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Machtkampf spitzt sich zu: Söder in Berlin gelandet, JU für CSU-Chef

Armin Laschet von der CDU (links), Markus Söder von der CSU mit Masken.
Armin Laschet von der CDU (links), Markus Söder von der CSU mit Masken.   -   Copyright  Michael Kappeler/(c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Kurz vor dem Ende der selbst gesetzten Frist zur Klärung der Kanzlerkandidatenfrage in der Union ist CSU-Chef Markus Söder am Sonntagabend in Berlin eingetroffen - mit einem Privatjet.

Über den weiteren Ablauf des Abends und zum Stand der Dinge im Wettstreit zwischen Söder und CDU-Chef Armin Laschet um die Kanzlerkandidatur herrscht zur Stunde Unklarheit.

Derweil setzte die Junge Union (JU) ein deutliches Zeichen und stellte sich mit großer Mehrheit hinter dem CSU-Vorsitzenden Söder. In einer Videokonferenz der Landesvorsitzenden am Sonntagabend sprachen sich nach JU-Angaben 14 von 18 Landesverbänden für Söder aus. Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein als mittelgroße Verbände sowie Brandenburg hätten von einem "gemischten Stimmungsbild" berichtet.

Die Junge Union Nordrhein-Westfalen, die mehr als ein Viertel aller JU-Mitglieder stellt, sprach sich für CDU-Chef Armin Laschet als Kanzlerkandidat aus.

Wer soll antreten?

Diese Frage hatte die Union am späten Sonntagabend noch immer nicht beantwortet. Dabei waren die beiden Rivalen Laschet und Söder am Samstag zu einem Vieraugengespräch zusammengekommen und hatten für spätestens Sonntag eine Einigung in Aussicht gestellt.

Medienberichten zufolge landete Markus Söder am Sonntag gegen 19:30 in Berlin. Ob es dabei um ein erneutes Treffen mit Laschet ging, blieb zunächst offen. Am Montag soll Berichten zufolge der Bundesvorstand der CDU zu einer Sitzung in der Hauptstadt zusammentreten.

Sowohl Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) als auch seinem Bayerischer Amtskollegen Markus Söder (CSU) attestieren ihre Unterstützer die Befähigung zum Kanzleramt. Beide können auf Regierungserfahrung an der Spitze flächen- und bevölkerungsmäßig großer Bundesländer zurückgreifen.

Einigung auf Kanzlerkandidaten steht weiter aus

Der CDU-Politker Bernhard Vogel forderte am Sonntag eine schnelle Entscheidung. Die Einigung verdiene keinen Aufschub mehr, so der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und von Thüringenin in einem Radiointerview. Zugleich kritisierte er Markus Söder. Dieser habe zunächst versprochen, sich der Entscheidung der CDU-Gremien zu beugen, dann aber die Legitimität dieser Gremien infrage gestellt. Sowohl Präsidium als auch Vorstand der CDU hatten Armin Laschet zuvor Rückendeckung für seine Kandidatur zugesagt.

Für die Findung des Kanzlerkandidaten in der Union greift kein festgeleter Ablauf. Einige Unionsmitglieder wollen sich bei der Entscheidung auf Meinungsumfragen stützen, andere favorisieren eine Orientierung an der Entscheidung der Parteigremien.Aus Unionskreisen war am Wochenende zu hören, die beiden Kandidaten befänden sich weiterhin in guten und konstruktiven Gesprächen.

Druck auf Söder und Laschet wächst

Vom steigenden parteiinternen Druck zeugten am Wochendende Ankündigungen aus Teilen der CDU. Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen drohten mit der Gründung eines CDU-Landesverbands in Bayern. Damit wäre die Trennung der beiden Parteien faktisch abgeschafft.

Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann hatte für Sonntagabend zu einem Zoom-Meeting geladen. Offenbar wollte man sich im Norden ein Bild machen von den Mehrheitsverhältnissen sowohl im Landesverband als auch in den Kreis- und Bezirksverbänden. Die Frage: Wohin schlägt die Nadel aus: in Richtung Söder oder Laschet?

Sollten sich die Rivalen nicht doch noch schnellsten einigen, könnte es auf eine Entscheidung in der Bundestagsfraktion der Union am Dienstag hinauslaufen. Auch eine Sondersitzung des CDU-Vorstands zur K-Frage am Montag galt in der CDU zunächst als denkbar. Doch das könnte "Gräben aufreissen", so die eindringliche Warnung von Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann von der CDU. Eine Kampfabstimmung der Rivalen Söder und Laschet sei abzuwenden.