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Albanien: Vertragen sich Tourismus und Umwelt?

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Von Hans von der Brelie
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Englischsprachiges Interview im Originalton
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Blendi Klosi, Albaniens Minister für Umwelt und Tourismus, bezieht Stellung: Wie steht die Regierung zu den Bedenken von Vogelschützern beim Flughafenbau? Und gefährdet das Projekt das Ziel des Landes, der Europäischen Union beizutreten?

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Warum soll ein internationaler Flughafen in einem Schutzgebiet gebaut werden?

Blendi Klosi, albanischer Minister für Umwelt und Tourismus

Es muss verdeutlicht werden, dass der Flughafen bereits besteht. Die Idee ist bloß, einen neuen zu bauen, der sehr gut und ein wichtiges Mittel wäre, um den Fremdenverkehr im Süden weiterzuentwickeln. Auf demselben Weg sind wir einhundertprozentig sicher, dass der Flughafen in vollständigem Einklang mit den Bestimmungen des Schutzgebietes und allen Umweltschutzbestimmungen in dieser Küstenregion steht.

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Aber dieser Flughafen liegt mitten in einer der Hauptzugrouten von Zugvögeln. Er stört ihre Zugroute, und Sie haben ein internationales Abkommen zum Schutz von Zugvögeln unterzeichnet.

Klosi

20 Prozent des Landes sind Schutzgebiet. Bedeutet Schutzgebiet also, dass wir versuchen, die Entwicklung eines Fünftels des Gebietes zu begrenzen? Das ist sogar im Raum Vlora der Fall. Wir bauen keinen Flughafen mitten in einem Schutzgebiet, sondern wir versuchen, einen bestehenden Flughafen zu renovieren, der nicht mitten im Kerngebiet eines Schutzgebietes liegt.

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Dennoch: Was diesen Ort betrifft, gibt es einen Aufschrei der internationalen Wissenschaft. Es gibt dort seltene Vogelarten. Warum nehmen Sie keinen anderen Ort?

Klosi

Der Ausbau der Tourismuskapazität – wie durch einen neuen Flughafen, neue Seehäfen, neue Jachthäfen und so weiter - muss entsprechend der höchsten Maßstäbe des europäischen Umweltschutzes geschehen. Auch in diesem Fall werden wir mit den Fachleuten sprechen, ganz sicher. Wir sind zu Gesprächen bereit. Aber wir können nicht von Anfang an sagen: Nein, nein, nein, denn das wäre für Albanien und die Industrie unseres Landes nicht gut.

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Was Ihre Gesetzgebung bezüglich strategischer Investitionen betrifft gibt es Bedenken, dass diese der Umwelt schaden. Und es gibt Bedenken, die nicht ich geäußert habe, sondern die Europäische Kommission: Schaden Sie dem allgemeinen Übereinkommen, das es in Europa in Sachen Vogelschutz gibt?

Klosi

Wir können unsere Entscheidung nicht ohne Informationen über die Umwelt vorlegen. Wir warten auf dieses Umweltgutachten. Darauf aufbauend werden wir die Diskussion eröffnen, wie der Flughafen gebaut werden muss, was für unser Land sehr wichtig ist.

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Wir sprechen über ein Gebiet mit 62 geschützten Arten, sie sind durch die europäische Vogelschutzbestimmung geschützt. Und Sie sind ein EU-Beitrittskandidat. Setzen Sie die Herausforderung, EU-Mitglied zu werden, aufs Spiel?

Klosi

Lassen Sie uns diese beiden Diskussionen voneinander trennen. Was die Umwelt betrifft, müssen wir alles gemäß den Regeln tun, und das ist der Fall. Diese Regierung hat dieses Gesetz über Schutzgebiete vor fünf Jahren in die Wege geleitet. Wir haben das in den Mittelpunkt gerückt: Nationalparks, den Umweltschutz, die Schaffung einer Umweltbehörde und die Schaffung von Regelungen, wie Schutzgebiete weiterentwickelt werden können. Auf der Grundlage dieser Regelungen müssen wir auch über den neuen Flughafen sprechen. Natürlich werden wir fordern, dass der Flughafen zu 100 Prozent im Einklang mit den Regelungen gebaut wird. Und selbst, um im Wettbewerb mit Nachbarländern mithalten zu können, wissen wir, dass wir die Umwelt als wichtigste Tourismustrumpf in den Vordergrund stellen müssen, die wir haben. Ich bin mehr als überzeugt, dass wir die Umwelt in Albanien schützen müssen. Und ich versuche ebenfalls, eine neue Debatte im Land anzustoßen und Albanien als das erste Land in Europa darzustellen, dessen Tourismus zu 100 Prozent umweltfreundlich ist.

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Sagen Sie, dass die Debatte noch im Gange ist, ob der Flughafen gebaut wird oder nicht? Oder ist diese Debatte abgeschlossen und die Entscheidung bereits getroffen worden?

Klosi

Auf dem Tisch liegt eine Debatte über alle Einzelheiten.