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Waschmaschine, Fernseher, Föhn: Recht auf Reparatur tritt in Kraft

Geschäft, das die Reparatur von elektronischen Geräten und Haushaltsgeräten anbietet, Berlin, 26.02.2021
Geschäft, das die Reparatur von elektronischen Geräten und Haushaltsgeräten anbietet, Berlin, 26.02.2021   -   Copyright  AP/Markus Schreiber
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Unternehmen, die Kühlschränke, Waschmaschinen, Haartrockner oder Fernseher in der Europäischen Union verkaufen, müssen sicherstellen, dass diese Geräte bis zu zehn Jahre nach ihrem Verkauf repariert werden können. Damit soll der riesige Berg an Elektroschrott, der sich jährlich in Europa anhäuft, reduziert werden.

Der auch als "Recht auf Reparatur" bezeichnete Zusatz der Ökodesign-Richtlinie (2009/125/EG) tritt ab diesem Montag in den gesamten 27-EU-Staaten in Kraft. Sie ist Teil eines größeren Projekts zur Reduzierung der Umweltbelastung durch langlebige und energieverbrauchsrelevante Produkte.

"Das ist ein wirklich großer Schritt in die richtige Richtung", sagte Daniel Affelt vom BUND in Berlin, der mehrere "Repair-Cafés" betreibt, in denen Menschen ihre kaputten Geräte vorbeibringen und reparieren lassen können.

Ein Problem sei, dass moderne Geräte oft geklebt oder genietet seien, so Affelt. "Wenn man Spezialwerkzeug braucht oder das Gerät aufbrechen muss, dann geht das oft nicht."

Oft ist Mangel an Ersatzteilen ein Problem

Der Mangel an Ersatzteilen stellt Verbraucher vor weitere Herausforderungen.

"Die Leute wollen ihre Geräte reparieren", so Affelt. "Wenn man ihnen sagt, dass es keine Ersatzteile für ein Gerät gibt, das erst ein paar Jahre alt ist, dann sind sie natürlich sehr frustriert darüber."

Nach den neuen EU-Vorschriften müssen die Hersteller sicherstellen, dass Ersatzteile bis zu einem Jahrzehnt nach dem Kauf verfügbar sind, obwohl einige davon nur an professionelle Reparaturunternehmen weitergegeben werden, um sicherzugehen, dass sie korrekt eingebaut werden.

Neue Geräte müssen auch mit Reparaturanleitungen geliefert werden und so gebaut sein, dass sie mit herkömmlichen Werkzeugen zerlegt werden können, wenn sie wirklich nicht mehr repariert werden können, um so mehr Teile dem Recycling zuzuführen.

16 Kilo Elektroschrott pro Jahr pro Kopf

Statistisch gesehen produzieren die Europäer pro Kopf im Jahr mehr als 16 Kilogramm Elektroschrott. Etwa die Hälfte des Mülls ist auf kaputte Haushaltsgeräte zurückzuführen, und in der EU werden nur etwa 40 Prozent davon recycelt. Dadurch bleiben riesige Mengen an potenziell gefährlichem Material zurück.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze erklärte, dass in einem nächsten Schritt die Hersteller gezwungen werden sollten, anzugeben, wie lange ein Produkt voraussichtlich funktionieren wird und es zu reparieren, sollte es vorher kaputt gehen. Dies würde die Unternehmen dazu ermutigen, langlebigere Produkte zu bauen, sagte sie.

"In den Reparatur-Cafés sehen wir viele Geräte, die kurz nach Ablauf der Garantie kaputt gehen", sagte Affelt - ein Phänomen, das einige Umweltschützer dazu veranlasst hat, den Herstellern vorzuwerfen, ihre Geräte mit geplanter Obsoleszenz zu konstruieren.

Das Wissen, dass ein Gerät wirklich ein Jahrzehnt lang hält, könnte die Verbraucher dazu veranlassen, sich für Produkte zu entscheiden, die langlebiger sind oder leicht repariert werden können.

"Recht auf Reparatur" ist die richtige Wahl

"Für die große Mehrheit der Geräte ist die Reparatur die richtige Wahl", meint Affelt und fügt hinzu, dass die Ausnahme alte, ineffiziente Kühlschränke sein könnten, deren Treibhausgase den Klimawandel weiter anheizen können.

In einem nächsten Schritt wollen Umwelt- und Verbraucherschützer das "Recht auf Reparatur" auf Smartphones, Laptops und weitere kleine Elektrogeräte ausweiten.

Als Reaktion auf die wachsende Nachfrage kündigte Apple letztes Jahr an, Schulungen und Ersatzteile für zertifizierte unabhängige Reparaturwerkstätten bereitzustellen, die nicht nur iPhones, sondern auch Mac-Computer reparieren.

In Schweden müssen Verbraucher sogar weniger Mehrwertsteuer zahlen, wenn sie ihre großen Elektrogeräte reparieren - oder Ersatzteile kaufen wollen.

Die Ökodesign-Richtlinie der EU - zu der auch das "Recht auf Reparatur" gehört - sieht zudem die Überarbeitung der bestehenden Energielabel vor. Sie geben Verbrauchern Auskunft darüber, wie viel Strom Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte verbrauchen. Die neue siebenstufige Skala von A bis G wird durch einen QR-Code ergänzt, der dem Verbraucher weitere Informationen liefert, etwa wie laut die Geräte sind.