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SARS-CoV-2 mutiert offenbar bei immungeschwächten Patienten schneller

Intensivstation in Cambridge (ARCHIV)
Intensivstation in Cambridge (ARCHIV)   -   Copyright  Neil Hall/AP
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Bei der Behandlung eines chronisch erkrankten Covid-19-Patienten hat ein Forscherteam der Universität Cambridge um Ravindra Gupta festgestellt, dass sich das Coronavirus des Mannes genetisch verändert hat - also eine Mutation aufwies. Die Mutation von SARS-CoV-2 ähnelte der britischen Variante B1.1.7 und führte dazu, dass die Antikörper-Therapie nicht funktionierte. Das beschreibt die University of Cambridge in einer Veröffentlichung.

Auch das deutsche Ärzteblatt berichtet darüber, dass sich das Virus bei abwehrgeschwächten Patienten schneller verändert.

Bei dem Patienten handelte es sich um einen etwa 70 Jahre alten Mann, bei dem zuvor ein marginales B-Zell-Lymphom diagnostiziert worden war und der eine Chemotherapie erhalten hatte. Deshalb war sein Immunsystem stark geschwächt. Nach der Einlieferung bekam der Patient u.a. das antivirale Medikament Remdesivir und Rekonvaleszenzplasma - das heißt Plasma, das Antikörper aus dem Blut eines Genesenen enthält. Obwohl sich der Zustand des Patienten zunächst stabilisierte, begann er sich später zu verschlechtern. Die eingesetzten Antikörper konnten viele, aber nicht alle Viren beseitigen. Einige Mutanten, die sich bereits gebildet haben mussten, waren resistent gegen die Antikörper und konnten sich trotz der Therapie ausbreiten.

Da SARS-CoV-2 von den behandelnden Ärzten mehrmals sequenziert wurde, konnten sie die Mutation des Virus nachweisen.

Weitere Sorge für die Wirksamkeit der Impfstoffe?

Professor Ravindra Gupta warnt vor der bei dem Patienten beobachteten Mutation des Coronavirus. Er erklärt: "Angesichts der Tatsache, dass sowohl Impfstoffe als auch Therapien auf das Spike-Protein abzielen, das wir bei unserem Patienten mutieren sahen, wirft unsere Studie die beunruhigende Möglichkeit auf, dass das Virus mutieren könnte, um unsere Impfstoffe zu überlisten."

Die Mutation betraf also die Rezeptorbindungsstelle, an der sowohl die Antikörper-Behandlung als auch die Impfstoffe ansetzen.

Professor Gupta geht davon aus, dass diese Form der Mutation vor allem bei immungeschwächten Patienten vorkommt. Er meint: "Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Effekt bei Patienten mit funktionierendem Immunsystem auftritt, bei dem die virale Diversität aufgrund einer besseren Immunkontrolle wahrscheinlich geringer ist. Aber es unterstreicht die Vorsicht, die wir bei der Behandlung von immungeschwächten Patienten walten lassen müssen, bei denen es zu einer verlängerten viralen Replikation kommen kann, was dem Virus eine größere Chance zur Mutation gibt."

Um die Verbreitung von Virus-Mutationen zu verhindern, ist es laut Forschern auch wichtig, die Infektion von abwehrgeschwächten Personen zu vermeiden und die Zahl der Neuinfektionen insgesamt gering zu halten.