-Nawalny-Protesten: "Anfang vom Ende"

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Polizeieinheiten in schwerer Montur gingen teilweise gewaltsam gegen Demonstrierende in Moskau vor
Polizeieinheiten in schwerer Montur gingen teilweise gewaltsam gegen Demonstrierende in Moskau vor   -   Copyright  Alexander Zemlianichenko/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
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In Moskau und Dutzenden weiteren russischen Städten ist es am zweiten Sonntag hintereinander zu Massenprotesten für die Freilassung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny gekommen.

Die Menschen wandten sich gleichzeitig gegen Korruption, Justizwillkür und die autoritäre Amtsführung von Präsident Wladimir Putin.

Die Demonstrationen erstreckten sich wie bereits vor einer Woche vom Osten Russlands bis nach Moskau und Sankt Petersburg. Und erneut wurden zahlreiche Demonstrierende scheinbar willkürlich festgenommen.

Das russische Menschenrechtsportal OWD-info registrierte bereits Sonntagnachmittag (16:30 MEZ) landesweit über 4.000 Festnahmen, die meisten in Moskau (1.100) und Sankt Petersburg (860).

Nawalnys Ehefrau erneut abgeführt

In Moskau beobachteten Augenzeugen wie Alexej Nawalnys Ehefrau Julia Nawalnaja ohne ersichtlichen Grund abgeführt und zu einem Fahrzeug gebracht wurde.

Sie hatte bereits am vergangenen Sonntag mehrere Stunden in Polizeigewahrsam verbracht. Nawalnys Bruder Oleg wurde am Freitag zu zwei Monaten Hausarrest verurteilt.

In Russland sind generell alle Demonstrationen unter Verweis auf die Hygiene- und Anstandsregeln verboten.

"Der Anfang vom Ende"

In der sibirischen Metropole Nowosibirsk versammelten sich trotz klirrender Kälte zahlreiche Menschen auf dem Zentralplatz und bildeten einen Protestmarsch.

In Nowosibirsk kam es zu rund 100 Festnahmen. Am Dienstag wird ein Gericht entscheiden, ob eine Bewährungsstrafe für Nawalny in eine möglicherweise jahrelange Haftstrafe umgewandelt wird.)

Einige Demonstrierende in Nowosibirsk flüchteten sich in Sarkasmus, darunter die Journalistin Maria London: "Ich denke, wir haben einen Wendepunkt erreicht und jetzt wird es lustig. Während es beim letzten Mal wirklich beängstigend war zu demonstrieren, ist es jetzt amüsant, diese Polizisten zu beobachten, es ist amüsant, (den Gouverneur der Region Nowosibirsk, Andrej) Trawnikow, (den Bürgermeister von Nowosibirsk, Anatoli) Lokot zu beobachten, es ist amüsant, die Reaktionen der Genossen Putin, Rotenberg und dem Rest von ihnen zu sehen. Ich denke, gerade weil es amüsant wird, ist es der Anfang vom Ende für sie, das ist sicher."

Ein Student mit dem Vornamen Iwan sagte in Nowosibirsk:_ "Ich bin unter Putin geboren und ich will nicht unter ihm sterben. Deshalb bin ich auf die Straße gegangen."_

Eine junge Frau neben dem Studenten sagte kopfnickend: "Ja, ich stimme zu."

Tränengas in Sankt Petersburg

Auch in Sankt Petersburg versuchten die Behörden mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften in schwerer Montur Herr der Lage zu bleiben. Medienberichten zufolge setzten die Polizisten hier Tränengas und Elektroschock-Geräte gegen Demonstrierende ein.

Nawalny sitzt seit zwei Wochen im Moskauer Untersuchungsgefängnis Nummer eins, das im Volksmund Matrosenstille genant wird. Vor dem Gebäude versammelten sich wie schon am vergangenen Sonntag erneut Demonstrierende, die seine Freilassung verlangten.

Nawalny war vor zwei Wochen nach seiner Rückkehr aus Berlin an einem Moskauer Flughafen festgenommen worden. Der 44-Jährige, der für den Giftanschlag auf sich Präsident Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB verantwortlich macht, rief auch aus der Haft zu den Protesten auf.